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  • Reguly Antal levele Villax Ferdinándnak (Szentpétervár, 1842. október 20.)

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    Gnädigster Herr Abt!

    Meine Handlungen nach meiner Abreise von Hause, waren so gegen alle ihre Erwartungen, so sehr über alles ihnen denkbare, dass Sie nur mit Schmertz meinen Schritten folgen konnten, die mit jugendlichen Leichtsinn und Unerfahrenheit alle ihre, für meine Zukunft vorgefassten Pläne auf einmahl zu vereiteln schienen. Aber wohl selten gehen diese früh aufgeführten Gebäude in Erfüllung; das Schicksal führt die Menschen so verschiedentlich ihrer Bestimmung zu; und nur, der seiner innern Stimme und Neigung folgt, kann zu etwass bedeutenden und zur einstigen voller Zufriedenheit gelangen. – Solch ein innerer Drang riss mich von ihrer seite und führte mich in diese unerwartetsten Verhältnisse. – Seitdem schwieg ich, und benachrichtigte sie weiter über mir nicht; meine Handlungen sprachen ihnen nur, und fremde, die mir ihre Anerkennung zollten unterrichteten sie über meine gewiss nicht unwürdigen Bestrebungen. – – Ich glaube mit Zuversicht, sie sind mir längst wieder gewogen und wurden es mit dem bereitetsten Herzen, und sie werden mir gestatten mich zutrauensvoll ihnen wieder zu nähern.

    Sie sind davon unterrichtet, wie weit ich in meinen studien kam, und wass mein Vaterland für mich thut. Ich kenne ihre Gründe nicht, und ich will ihr nicht zu nahe treten; das hätte ich aber nicht geglaubt, dass dieser heisse Wunsch für sie etwass zu thun mir eben mein Vaterland kosten sollte; wohl – viel süssere Früchte hatte ich mir MTA_KIK_Kt_Ms_4754_183_2 daraus erwartet. – Dass dies nicht geschah – wird einst vielleicht Ungarns Schande sein. – Ich stehe nun einzeln, ohne Stütze in der Welt; doch  bin ich weit davon entfernt zu verzagen; gleich einem der für eine gute, schöne Sache focht, sehe ich muthig in meine Zukunft, und ich fühle nur noch ein kräftigeres Leben in mir geweckt. – Ich habe Hoffnung – eine sehr gegründete Hoffnung – die Reise nach dem Ural doch zu machen, die Grossfürstin Helene, eine erhabene mit einer grossen Seele begabte Frau unterstützt selbst meine Sache – und ich werde ihr, auf ihr besonderes Verlangen, dieser Tage vorgestellt. Sollte diess nicht glücken, so werde ich gewiss in Russische Staatsdienste eintreten können, wozu ich mehrere Aussichten habe.

    Nur eine Sache ist, die mich in meinen jetzigen Umständen etwas besorgt macht, und meine Activität und meinen Unternehmungs Geist vielfach zu lähmen vermöchte, dies ist: meine schlechte finanzielle Lage. Schon meine Reisen in Finnland hatten mehr Ausgaben gefordert als ich bestreiten konnte, und hier in dieser grausam theuren stadt hatte ich ebenfalls mehr Ausgaben als Einnahmen. – Ich habe schulden und bin ohne weitere Subsistenz-mitteln. – Meine jetzige stellung hier fordert es vor allem, dass ich mich in dieser Hinsicht etwass in Ordnung bringe, und ich wende mich darob zu sie, Herr Abt. – Ich sollte 400 fl. C.m. brauchen – borgen sie mir so viel. – Mein Glück wird mir einst auch holder werden, und ich werde mich glücklich MTA_KIK_Kt_Ms_4754_183_4 schätzen, wenn ich diess Ihnen und nicht einem Andern schuldig sei, ich bin so gewohnt von Ihnen Gutes zu empfangen; und ich werde mich mit freudigem Dank erinnern, dass auch diessmal, sie, meinem Gemüth die Ruhe und meinem Geiste seine freiere Bewegung schenkten. – Meine Stellung ist sehr schlecht, auch eine langwierige schwere Krankheit hat mir viele Ausgaben verursacht – und eine schleunige Hülfe wäre mir dringend nothwendig. – Ich bitte um Ihre Gnade.

    Mich Ihrem Wohlwollen und Ihrer Zuneigung empfehlend, bleibe ich Ihnen Gnädigster Herr Abt

    Ihr ergebenster unterthänigster Client

    Toni Reguly

    St. Petersburg den 20 Octob. 1842.