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  • Reguly Antal levele a szüleinek (Hamburg, 1839. szeptember 18.)

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    1)

    Hamburg den 18 Septem. 1839

    Gute Theure Allerliebste Ältern!

    Bitten war gewöhnlich der Anfang meiner Briefe – – diess – ist wohl nicht empfelend, denn man bittet nur um fehler zu verbessern, um Mängel zu ersetzen – – aber um es nicht schlechtes zu machen, muss ich diesen Stylus Curialis wieder behalten. Mein schweigen hat Sie gewiss schon beunruhigt – und vielleicht zu übeln Muthmassungen veranlasst; aber kaum mehr als mich selbst gequält, Liebe Ältern – – denn es ist wahr, der Gedanke, – so vieler Güte nicht einmal eine Stunde opfern zu können, und der, – durch öfftere mithteilungen ein kleines Vergnügen engegen zu stellen – hat mich zu Zeite sehr beunruhigt, und manche schöne stunde durch mir verdorben: – aber auch neben dem, konnte ich zu kein schreiben kommen. – Ich komme mir zuweilen vor wie ein verstockter sünder, der – immer zum Kreutz kriechen will, aber vor gewohn|heit des bösen, es nicht vermag; – denn es kann auch gewohnheit sein – in dem als mein erstes vornehmen scheiterte, ich es nicht mehr einbringen konnte. – so trage ich diess briefpapier (was sie in der hand halten) seit 30te August bei mir – es machte mit mir 89 meilen weges – ohne dass ich es benutzen konnte.

    Schon in Brünn wollte ich schreiben – allein die stadt verdross mich – ich verweilte nur ein halben Tag, und so verschob ich es bis prag. – Hier war ich 4½ tag – aber die ersten tage beschäftigte mich diese interessanteste stadt, die ich gesehen – so sehr – dass ich den letzten Tag, kaum mein kleines Journal was ich hier anfing – abfertigen konnte, um wieder weiter zu reisen – – und so geschah es in Dresden, Berlin und andern städter. – Ich hatte so vieles erfahren, so wünschte ich auch Sie recht weitläufig davon zu berichtigen – und in der Idee einen recht grossen brief zu schreiben – bliebe es gantz weg.; denn um länger auf einen Ort zu verweilen, als es eine stadt, ihre merkwürdigkeiten etz erforderten, erlaubte mir weder die späte Jahreszeit weder meine beschränkte spare – und sonst wenn man so den ganzen Tag herum läuft und abends noch, um das leben, den Charakter der Einwohner mehr kennen zu lernen einen Gesellschaftlichen Orte zum Abendbrot wählt, und nach längern verweilen erst spät zu hause komt – – da zu schreiben ist es wirklich vor müdigkeit und zerstreutheit nicht möglich – der schlaf drückt ein zu bette ohne es zu bemerken.

    Da zu komt auch. dass ich meistens, im gesellschaft reisste, und auch so, öfters beschränkt war. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_127_2

    Jetzt bin ich seit 16te in Hamburg, so will ich schreiben, ohne mich eher von andern Gegenständen stören zu lassen – (mein guten vorsatz sehen sie auch an der grösse des papiers)

    Mein befinden – ist das besste. Die ersten Tage, besonders das schlechte Wasser in Mähren und Böhmen bis Prag – hatten wohl auch schlechten einfluss auf meine Gesundheit – ich fühlte mich schwach, – aber seit Prag bin ich stark und gesund, und fühle mich besser wie voriges Jahr. So ist mein Körper – – Mein Geist, meine Seele – diese ist heiter vergnügt und glücklich – fast in einem Jubel. Ich erfahre und lerne auf jeden Schritt, und durch die feinen freundlichen Menschen und auch angesehene Bekanntschaften, lebe ich sehr angenehm – (nur der geldmangel macht mir manchmal sorgen)

    Ich machte von Pest bis Hamburg 290 Meilen mit 340 fl: – meistens freilich zu wagen. denn so grösere reisen zu fuss zu machen würde unmöglich sein – – ich machte auch fussparthien durch schöne Gegenden, wo ich Gesellschaft hatte, aber durch grösere Anstrengungen verdierbt man sich nur das vergnügen wass man durch das regere beobachten, wohl ausgeruht haben könnte – so wo es möglich ist fahre ich überall – (wie es der fall bis jetzt war)

    Von Pressburg haben Sie wohl mein schreiben erhalten. – Da fuhr ich dem 21 Sept: mit post ab – und von Wien den 23 per Eisenbahn nach Brünn, so dass ich über Pernstein (ein gewesenes Gut der schröfel, also auch die Eszterhazi davon) die schönste Gegend v Mähren, und Leutomischl den 26 in Prag war.

    Diess ist die interessanteste Stadt die ich gesehen hab – ihre schöne romantische lage, ihr reichtum an pallästen und unzähligen ganz eigenthümlich gebauten thürmen wie so viele – masten einer ruhenden Kriegs-flotte – geben der stadt einen Reitz der nicht zum aussprechen ist. Ich fühlte mich ganz besonders hier – die stadt trägt die ganze Geschichte wie verkörpert an sich – das gepräge der ältesten Miethe und Sagen – Zeit bis auf die neuesten interessantesten begebenheiten –

    Hier hatte ich zur gesellschaft 2 sehr liebe menschen (Erxleben Apotheker schon mehr bejahrt, und Kaufman Thiergen aus Triest) – als ich nach Carlsbad fuhr schieden wir – aber auf der wegen fand ich  wieder einen professor aus Dessau (Tradt Gymnasial lehrer) Mit diesem machte ich meine erste fussparthie über Franzensbrunn, Eger nach Wunsiedel, Alexandersbad (in Baiern) und durchs Fichtel und Erz Gebirge nach Teplitz – – ich könnte da sehr vieles erzählen haber wieder die verwünschte kurze Zeit MTA_KIK_Kt_Ms_4754_127_3

    Von Teplitz kam ich über das Culmer Schlachtfelde nach Cussig, und v da mit Geheimer finantzrath Pathow aus Berlin auf der Elbe, in einer gondel  nach Tetschen – – – Hier einer Wunderschönen Gegend – traf ich einen alten schulcollegen Orzowensky den ich seit 7 Jahren nicht gesehen, – und auf dem Dampfschiff als wir in Gesellschaft mehrerer von der Sachsischen Schweitz nach Dresden fuhren, einen Herrn Petyko Advokaten aus Pesth mit seiner frau

    Dresden gefiel mir nicht, da ich mich in meinen erwartungen getäuscht fand und auch der ungeheure Wucher, der mit den Kunstschatzen getrieben wird, sehr verdross – so fuhr ich 17 Aug: auf der Eisenbahn nach Leipzig, und über Halle, Dessau, Wittemberg, Potsdam nach Berlin (den 24 August auf Eisenbahn)

    Diess war meine dritte tour (die erste v Pressburg nach Prag, die zweite v Prag nach Dresden) und alle sehr angenehm gemacht, v Tetschen aus reisste ich besonders sehr schön bis Leipzig, einen allgemeinen Scheidungsplatz – Petyko fuhr nämlich nach Carlsbad – Hoffrath Callmeyer (er gab mir, als ich ihm nahe bei Stettin besuchte ein Empfehlungs schreiben an seinen Anverwarten der hier wohnt in Hamburg) nach Teplitz – Baron Welsenes aus Amsterdam, mit Schubert einen Kaufman aus Stettin, und Orzowensky gerade nach Berlin, und ich nach Halle.

    Die 4 Tour obwohl ich sehr wenig geld hatte, war auch nicht minder reich an erfahrungen, und fast die interessanteste könnte ich sagen, aber auch mühevoll und ein bischen sorgenschwer – über Stettin nach Swinemünde (Seebad) nach insel Rügen, und über Stralsund durch Meklenburg (über Rostock Doberan (wieder seebad)) nach Hamburg. –

    In Berlin kostete mich das Quartier nichts (auch eine erleichterung) denn Orzowensky (apotheker, wegen seiner Ausbildung will er hier studieren) hatte schon eine wohnung als ich ankam, so war ich denn bei ihm – dieser gab mir auch, 10 thaler zu leihen, um diese Tour durch pommern an der ostsee machen können, die mich schon in voraus so ansprach, dass ich lieber die (obwohl 89 meil) vorzog, der andern strasse, die von Berlin gerade nach Hamburg führt aber neben den 36 meilen sehr öde und langweilig ist.

    Bei Mutzenbecher zu dem ich v Schertz avisirt war, bekam ich meine 100 fl M: aber mit grossen abzug – es gab mir 20 holländische ducaten – diese stehn hier wohl gleich mit dem Cremnitzern (weil die Cremnizer hier in ihren preiss auch verlieren) – aber auch 20 Cremnitzer machen noch keine 100 fl. M: aus. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_127_4

    Ich weiss nicht, ob ich Ihnen Theure Ältern diese berichte, von meiner gemachten Reise gut und verständlich, abgeschrieben habe, denn so eine menge in einen zu schreiben machte mich schon ein bischen confus – – jetzt will ich noch von meiner vorstehenden Reise, eine kleine andeutung geben und dann wieder mit bitten mein brief schliessen.

    Den 20ten reise ich v hier durch das schöne Holstein nach Kiel, nach Kopenhagen – v Kopenhagen nach Gothenburg (in Schweden) und über Trollhätten (Europa’s grösster und schönster Wasserfall) Wenersburg nach Stockholm – – v Stockholm nach Petersburg, und wieder zurück über Lübeck nach Hamburg.

    Liebe Ältern! Sie sind überrascht durch diesen vielleicht kühn scheinenden plan, aber ich müsste weinend zurückkehren, wenn ich jetzt so nahe, – dass schöne Schweden, und diese Welt-stadt, das stolze Petersburg nicht sehen könnte – – Was ich jetz mit wenigen thun kann – ein andermal müsste ich tausende dazu gebrauchen.

    Von wo ich diese begeisterung hernahm für den Norden? – weis ich nicht. – aber sie beherscht mich schon ein ganzes Jahr – und weil ich diese Gegenden auch genug gut kenne, weis ich, dass ich nicht getäuscht werde – Schwedens Geschichte zog mich zum ersten an, und durch Sie, – der interessante Schweden-Karakter, – diess kennen auch meine freunde, die mit mir umgang hatten – aber sie glaubten es nicht, dass ich hinkomme.

    Diess ist meine Reise route – und dass ich sie durch mache wird ihnen auch viel freude machen Theure Ältern – – aber – aber – an geld habe ich nicht genug – – Bedenken sie Liebe Ältern – würde ich zu hause sein – ich hätte da verschiedene bedürfnisse, – müsste wieder nach Pest oder Pressburg ziehen, ich hätte auslagen, an kleidungs stücken, an logis, kost, recreation etz. – diess brauche ich jetz alles nicht – – – das reisen kommt wirklich um weniges höher, als sonst mein unterhalt – – – So bin ich denn so frei und beginne meine weitere Reise Freitag den 20 Septem: – unterdessen ist dieser brief den 30ten in ihren händen – – Und Sie – Liebe Theure Ältern! ich bitte Sie! – – Sie werden in 2 bis 3 oder höchstens 4 tagen, – an Scherz ein betrag v 30–40 Holländischen Ducaten avisiren Schertz schreibt diess denn an Mutzenbecher, und dieser versprach mir es – sogleich weiter nach Stockholm zu expediern – in 4-5 Tagen habe ich sie v Hamburg in Stockholm

    So werde ich diese route ganz gut, ohne Anstoss machen und bis 1 November wieder in Hamburg sein – Mein pass habe ich schon v den sehr gefälligen Consul Herrn v Pretis –

    Wegen meiner weitern zurückreise von Hamburg werde ich, an Gnädigen Herrn Abtens v Stockholm aus schreiben – ich habe ihm ohne diess, eine Empfelung aus Berlin v Dunin Posener Erzbischof (ich machte ihm ein besuch) auszurichten. –

    Auf dem Dresdner Dampfschiffe wurde ich mit einen jungen Schweden Baner bekannt – – der General Baner unter Torstenson im dreissigjährigen Krieg war einer, seiner vorältern – – – er reiste v Teplitz nach Stralsund, hier verheurathet er sich und geht zu hause auf sein besitzthume – eine ansehnliche, einer der ersten familien, ich werde ihn auch besuchen, denn er ladete mich gantz freundschaftlich ein. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_127_5

    Meine Reise wird ganz gut gehen, wie die vorige bis hierher – wer nicht wagt etwas zu unternehmen – sieht und komt auch zu nichts.

    So bitte ich Liebste Ältern, dass geld gleih dem scherz zu zuschicken denn es könnte mich in Verlegenheit bringen, wenn es nur um einen Tag später kommt – – schicken sie, wenn sonst niemand da ist - vielleicht dem Udwardy das Geld, der soll es dem schertz übergeben (denn ohne dass er geld bekomt wird er das avisiren nicht thun) – – Aber er soll mir expresse Holländische Ducaten avisiren, so verliere ich das mindeste – Lieber Papa werden es schon ausgleihen, nach dem die Holländischen da ihrem Curs haben – nach meinem Calcul macht ein holländischen ducaten 4 fl 16 kr: Münze –

    Hamburg ist so eigenthümlich wie man es in allgemeinen schildert – eine Kaufmanns-Colonie von der ganzen Welt, in ihrer grössten Echtheit, – – darum ist für ein reisenden ausser den schönen umgebungen, nur der karakter merkwürdig – man kann Hamburg sonst in 2 tagen kennen. – – – Die Menschen sind in allen excentrisch, sie arbeiten über alles Maas, und geniessen (in essen trinken und allen) gleich über Maas – man sieht auch darum nichts als abgezehrte kalte Spekulanten gesichter verkrüpelten bau etz MTA_KIK_Kt_Ms_4754_127_6

    Wie man hier Ungarn kennt? (das heisst viele ausländer dahin kommen) mit was für einer guten meinung man davon ist? Und überhaupt die Ungarn liebt, hätte ich mir nie träumen lassen – – sagte ich wo auf meiner Reise, ich sei aus Ungarn, so seufzte man nur: ach das ist ein schönes gutes Land ja da haben sie es freilich besser. – – sonst sah man mich meistens für ein Baiern oder Franzosen – – für eine jede nation sieht man mich öfters nur für einen Ungarn ein einziges mahl (Berlin ausgenommen denn da kennt man die Ungarn an der sprache weil hier viele stu|dieren) –

    Jetz nennt man mich überall Herr Doctor, weil ich mich einschreiben liess als Jurist – – also freilich Doctor Juris.

    Wurda wird hier sehr geschätz – gestern sah ich ihn als Massaniello heute sprach ich ihm, und morgen komt er zu table d’hotel bei König v England, wo ich logiere – – er lasst seine brüder vielmals grüssen.

    Ich wiederhohle meine bitte noch einmahl, und küsse ihnen Allerliebste Ältern vielmals die hand als ihr liebender gehorsamer

    Sohn Toni

    Julie, Berta küsse ich auch vielmals

    Meine Empfehlung an alle bekannte in der Umgebung – besonders bei den anyosischen etz. – – vorzüglich auch bei Zirzen bei Herrn Prior und Pfarrer etz. gute Weinlese, ich hoffte sie am Rhein mit zu machen aber, ich müsste sie in Russland halten.