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Reguly Antal levele a szüleinek (Lammasaho, 1840. április 28.)
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Lammasacho (in Laukas Kirchspiel) den 28 April. 1840.
Gute Ältern!
Sie erwarten mich schon persönlich mit jeder stunde, wenn Sie diesen brief bekommen – Ich bedauere Ihren Hoffnungen nicht entsprechen zu können. Als Sie mir schrieben ich möchte mit Ende April nach hause kommen; wollten Sie eben kein blinden gehorsam verlangen – – Sie hielten meine Finnischen studien für nothstudien (wie sie es, die erste zeit waren) in dem ich etwass besseres nicht thun konnte – und so dachten Sie, – wenn ich nur wieder zu hause bin und auf dem Landtage practicire. – – Wie viel ich finnisch kann? ist eine gleiche sache.
Doch die resultate meiner bisherigen studien, legen mir solchen Ernst auf diese sprache, wie nur meine kräfte einen erlauben. – Seit schlötzers zeiten vermuthete man schon immer, was keiner noch, nur wegen mangel näherer kenntnissen bestimt beweisen konnte. Sajnovits kannte wenig die Lappische sprache – von der finnischen hatte er aus büchern einigen schatten – Gyarmathi der darüber auch schrieb, hatte so wenig litterärische mitteln (man hatte zu der zeit nur noch einen vesuch eines Lexicons, das den 10ten theil des wortschatzes vielleicht enthält) dass man behaupten muss, er wusste von der Sprache gar nichts. – – – Bin nun ich so apropos dazu geführt, quasi dazu genöthigt geworden – und sehe ich nun solche resultate, dass mich die stärkste überzeugung zur behauptung führt: Die ungrische sprache ist eine Finnische mit Russischem stark verdorbene sprache. – So ist es meine Sache – Wenn Sie mir Theure Ältern, in dem Sie nicht wissen können wass meine studien zeigen schreiben, ich soll je eher – noch bis ende April zurückkehren – – wohl denken wie ich Ihre kosten schonen. und nicht mehr verlangen soll, als es Ihnen möglich ist, – Doch andrerseits meine Rückkehr mit bedacht zu machen – damit ich nicht etwas versäume jetz zu thun – wass ich später hin zu hause nicht mehr einbringen könnte.
Die Finnische sprache ist eine sehr schwierige sprache, und wegen mangel gehöriger hülfsmitteln, aus buchern allein noch unerlehrbar – Ein neues lexicon wass man seit unlängst hat – hat noch sehr viele mängeln hinsicht des wortreichthums der sprache – Gramaire, wäre wohl eine gute, doch lässt sie noch viele eigenheiten der sprache unberührt (sie ist svedisch geschrieben, wie alles wass über Finnland etlichen aufschluss geben kann – ich musste darum zuerst svedisch lernen – – Sie hat sehr viel ähnlichkeit mit der Deutschen sprache, man könnte sie fast einen Dialekt davon nennen – so war es keine swierigkeit sie in kurzer Zeit aufzufassen) – so muss sie in der nahe von sprachkundigen gelernt werden. – Dazu ist für mein streben, von grösster wichtigkeit, die sprache aus Ihrer Quelle aus dem Mund des volkes zu kennen – wass in Büchern ist versteht man nur nach der Ortographie wie diese gut oder schlecht ist – In Helsingfors und längst der ganzen seeküste ist lauter svedische Colonisation und so auch ihre sprache – ich musste also bevor ich das Land verlasse, um die Sprache des lebens zu hören. die art sich auszudrücken etz. lernen zu können – gegen Norden, in das innere des Landes reisen. (in Helsingfors hörrte ich kaum etliche mahl diese sprache zu sprechen.)
Weiter – da ich so lange in Finnland mich aufhielt, hätte ich wohl gerne eine art beschreibung von Finnland, von den Finnen als einen verwandten stamm wollen geben – vielleicht auch Sie zu hause hätten dergleichen erwartet – Doch wie wäre etwass zu leisten gewesen, – da ich nur dass svedische Finnland, wo nur fremdes herscht gesehen habe.
Auf Ihren und des Herrn Abten dringenden aufforderungen nach hause zu kommen – konnte es mich darum nur betrüben dass ich Ihnen nicht gehorchen kann – – meinen vorsatz konnte ich nicht lassen.
Ich bekam Ihren und dass Herrn Abten brief. mit Ihren gütigen subsidien den 4 März – und fuhr den 11ten mit Provincial Doctor Schilt aus Laukas – von Helsingfors 50 meilen nördlicher in die Mitte von Finnland – nach Laukas Kirchspiel (Paroecia). Und wohne nun bei einem bauern namens Jundunen in Lammasacho, etliche tausend schritte weit von Schilt sein Landgut. – – So geschieht meine Rückkehr mit etlichen Monaten später, und meine Reise ist verlängert, doch die vielen Reise kosten sind beseitigt – schon zum neuen Jahre bereitete ich mich auf diese weise zu thun auf dem Lande zu wohnen, und hatte viele einladungen schon daraus – doch als ich Ihre hülfe Gute Ältern nur erst später, Monat Januar bekam und diese nicht hinlänglich war, meine schulden zu tilgen, war ich genöthigt bis märz hier zu bleiben. (in diesem Sinne meinte ich dass im vorigen brief geschriebene: je mehr geld ich habe, dessto billiger reise ich – – ich hätte mir auf diese art etliche hundert floren erspart) – als ich nun von Helsingfors fuhr, hatte ich von Ihrer letzt geschikten summe 200 fl: noch übrig (ich musste mir schon eher wäsche machen lassen – ich hatte ja von hause nur 3 hemde und 2 gatya mit genommen) – diese 50 tage, die ich bis jetz auf dem lande lebte, kosteten mich 40 fl: mit reise und allen – so bin ich noch willens mit diesem übrigen gelde 100 meilen noch nördliches zu den Lappen zu reisen, und wieder nach Helsingfors zurück zu kehren.
Auch – wäre ich willens gewesen, Ihren ruf zu folgen, bis ende April zurück zu reisen – es wäre mir unmöglich gewesen. – Wäre ich z. b. den 11 März von Helsingfors statt Laukas nach Petersburg gefahren – Eine solche Riesen stadt fordert doch wenigstens 2 wochen, um nur ein bischen gekannt zu werden – Und den 20–25ten März fängt sich schon das thauwetter längst der Küste an, und dauert bis anfangs Maj – wo es fast nicht möglich ist in Russland zu reisen. – Und dazu noch – ich hatte nicht mehr als 200 fl. – Weil zu dieser zeit niemand reiset hätte ich mir müssen separirte gelegenheit nehmen. – Es wäre unmöglich – unmöglich nur auf eine Reise zu denken gewesen – und hätte ich das dreifache geld gehabt. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_129_2
So bin ich noch gesonnen, 3 Monate in Finnland zu bleiben – mit 20ten Mai bis zu welcher Zeit aller Schnee und Eis auf den Seen zergeht – will ich von hier, 40 meilen höher nach Idensalmi (ich habe eine einladung dahin) fahren – und von da weiter nach Lapland zu fusse wandern – Bis 24 Juni zu welcher Zeit die Sonne hier nicht untergeht, will ich Nordwärts steigen – nach diesem kehre ich um, und komme biss Ende Juli nach Helsingfors und trete meine Rückreise an, dass ich mit Ende monat October zu hause bin. – – – In der finnischen sprache machte ich schon solche vorschritte, dass ich mit Collan finnisch correspondiere – und dass ich diese tage meinen Danksagungs brief an die Gelehrte Gesellschaft finnisch will schreiben. Doch fehlt mir noch viel um die Alt finnischen Poesien zu verstehen – Im Jahre 1835 gab die Gelehrte Gesellschaft eine Sammlung finnischer Volkspoesien aus. Sie sind in Nordöstlichen Finnland an der Grenze von Russland, und viele auch in Russland gegen Archangelsk (die bewohner sind hier noch meistens finnischen stammes) gesammelt, sind alle mythisch epischen inhalts – die seit Jahrhunderten durch tradition, durch die Sitte bei festlichkeiten alte lieder und Poesien vorzutragen bis auf jetz erhalten sind. – Sie stellen die Religion der Alt Finnen vor, und haben durch ihre zartheit, merkwürdigen einfachheit, und nordischen charakter so viel interesse, dass man sie neben Homer stellen kann. – Sie enthalten viele veraltete vorte und vorte die nur in diesen nördlichen Gegenden gebraucht werden, darum sind sie schwer zu verstehen. Sie sind noch in keine Sprache übersetz aber sie in die Ungarische überzuführen, soll eine meiner ersten arbeiten sein, wenn ich nach hause komme es sind 40 bogen in 2 bände. – – Wegen der Lappischen sprache schrieb an diese tage an Collan, dass er mir eine Gramaire nachschickt als ich von Helsingfors fuhr glaubte ich nicht eine zu brauchen, doch will ich Sie ein bischen lesen wenn ich jetz zu sie komme. – Sie sollen grosse Zauberer sein – vielleiht lerne ich auch etwass von Sie – wenigstens karten aufschlagen und daraus wahr sagen – in wass Lappen auch Meistern sollen sind – Sie sind sehr kleine Menschen und sollen nicht viel liebenswürdig sein. – doch wer weiss es – Damen haben noch kein Urtheil über Sie gesprochen – – ich will versuchen etliche zu portretiren, vielleicht könnte sich doch jemand in sie verlieben. – Eine verleumdung von Männern aus eifersucht ist ja nicht schwer zu denken. – Ihre Veiber tragen solche kopfmützen vie die ungrischen weiber (in helsingfors sah ich etliche ganz von den nämlichen Zeig wie sie bei uns sind) ich will der Berta mit einer solchen ein present machen – sie braucht sich wenigstens zu hause keine zu kaufen.
Wegen meiner Rückreise durch Russland darf es Ihnen Gute Ältern nicht bange sein – man hat ja mehrere Kaiserliche strassen auf denen die bessten Gasthäuser und besste polizei ist, auf denen man wohl commodter und sicherer reisen kann, wie auf vielen unserer strassen. – Nach Moskau denke ich wohl nicht mehr, doch meinen übrigen plan, will ich nicht aufgeben – ich will mehrere Finnische Colonien und verwandte stämme zu sie, besuchen, und hoffe von ihrer jetzigen sprache sehr viel – wass das Russische für eine virkung auf sie hatte – sie werden mir ein spiegel sein, wo ich unsre Ungrische sprache sehen können werde – – so sind mir dann die Ungarn an Pruth und die Székler in Siebenbürgen von vieler wichtigkeit. – – Weil ich die Russische sprache späterhin auch lernen will – so wird mir diese reise gleich eine Introduction sein. – Kenne ich die Finnische und Russische Sprache, so habe ich die Elemente der Ungarischen.
Wegen Reise kosten, sollen diese meine letzte bitte sein, die ich je an Sie richten will. – – Schiecken Sie mir Gute Ältern – so viel es ihnen leicht möglich ist – – geht es nicht auf wagen, so will ich schon zu fusse nach hause kommen. – (Doch möchte ich gerne in Petersburg 12–14 tage weilen können, um auch etliche besuche da zu machen.) – Schertz wird es mir Durch Mutzenbecher wieder nach Hellsingfors schiecken, wo ich, wie ich schon sagte, mit ende Juli bestimt eintreffe. – – Sie werden nicht böse sein.
Diese Landschaft die ich Ihnen vorne zeichnete ist Lammasacho – auf einen hügel gelegen, zu der Zeit als ich es abnahm – vor 10 tagen – noch gantz mit schnee bedeckt – die 2 höhern bäume die bei dem hofe stehn, sind eine tanne und eine birke, welche letztere, eben vor meinem fenster steht, und der monsieur der auf schneeschuche lauft, – bin ich.
Mein Hausherr und besitzer von Lammasacho ist Jundunen, ein bauer. Darum muss man das Jus repraesentationis wass in den Svedischen Jus (in Finnland hat man auch diess) der bauer hat, nicht überschätzen – Bauer ist hier ein jeder Guts besitzer. der nicht Staats dienste hat oder nicht von Adel ist. – Die bauern in nostro serou werden Törper genannt, und sind eben so schlecht, in manchen noch schlechter gehandhabt als die unsriegen.
Dörfer hat man hier sehr wenig, und meistens nur in südlichen Finnland – sondern ein jeder Bauer hat seinen Hof bei seinen feldern, und wohnt da mit seiner familie von andern gantz abgeschieden. Doch wegen der leichtern administration MTA_KIK_Kt_Ms_4754_129_3 werden 20–25 höfe für ein dorf genommen, und haben dann einen bestimmten Namen, der doch mehr name ihres territoriums ist. – So wohne ich in dem Dorfe Leppâvesi in nro 15 – weil Lammasacho diesen Numero hat – Doctor Schilt wohnt in Leppâvesi, Numero 18 – weil Ahlbacka, sein hof
1618 ist. – Dergleichen eintheilung hat man auch hinsicht der pfarreien oder Kirchspielen wie sie hier genannt werden. Das Laukas Kirchspiel in dem ich wohne hat 36 solche dörfer wie Leppâvesi ist – also ein ungeheuren districkt – mit 10,000 bewohnern – Die Kirche steht ganz einzeln auf einen hügel – kommt nun der Sonntag, so setzen sich von jedem hof etliche in schlitten, nehmen ihr Gebetbuch ins schoss, und fahren 3–4 bis 5 meilen weit zur Kirche, wo es denn von den vielen menschen schlitten und pferden aussicht, wie in einem lager – selbst der pfahrhof liegt manchmal 1 bis 2 meilen von der Kirche entfernt – und der Priester muss sich auch gefallen lassen, immer solche strecke zu fahren.Die Gebäude sind alle von holtz – die Kirchen, die höfe der reichsten leute, wie die der ärmsten. – Ich zeichnete mir den ganzen plan von Lammasacho nach eigenen messungen, – ich will ihn nach hause bringen – Man kann hier im allgemeinen, so viel gebäude annehmen wie wir stuben haben; – so sind im hof Lammasacho 28 – wie man bei uns eine milch kammer oder mehl kammer oder zimmer für kleidungen hat – so sind hier dass mehl haus, das milch haus, das koch haus, das kleider haus für die hausfrau und mann, das kleiderhaus für die weiblichen dienstboten, das kleider haus für die männlichen dienstboten etz: alles freilich ein kleiner maastab das ganze gebäude hat nur 4 bis 5 oder 6 schritte in quadrat – mit ausnahme ihrer wohnstube (oder wohnhaus weil es wieder ein separirtes gebäude ist) die 5 – 6 – bis 7 klafter in quadrat hat. – Ihre möbeln sind dann ein langer tisch mit langen bänken wie bei uns etliche weberstühle, etliche bettstellen, und einen ofen von wenigstens 2 klaster in quadrat, das man es zuerscht nicht begreifen kann, was es für eine Maschine ist, das einzige steingebäude in ganz finnland. Doch reicht es nicht über das Dach der stube – sie haben kein rauchfang. – nur eine kleine öffnung die wenn sich der Rauch da schon zu viel anhäuft aufgemacht wird – auch ist der rauch nicht so sehr schädlich weil die stuben sehr hoch sind – 3 klafter in der höhe – sie reichen bis unter das dach, den boden kennt man hier nicht. – Die wärme die man in solchen stuben hat ist ungeheuer – ich konnte nie über 10 minuten in einer aushalten – darum kann auch die kälte auf den organismus des finnen nicht wirken – dass sie ihm vielleicht so verkrüppeln würde machen wie den Lappen – hat der finne draussen 30 grad kälte, so macht er sich in seiner stube 30 grad wärme – – – so sind auch merkwürdig ihre bäder (finnischen oder Russischen bäder) – wenn der finne zeit hat, so badet er täglich – er hat eine eigene badstube. die bei den ärmsten finnen auch gefunden wird – da erzeugt er sich dampf mittelst wasser aufguss auf glühende steine, und slägt sein körper mit birkenruthen, um noch mehr in schweisch zu kommen – Die ganze familie badet auf einmahl, und um den dampf noch mehr aufgesetzt zu sein. hat man treppen, die hinauf bis unter dass dach führen – sie kommen dann mit unter ganz entblösst heraus, werfen sich in schnee, und gehen wieder zurück. – Nach dem baden, mit solch erhitzten blut gehen sie gleich schlafen – – Rauch ist freilich auch in dieser badstube viel und darum für die augen solch ein bad, viel schädlich – auch ist Ihr körper so mit rauch durchdrungen sammt ihren kleidungen – dass ein finnischer bauer so nach rauch riecht, wie der ungarische nach speck und fett – es ist keines angenehm.
Der Finne ist stark, sehr häufig gross gewachsen, hat rundes weisses Gesicht und hellgelbes haar, auf diese art lang geschnitten wie unsre slawen in Ungarn. Die mädchen in dieser Gegend meistens alle schön, zu weilen so stark und fest, dass man sich fürchten könnte von sie. – Kerzen brennt man in allgemeinen nicht wenn die Nächte sehr lang werden und in diesen Gegenden zu winter solstitium es um 2 Uhr schon dunkel und nacht ist, würde es sehr viel kosten – man brennt pârtâ, lang gespaltenes dünnes tannenholz von ungefähr 4 fuss länge, 3 finger breite – was in ihren stuben schon aufgehäuft liegt – ist eines verbrannt, so zündet man das andere an – reiset man so bei der nacht, und verlangt man in einem hof wo, pferde – diese mädchen mit den flammend brennenden pârtân wie sie in stall und sonst in hof herumlaufen um etwas zu besorgen – ist ettwas eigenes zu sehen, – mann kann sich in dem augenblick mit den Namen Furie ganz gut befreunden, in dem sie, mit ihren vorne lossgelassenen haaren liebliche portraite davon sind.
Finnland hat 6000 □ meilen und 1,300000 Einw. – eine sehr schlechte proportion, nach der auch die bebaung des Landes ist – Lammasacho hat über 1000 Joch land – doch davon machen äcker wiesen etz. gehörig bebautes land nur 70 Joch aus – dass übrige ist waldung (die sehr erudel behandelt werden) oder sonst durch steine unbrauchbares Land. – Doch hat man ausser diesen gut bereiteten Äckern, noch andere gebrannte Äcker genannt. In herbst nämlich, bezeichnet der bauer in seinen Waldungen etliche plätze die guten fruchttragenden boden zeigen – und so werden die bäume da umgehackt, und den künftigen Herbst da dass holtz schon getrocknet ist wird es angezündet, und in die kohle und asche nach etlichen Monaten Wochen gesäet – und so weiter.
Lammasacho bezahlte an die Krone, diess jahr 119 fl. w. – – Schilt hatte vorgestern sein Landgut Ahlbacka verkauft für 15,000 Rubel (ein rubel kann 66 kreutz. W. haben) – es hat 2200 Joch, und sehr gute wohnungsgebäude. – – Die grösste oekonomie besteht in der Kühe-zuht in lammasacho hat man 26 – und der butter macht ihre grösste Jährliche einnahme, obwohl das pfund nur 4 bis 6 w groschen kostet. (weil finnland so gut für handel geeignet ist durch ihre stellung am Meere sind auch die andern ausländischen produkte sehr billig – Cafe das pfund 12 gros: – Zucker (Rohr) das pf. auch 12 gros. – manchmal billiger manchmal auch theuerer)
Ihre kleidungen sind alle eigene fabrikate – in lammasacho hat man ausser etlichen kopf und halstüchern, nicht ein gekauftes stück – darum kommt dem weberstuhle sehr viel Ehre zu, und man hat auch Gedichte über ihm. – Ihre Nahrung und bereitung ihrer speisen ist die schlechteste die sie haben können – gesaltzne rohe fische und süsse oder sauere milch dazu findet man täglich bei sie – ihr fleisch ist auch alles gesaltzen oder geräuchert – und nur erdäpfeln und hafergritze sieht man warmer zu essen. – Doch bei Ihren festlichkeiten findet man auch bessere speissen bei sie, und kafe immer. – – Sie sind so arbeitsam dass ich kein Finnen noch müssig habe gesehen – und darum findet man bei den ärmern bauern immer einen Hahn wenn sie auch hühner nicht haben – um in der früh zur gewisser zeit immer geweckt zu werden – (Uhren haben sie selten) – – Die stuben der Törper haben nie fenster scheiben – sondern in die wand sind etliche löcher geschnitten, und über die ein anderes holtz geschoben – wenn man MTA_KIK_Kt_Ms_4754_129_4 mitunter vor solchen gebäuden vorüber fahrt, und diess holtz weggeschoben wird, und 2 oder 3 köpfe auf einmahl heraus gucken können die pferde erschrecken. – – Ihr brot ist aus roggen – doch findet man bei den Törpern immer auch brot aus tannenrinde.
Wie wohne nun aber ich bei diesen Jundunen? – passabel. – Das grössere gebäude was Sie vor der birke stehn sehen hat 2 zimmern die man nur bei Ihren unterhaltungen und festlichkeiten braucht und sonst unbewohnt sind – das eine bewohne nun ich – habe einen tisch, 3 sesseln, eine bank, ein bett, kleinen speise kasten, ein kleinen bücherschrank, und einen Ofen, den sie mir so viel heitzen als ich nur wünsche. Zur speise kann ich auch so viel milch, butter, erdäpfel, gritze, und alles was sie haben, bekommen als ich nur will – Was die zubereitung anbelangt, muss ich oder selbst dabei sein oder mit toleranten sinn annehmen was man mir bringt – Ihr wille ist ja doch gut. – Und so sitze ich den gantzen tag in mein Zimmer – will ich spaziern gehen so gehe ich auf schneeschuche, was mir sehr viel unterhaltung giebt – es ist nicht leicht zu lernen, doch ist man meister darauf so kann man wettelaufen mit ein schlittenpferd – auf diese art begleite, ich öfters Jundunen wenn er zum nahe liegenden See auf das Eis geht, um zu sehen ob seine netze etwas gefangen haben – und halte Finnische Conversation. – Nur der blendende schein der Sonne auf den, – noch die ganze Gegend bedeckenden Schnee, macht meine Augen viel krank – sie brauchen sehr viel schonung dass ich an lichtern tagen gar nicht ausgehen kann. – – Die ersten Tage als ich hier wohnte, hatte ich merkwürdig viele besuche bauern und törper von den Umgebungen, damit sie den fremden aus süden sehen, und ich duldete es die erste Zeit weil sie noch viel einfalt haben – sie kamen in mein zimmer, blieben an der thüre stehn und ich konnte sie sellten zur einer Antwort auf meine fragen, wegen ihrer grossen bescheidenheit, bringen. Manche äuserten sich dann als sie weggingen, und meinten: es ist doch eigens, dass er ganz so aussieht, wie wir selbst. – – Die finnen haben in allgemeinen viel mehr sanfheit als Ungarn – und sind wissbegierig – – ich habe hier mit mir mehrere sammlungen von finnischen Poesien, und sie haben sie mir schon alle abgefordert, und an Sonntagen lesen sie sie sehr fleissig – – Weiter östlicher noch von hier wo diese Poesien gesammelt sind von denen ich eher schrieb – sind sie nicht nur, dass sie die alten dichtungen erhalten, sondern dichten auch selbst – – alle Poesien die man bis jetz in finnischen gedruckt hat sind bauern poesien – und vor einer woche bekam ich noch ein gedicht, was unlängst über einen Kirchenbrand in Karelien gedichtet ist – es beschreibt den ganzen brand und man kann ihm Poesie nicht absprechen.
Das Clima ist hier viel strenger als in Helsingfors – als man vor 3 Jahren in Helsingfors 30 grad kälte hatte – war es hier so, dass wenn man Queksilber in die luft setzte, es in moment erfror. – Diess Jahr in Monat Januar war hier das gewöhnliche 18 bis 24 grad (in Helsingfors hatte man wohl 2 Grad wärme, doch sex tage darauf hatten wir 28 gr: kälte (alles wird Celsius gerechnet)) – in Helsingfors war die 2te hälfte des Februar, so wie es bei Ihnen konnte sein – es war immer sonnenschein, der schnee schmoltz, die schlitten fahrt wurde auf den strassen schlecht – und alles was konnte ging spatzieren – monat März war die Sonne kälter, und als wir den 11ten abends von Helsingfors fuhren schneiete es die ganze Nacht und den folgenden tag. Schild ist bräutigam und wir besuchten seine braut. Der Vater ist Häradshöfding (judex primae instantia, in re civili – Die Judicielle Administration ist hier ganz separirt – Es sind 3 districtual tafeln – ein jeder district hat dann 2 lagmansgerichte, und unter ein lagman sind 5 bis 8 Häradshöfdinge – Supraemum tribunal, ist ein senats collegium) und sind sehr fröhliche, angenehme Menschen – durch eine woche die wir hier verweilten schneiete es ohne aufenthalt, dass wir bei unsern weitern Reise überall selbst uns einen weg brechen mussten. Monat April hatten wir den 5 das letzte schneegewitter – seit dem bis 18ten warmen sonnenschein und seit diesem windige tage. Als Schilt diesen tag wieder zur braut fuhr, schickte der pfarrer um mir, und ladete mich bei ihm zu wohnen bis Schilt zurück komt, um dass ich nicht lange weile habe Ich brachte allso die osterfeiertage bei ihm zu (er hat eine sehr schöne grosse wohnung – ich hatte ganz separirtes zimmer, mit grösster bequemlichkeit etz.) und kam den 27ten, das ist gestern – zurück – und schreibe seit dem diesen brief – – vor meinem fenster kann ich nun mehr keinen schnee sehen, die Sonne ist warm, der himmel blau, die vögeln quitsern mit einem wort die ganze natur lebt. – nur die Seen wogen noch nicht – als ich gestern kam fuhr ich noch über einem, und das eis machte noch eine sehr fesste strasse – es ist nur reines eis, weil der schnee schon geschmolzen ist darauf – und es ist wunderschön zu sehen wie die lange zur seite unendliche strecke die farbe des himmels in sich führt – es ist ein spiegel nach der Natur des Wetters. – Auch sind die nördlichen seiten der berge noch mit tiefen schnee bedeckt. – Als ich nach hause kam, fand ich 3 presente an mir adressirt – es waren 3 oster Eier, – ein Memma Kuchen (er wird hier immer zu ostern gegessen, ich kann ihn nicht beschreiben, doch ist er nicht gut) und eine blühende Nelke – ich weiss noch nicht von wem sie sind. – Den 22 und 23 fiel wohl wieder schnee, doch war er zergangen und wir haben nun nur sehr kalte noch alles frierende nächte – doch merkwürdig wenig koth – so lange man schnee hat zählt man immer noch winter, und so ist der übergang zum frühling, von der zeit als der schnee geschmoltzen ist, zur grünen Natur – so ungeheuer rasch, dass man koth hier kaum kennen kann. – Auch weil die sonne schon fast ohne aufenthalt wirkt – sie geht nun um halb 4 auf, und um halb 9 nieder – zu sommer solstitium geht sie um halb elf hier nieder – weiter hinauf werde ich sie sehen, wo sie gar nicht untergeht, in ihrer rothen Nachtnegligée. Dass sie eben bei den Lappen eine Nacht coquette wird – ist auch keine bestätigung für die allgemein anerkannte abscheulichkeit. der Lappen – Endymion hatte ja auch ein besseres portrait – warum hätte die Sonne solch desperaten geschmack.
Finnlands Gegenden sind wunderschön, und haben so eine eigenthümliche Natur, das ich keine in Ungarn, Deutsland oder in sonst mir bekannten theilen gesehene, mit sie vergleichen könnte – Überall nur See und See, und man kann nicht eine meile in östlichen Finnland reisen, wo man keine aussichten auf wasser hätte – dazu die sanften hügeln und berge mit ihren gezackten tannen – eine sehr zart gekleidete Natur, obwohl ihr Clima noch keine erziehung genossen und in Ihrer angebohrne rochheit ist. – – Ich bitte an Herrn Abten meinen handkuss und recht vielmahligen Dank – – Ich küsse sie gute Ältern und bleibe ihr Toni
Juli und Berta küsse ich auch vielmahls. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_129_5
Schilt wollte neulich diesen Ungarischen brief sehen, den ich von Papa zuletzt bekam, und bat mich ihm zu zeigen – Als ich den brief aus dem Couverte nahm, fiel damit ein kleines zettel heraus, – es waren etliche zeilen von der Berta geschrieben, die sie, ich weiss nicht wie, in brief practicirte – ich war darüber viel erfreut, und Schilt gefielen die Zarten gedanken sehr. – Als ich nun diesen brief an sie Gute Ältern schrieb, wollte er in meinem Namen an die Berta auch etwass schreiben – und hier ist das Zettel wass seine Gedanken enthält – leiten sie ich bitte den Spass gut und schicken sie der Berta das blatt ohne etwas zu verrathen – es wird interessant sein zu hören wass sie zum billet meint – ich glaube nicht dass sie die fremde schrift erkennen wird. – – Schilt ist ein Mann v 29 Jahren und hier Provincial artz, ein lebhafter Mensch wie es in Finnland wenige giebt – und bräutigam – er ist so verliebt, wie ich nie eine Idee davon hätte können haben – in seinen entzücken würde es ihm manchmal ein süsser Tod sein. – Ich studiere Ihn, zu meinem Ideal der wahren Liebe. 3)
Dies zettel schreibe ich den 3 Maj – und in Ahlbacka wo ich jetz wohne. – Schon, als ich mit Ihm hieher von Helsingfors kam, wollte er mich nicht nach Lammasacho lassen, – ich hätte sollen mit ihm in einem zimmer wohnen, weil die andern zimmer gereinigt werden mussten um seine braut mit Ihren Ältern und kleinern schwester gut empfangen zu können – – doch um erfahrung und commoditet zu lieb liess ich mich nicht abhalten. – – Als nun diese den 10 April kamen und Schilt nach dem er sie wieder nach hause begleitete über ostern dort weilte, und nun zurück kam – zog ich nun den 1 Maj von Lammasacho, denn ihre kost machte mich schon ganz abzehren. – – Er hat eine alte mutter, eine sehr gute Frau – und er ist fröhlich, dass ich in meinen freien stunden nichts, als springe mit ihm. – – Seine braut heisst Mathilde Vadenstjerna – hat ein länglichtes Gesicht – blass – hohe, rothe süsse lippen, grosses schwartzes auge und schwarzes haar – nur schade ein bischen zu klein – doch dessto liebenswürdiger.
Mein aufenthalt in Helsingfors, war – je mehr ich bekannt wurde auch in dem verhältniss angenehmer – und ich konnte manchmal den einladungen kaum genügen – die letzte woche bewor ich ihren brief bekam, war ich auf fünf bälle – (voriges Jahr war ich den ganzen winter nicht auf mehr.) und
bevor meiner abreise musste ich noch bei Admiral Wallrond ein abschiedsmittag nehmen – wie auch den letzten Tag bei General Gouverneur Thesleff. – – Als ich Ihren brief bekam den 4 März, war ich zu General Ätter auf mittag gebeten – sein vater war in Wien geboren – und er in seinen jungern jahren – war mit der AlexanMTA_KIK_Kt_Ms_4754_129_6dra Feodorovna, erster Gemahlin unsers Palatins – nach Ofen gekommen, und hielt sich da längere Zeit auf – er ist für Östreich im allgemeinen, sehr eingenommen – wir tranken um Ihre gesundheit Liebe Ältern.Als ich in meiner Reise v Helsingfors nach Sysmä kam wo Wadenstjerna wohnt – war in der Gegend bei den bauern die rede, dass Gustav Adolfs Sohn – der Wasa – da wäre – dass er unter ein fremden namen ganz Finnland bereisen will. – Ursache dazu gab dies – als ich mich eben auf dieser Reise in der stadt Heinola kurze zeit aufhielt war ich viel bei Gouverneuren Crohnstedt und fuhr etliche mahl mit ihm aus, um die Stadt zu besehen – zu der zeit waren auch etliche bauern aus Sysmä hier und hatten bei den Gouverneuren zu thun – nun als sie hörrten ich sei in meinem pass als ein studierender geschrieben – glaubten Sie ein studierender würrde wohl – von Gouverneuren! nicht so gut aufgenommen sein – und sie glaubten in mir ein pretendenten zu sehn. – – –
In dieser gegend wieder, bevor ich nach Lammasacho kam, war die rede ich sei ein Artzt aus Deutsland – vermuthlich weil ich mit dem Doctor kamm. – Nun ist diess erstere gerückt, auch bis hieher gekommen – man spricht viel davon als würde ich aus dergleichen zweck die finnische sprache lernen. Auf meine weitere Reise wenn ich vielleicht kein bekannten nicht würde haben, und etwas bedürfen würde – gab mir Staatsrath und Post Direktor Wullfert – ein Circulare an alle Finnlands Postmeister, dass sie mir in allen möglichen zur hülfe stehn sollen.
Den Herrn Abten sein brief machte mir viel freude – doch er rathet mir sehr dringend nach hause zu kommen – ich weiss nicht wie ich Ihm soll antworten – diese vielen excusationen werden Ihm schon zuwieder sein. – doch hoffe ich sie nicht mehr zu brauchen ausser diesen fall – und mein fleiss von dem ich recht schöne früchte mir verspreche – wird genug statt meiner sprechen – mit so wenig subsidien kann der wunsch nach lustreisen nicht so lange dauern, wenn kein anderer zweck sich nicht dazu schliesst.
Um etliche presente nach hause zu bringen – strenge ich mich recht an – ich bestellte auf übermorgen 15 weisse haasen felle, es soll daraus ein peltz für die Julie werden – hätte ich recht viel geld, so könnte ich einen von hermelin kaufen – – der peltz alleine würde nicht über 70 fl. w. kosten (das fell alleine meine ich) – – – auch will ich noch andere finnische produkte nach hause bringen von denen ich etliche auch an das museum will geben – – Seien Sie recht neugierig darauf. – – Recht viel gruss an alle bekannte
Toni