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Reguly Antal levele Karl Baernek (Kazany, 1845. május 15.)
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Kasan d. 15 Mai. 1845.
Hochverehrter Herr Staatsrath!
Ihren brief vom 18 April bekam ich einen Tag nach abgang meines letzten briefes. – die geographischen karten die Sie mir die Güte hatten zu schiecken bekam ich gestern. doch ohne brief.
Ich hatte bei meiner letzten anwesenheit hier, sieben packete an Sie Herr Staatsrath abgefertigt; zwei mit der post – die übrigen fünf mit der diligence, weil das porto auf der post zu theuer ist. das packet Nro 2 welches mit der post ging hat keine affiche mit sich – es enthält eine weiber tracht, der nördlichen wogulen und ostjaken (der untern obi ostjaken) – welche im fell, oder in der kurtzen zeit des sommers aus leder besteht, in dem die leinwand weberei aus kropiva (der brenn nessel) MTA_KIK_Kt_Ms_4754_82_2 welche bei den südlicheren stämmen beider geschwischter völker herscht, hier nicht mehr geübt oder gebraucht wird. dieser peltz den sie vor sich sehen, ist die einziger kleider form, welche bei dem weiblichen geschlecht dieser gegenden herscht; er ist hemd und oberkleid und peltz und alles – er bildet das genus welches in drei species getheilt ist nach dem er oder gefüttert, wie der Ihrige oder einfach ist, oder mit geschorenem felle d. h. aus leder für die zeit des sommer verfertigt ist.
ein anderes packet mit der diligence enthält drei ostjakische weiber hämde vom Obi nahe Samarov, von denen aber wie ich glaube nur eins aus kropiva ist. – in einem andern packe ist das wogulische instrument schangur. dann sind noch wogulische pfeile.
ein packet enthält etliche getrocknete thiere MTA_KIK_Kt_Ms_4754_82_3 die ich nach Ungarn schiecken möchte, man hat mich um sie gebeten; ich weiss nicht ob es verdient sie dahin zu schiecken. ich zweifle ob man sie gut reinigen wird können, auch haben die mäuse sie etwas beschädigt. zwei elend köpfe und ein rennthier kopf werden in dem hiesigen anatomischen theater gereinigt, die werden wohl ein besseres ansehen haben. (ich bezahlte für die expedition dieser packete über 40 rubel – würde das nicht möglich billiger zu machen? –
Ich habe Ihnen letztens etwas zu hingerissen über die verbesserung meiner gesundheit geschrieben. doch hoffe ich den Ihnen mitgetheilten plan, der schon ein alter ist – auszuführen; denn ich habe mich nun in meinen ansichten über die natur der sprache im allgemeinen, so ziemlich glücklich entwickelt, und die arbeit geht mir nun so leicht dass ich nun in zwei monathen des im stande bin zu leisten – nach meinem systeme, welches ich aus der natur, durch meinen langen aufenthalt bei den wogulen geschöpft habe – was ich früher in einem halben jahre mit solcher richtigkeit und fülle nicht geleistet hätte MTA_KIK_Kt_Ms_4754_82_4
mich zwang gestern abends ein angefressener Zahn nach der stadt zu kommen, doch erfreute mich der zahn artzt mit der versicherung, dass der zahn gesund sey, und nur der weinstein leide – welchen er denn mir, nun sogleich (um 8 Uhr, das morgens) abnehmen wird – und somit kehre ich wieder zurück nach meinem tscheremissischen laboratorium, wo ich vermuthlich bis 8-10 Juni verbleibe.
Ich nehme keinen abschied von Ihnen Herr Staatsrath, in dem ich hoffe die erlaubniss zu bekommen, mit meinen briefen Ihnen in das Ausland mit oder nach folgen zu dürfen.
Dass Herr v Frähn die Gnade hat, die correspondence mit mir zu übernehmen, erfreut mich ausserordentlich.
Ich empfehle mich in Ihre hohen Gnaden und verbleibe Ihnen in grösster dankbarkeit
Ihr ergebenster diener
Reguly
Ich bitte meinen handkuss an Ihren Gnädigsten Damen.
Auch an Balugyanski bitte ich meine empfehlung.