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  • Reguly Antal levele Villax Ferdinándnak (Berlin, 1847. december 28.)

  • MTA_KIK_Kt_Ms_4754_185_1

    Hochwürdigster Herr Abt!

    Ich fühle endlich so viel ruhe und kraft, um etliche zeilen schreiben zu können. Ich richte sie vor allen an Sie Euer Gnaden denn es hat mich nicht einmal beunruhigt, dass ich so lange Euer Gnaden ohne nachricht zu lassen – in folge meiner schwächlichkeit – genöthigt war.

    Ich kämpfte bis jetzt fortwährend gegen die energielosigkeit und schwäche meines wesens. und kann von einem wirklichen, fühlbaren zuwacks meiner kräfte nur seit etlichen zehn tagen sprechen. Körperlich scheint mir sogar gar nichts mehr abzugehen, ich bin kräftig, habe einen gesunden appetit, sehe gut aus, und bin nebstbei heiter und zufrieden, nur geistig fühle ich mich noch schwach, indem jede arbeit die ein so beständiges denken erfordert, mich krank macht. doch hoffe ich dass sich dies auch vielleicht bald heben wird, denn die letzten tage MTA_KIK_Kt_Ms_4754_185_2 blätterte ich schon ziemlich viel in Hegels philosophischen arbeiten (um sie kennen zu lernen) ohne darum sehr ermüdet geworden zu sein.

    Diese bedeutende besserung habe ich unmittelbar nun dem homeopathen Dr Reisig zu verdanken; dessen hülfe ich anflehte als ich nach vier wöchentlichem aufenthalt hier in der stadt fortwährend anstatt besser zu werden schlechter wurde. er gab mir eine arznei gegen die verstimmung der unterleibsnerven oder des Ganglien systems – wie er sich ausdrückte – und diese arznei machte in fünf tagen einen ganz andern menschen aus mir. Ich begann seitdem auszugehen und bekanntschaften anzuknüpfen – während ich die frühern vier wochen nicht einen einzigen besuch machte – und mich allmählig unter den fremden einzuleben, so dass mir der aufenthalt jetzt schon etwas angenehm wird. Ich kenne schon mehrere Akademiker und Professoren, und durch einen Gräfenberger bekannten den MTA_KIK_Kt_Ms_4754_185_3 Generalen Baron Brockhusen habe ich auch etliche bekanntschaften in der gesellschaftlichen welt gemacht. auch unser Gesandter der Graf Trautmansdorf, zu dem ich ein empfehlungsschreiben vom Grafen Szechenyi hatte, und den ich etliche mahl besuchte, ist mit sehr vieler freundlichkeit gegen meiner.

    Vielleicht bin ich so glücklich in etlichen wochen, Euer Gnaden melden zu können, dass ich meine arbeiten begonnen habe, und dass ich nach einer dreijährigen ununterbrochenen kränklichkeit, endlich wieder zu einem gesunden und kräftigen menschen geworden bin.

    Meine innigsten wünsche noch, für das kommende neue Jahr, hier beifügend, habe ich das Glück zu seyn Ihr Hochwürdigster Herr Abt

    ergebenster und dankbarster

    Diener Anton Reguly

    Berlin d. 28ten December 1847.