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Reguly Antal levele a szüleinek (Helsingfors, 1840. január 16.)
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Helsingfors den 16 Januar 1840
Gute Theure Ältern!
Ich bekomme heute Ihren brief von 22 November. – Es ist eine lange Zeit – und ein brief hätte diese Reise wohl eher machen können. – Sie glaubten ich werde diesem brief nach meiner Rückkehr aus Petersburg, in Hamburg empfangen; und darum sagen Sie, ich soll den ersten nächsten Weg zuhause kommen. Aber wass nun Liebste Altern – da ich noch in Helsingfors bin? – reisen ohne geld, ist wohl die abscheuligste und schlechteste Lebensart der Welt, dessen man durch 3 Monate recht gut müde werden kann: so würde ich nach hause komme, wenn es möglich wäre – doch wie mir zu helfen? ich muss noch hier sitzen – bis eine kräftige erlösung kommt.
Ich hatte in meinen brief aus Stockholm, an Sie geschrieben: „Ich werde in etlichen tagen an H. Abten um hülfe schreiben; doch – weil mein langer aufenthalt in Stockholm über meine Zeitberechnung geht, so bitte ich Sie auch noch um einen kleinen Zusatz an jene summe” (ich dachte – mit dem von Ihnen nach Stockholm geschickten gelde, reise ich nach Petersburg und besehe mir da alles, und mit dem gelde von H. Abten werde ich meine Rückreise bis nach hause bestreiten. Der plan war gut ausgedacht und ich glaubte dadurch weder den H. Abten noch ihnen Gute Ältern viel zur last sein – doch war es unglüklich) – Nach diesen schreiben erwartete ich täglich eine Nachricht von H. Abten und dachte vielleicht auch v Ihnen. Ihr brief ist nun da, und ich habe viel dank dafür – es hat mich viel überrascht. Doch v Herrn Abten empfieng ich keine Nachricht und Sie schreiben mir auch nichts ich hatte meinen brief an Ihn, eine woche später auf die Post gegeben, so hat es ihm vielleicht noch nicht empfangen, als sie mir Ihren brief schikten, und die Summe avisirten, die ich auch heute gleich empfangen habe.
Aus der vorigen Parenthes, sehen Sie auch, dass ich nicht so unbedacht die reise nach Petersburg unternahm – ich glaubte: divide et vinces – ich wollte die Reisekosten theilen zwischen H. Abten und Ihnen und glaubte sie nicht viel zu beschweren; – nur die ungleichen Posten – und gewiss meine bangigkeit in bitten – in dem ich nicht vielleicht gerade sagen trauete, wass ich will – brachten den guten plan diese missgeburt, an der ich jetz leide.
Sie schreiben klagen über mein theures kostspieliges reisen – – Gute Ältern ich calculirte viel seit meiner abreise – darum – ich glaube es scheint Ihnen nur so; meine bitte kam Ihnen unverhoft, und ihre hülfe sollte schnell sein – diess war dass beschwerliche. Den 18 Juli war es, dass ich v Pesth fuhr, es sind also jetz 6 Monate – vergleichen Sie nun, die total summe, die Sie mir schikten, mit den vorjährigen auslagen, die Sie durch 6 Monate hatten, oder mit denen, wass ich Ihnen durch diese Zeit zu hause hätte gekostet – – – Ich hatte Ihnen Vorjahr mehr gekostet durch 6 Monate, als nun auf meiner Reise. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_128_2
Sie schreiben mir dann, noch einmahl; ich soll den ersten nächsten Weg nach hause kommen – – ich hätte lust mich magnetisiren zu lassen, um Ihre gedanken und reden belauschen zu können, als sie mein brief von 4 Januar empfangen haben. – Es ist mir wirklich eine grosse collision – – denn ich auch einerseits – schon müde der vielen lebenssorgen, die ich hier habe, gerne bei Ihnen ausruhn möchte; – so wäre es doch anderseits – schmertz zu sehen, diess angefangene Werk, dass mir so schöne hoffnungen blühte, nun unvollendet wegzulassen – für wass ich einen ganzen Winter lebte, sollte nun in unnütz verfallen. – Ich meine wenn Sie meine Rückreise nicht über Moskau, Kief und der Moldau erlauben würden – wo ich mit vielen finnischen Stämmen und Dialekten in berührung komme könnte. – – Wirklich – schon mein, Ihnen mitgetheilter, Reiseplan berechtigt sie zu hoffnungen und verdient theilnahme. – Dem Gnädigen Abten hatte ich nur kurze erwähnung davon gemacht, weil ich weiss, dass Sie mein schreiben Ihm mitgetheilt haben – ich wollte nicht zu lange sein mit der wiederholung. – – Um die reisekosten dazu zu bestreiten, hatte ich auf eine eigene Art seine hülfe gebeten: er hat so viele gute noch Jugendfreunde, die bemittelt sind – es werden von Sie mehrere sein, die vielleicht für mich und mein vorhaben, mehr interesse und theil nehmen – – wenn Er also die Güte hätte, Ihnen mein glück und Elend vorzutragen, und eine theilnahme von Sie erringen würde: – Meine Armuth lasst mir kein anderes mittel nicht – Ist es noch einer, der mir neben Ihrer und des Abten Unterstüzung, noch die seinige spendet, – so bin ich dann ruhig, und werde mich nicht so viel genieren wenn ich ein brief nach hause soll schreiben wie bis jetzt, wo ich nicht weiss, wie ich diese fatalen geldforderungen immer anbringen soll.
Es thut mir leid dass sie so kurz an mir schreiben – als der erste brief, den ich in Stockholm von Ihnen Gute Mutter bekam, so lakonisch war, dachte ich, er ist auf fremden Ort in Pressburg geschrieben; – doch ist dieser zweite auch so, – Ich bitte darum um einen dritten, wo die gebliebene schuld auch bezahlt sein wird – wenn sie leichtes papier nehmen ist ja der brief auch auf so grosse entfernung nicht zu schwer – mit einer Adresse „über Wien und Petersburg” – bekomme ich ihn gewiss – dass Aviso kann ja dann Schertz separirt besorgen.
Von Gnädigen Abten haben sie mir auch nichts geschrieben – er wird meinen brief von hier schon empfangen haben; – etliche zeilen auch von Ihm, würden mir sehr grosse freude machen – es würde der erste brief sein, den ich von Ihm je bekam.
Wie viel grad kälte haben Sie heute? – in Helsingfors hat man nur ein Grad und es regnet seit etlichen tagen. – – Sehen Sie solch ein Clima hat der kalte rauhe Norden – – ich lerne hier gewiss mehr, und werde mehr reflectirt, als würde ich in Frankreich oder Italien sein. (Doch hatten wir auch schon 29 grad Celsius – 23 grad Reaum.)
Je mehr geld man hat in Reisen – desto grösere oekonomie ist es, will ich dadurch erklären: Hätte ich in Stockholm gleich ihr Aviso an der hand gehabt – hätte ich nicht 3 wochen noch länger da leben müssen – so hätte ich können nach Petersburg fahren, und so wäre ich jetzt auch schon zu hause. Doch jetzt da es schon überstanden, freue ich mich über diess schiksal – es führte mich zu mein jetzigen vorhaben über das ich mich nur freuen kann. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_128_3
Den 17 Januar.
Theure Ältern! Sie waren überrascht als Sie in mein vorigen brief meine grosse Geldforderung lasen, und waren darüber gewiss aufgebracht – – Doch hoffe ich sie mit ende Februar oder anfangs Märtz, hier zubekommen – freilich nicht von Ihnen ganz, sondern auf die Art wie ich den H. Abten gebeten habe – Denn auf andere weise kann ich v hier nicht weiter kommen – Nun zahlte ich meinen schneider 91 Rubel – und meinen hotelier 108 rubel (die proportion des C. Müntz geldes zu Rubel ist: 100 fl: C.M. = 210 Rubel:) für 2 Monat hier wohnung, frühstück, Mittag, kerzen etz. – ausser diesen hätte ich noch vieles zu bezahlen, – die noth mit meiner wäsche drückt mich auch v tag zu tag mehr und etz: – ich werde vor meiner Abreise v hier, noch genug hier zu bezahlen haben, und ausser dem noch also die grosse strecke bis nach hause
haben–Nehmen Sie also – was werden mich die 3 Monate noch hier kosten? was meine kleider bücher? und was hatte meine Reise bis hieher gekostet (bis Helsingfors meine ich – in dem ich so viel weg zurück legen muss, um nach hause zu gelangen) – diese drei notis ingredientes, geben wirklich eine grössen Summe noch, als ich in mein vorigen brief sagte.
Doch – ich will nicht immer von so ernste Lebensfragen sprechen. – – Ich sollte ihnen etwas nun über Sitten und Gebräuche sagen. – Sie haben jetzt ihren Fasching und Julie wird recht viel tanzen – Diesen hat man hier so specielle genannt ist nicht; doch der Ganze winter ein Fasching ist – die geselligkeit kann kaum höher gebracht werden, wie sie hier ist – und privat bälle (die doch splendide sind) hat man täglich – oft 2 bis 3, einen tag Diess ist den ganzen winter durch, in dem in Sommer alles auf dem Lande ist. – Sie fangen um 7 bis 8 Uhr an, und dauern bis 1 bis 2 Nachts. – gewaltzt wird gewöhnlich zu erst – dann kommen etliche francaisen – dann Swedisch und Russische Quadrilles dann ein potpourri oder Mazur und mit Walzer wird der ball wieder geschlossen
The wird sehr viel getrunken – in ein jeden haus muss er täglich abends serviert sein und die Russen in Sveaborg trinken ihn aus grossen trinkgläsern – auch zum frühstück.
Vor den mittagsspeisen halt man immer einen vortisch nach swedischer sitte, nämlich einen guten appetits-schnaps und butterbrod mit gesalznen lachs, Anchovis, Cavear oder andern gesaltznen speisen, damit die esslust gereizt werde; und nach dem setzt man sich zum mittagstisch, wo für das gewöhnliche 4 speisen serviert sind: nämlich fisch (gute seefische) dann suppe oder Gritze (aus reiss oder andern, mit milch) – dann braten (sehr viel haselhuhn auch Rennthierfleisch) und zuletzt mehlspeise oder gelée. – Gritze isst man besonders gerne, und zum souper hat man sie in manchen häusern täglich – zu Weinachten, ist es auch national, wie bei uns die mohn-kuchen, so hier – mittag und abends Gritze und lutfisk (ein getrokneter fisch, wie stockfisch – doch sehr gut bereitet) zu essen.
Der finne hat hinsicht seines äusseren nicht viel anempfehlendes, doch hat er geradheit und aufrichtigkeit, wie es bei ein wahren Ungarn ist – „den oxen bei dem horn, den Mann bei dem wort” ist sein spruch. – Nur mancher hat ein bisschen zu viel phlegma. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_128_4
Die finnischen Damen sind auch wenig schön, doch besitzen sie sehr viel Anmuth und hertzlichkeit. – Doch Die Svedinen die ich hier und in Stockholm genug kennen gelernt habe könnte ich wegen ihrer kindlichen zartheit lebhaftigkeit, und wahren weiblichkeit, die einzigen weiber der welt nennen. – Man liesst viel und bildet sich auf alle Art – nur für Musich hat an kein genie, da ist der geschmack sehr arm. – Doch bei den Russen scheint es vortheilhafter zu sein – – den 8 Januar war ich zum Admiralen in Sveaborg auf einen splendiden ball und ein privat theather geladent – man hat da Baron v Trenk gegeben und eine Russische Original Comedie, beide mit sehr viel Gesang und sehr gut gesungen und gespielt.
Ich habe in den Oben Intendenten der Finnischen Berg-werke H. v Nordensköld einen sehr guten Mann, der sich meiner viel interessirt – – er ist sehr bereist und hatte viel studiert. – Um den Ungarischen Mineralien interessirt er sich viel – und er wird mir Finnische geben bei meiner Abreise, um das ich ihm das presente, mit Ungarische erwiedere. – Die finnischen Mineralien sind merkwürdig insofern, dass man viele ausser Sweden nirgends vorfindet, wenn ich darum den Herrn Abten damit ein Vergnügen könnte machen, es würde mich freuen – viele von sie sind auch nur neuere entdeckungen, haben neue namen, und sind bei uns unbekannt.
Durch Zipsers liberalität besitzt die Universität zu Helsingfors, wie auch die Gesell|schaft der Natur Wissenschaften in Stockholm eine sammlung ungarischer mineralien – er wollte nur die Kenntniss von Ungarn dadurch verbreiten, und verlangte dafür nichts als aus Stockholm etliche medaillen und die gangbaren swedischen münzen; – als ich Berzelius in Stockholm besuchte, bat er mich darum, diese münzen für ihm mitzunehmen doch als ich sagte Zipser sei gestorben; meinte er: es sei überflüssig (obwohl es sei|ner witwe nich geschadet hätte:) und sie sind geblieben. Die mineralien sind in sommer leicht nach Hamburg geschickt und von da auf der Elbe und Moldau nach Prag.
– Ich freuete mich auf Fesslers bekannschaft in Petersburg auch viel – er soll aber vor 2 Monaten auch gestorben sein. – – Den Namen nach kenne ich noch einen hofrath Orlay in Petersburg, einen gebornen Ungarn – doch weiss ich nicht ob er noch lebt – seine fa|milie will ich aber aufsuchen.
Nachmittag will mich Nordenskiöld bei seiner Swägerin Baronesse Kothen, und bei vice Gouverneur Kjernå aufführen – und ich erwarte einen recht angenehmen Abend.
Ich wiederhohle Theure Ältern noch einmahl meine bitte: schicken Sie mir die Summe, die Sie mir auf meine ganze reise resolviren, jetz auf einmahl – entziehn Sie mir nicht das, in der Fremde – was Sie mir doch zu hause nicht entsagen würden, wo es doch keine so bittere existens wäre. – Ich kann jetz auf ihren brief mit der Antwort vielleicht 3 Monate warten; komme ich noch einmahl in solch einen fall, wie ich jetz bin, dass ich ihnen wieder in solchen gelegenheiten schreiben soll – so fürchte ich, ich übervintere in Russland zum zweitenmahle.
Ich küsse Ihnen wie den Herrn Abten vielmahls die hände und bleibe ihr
liebender Sohn Toni
Juli Berta küsse ich, und alle andere Bekannte
Ich wollte, ich hätte Ihren zum neuen Jahr – eine Rennthierschinke schicken können. | Heute haben wir 2 grad wärme.