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Reguly Antal levele Karl Baernek (Pelim, 1844. április 21.)
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Pelim den 21 April 1844.
Hochverehrter Herr Staatsrath!
Ich nehme mir die Freiheit Ihnen hier drei karten zu überschiecken. Sie bilden die Grundlage meiner wogulisch ethnographischen studien und werden vielleicht – wegen der hier angezeigten geographischen Verbreitung der wogulen, wegen der historischen bedeutung der hier auf wogulisch verzeichneten ortsnamen, u. wegen der genauern u. richtigern Zeichnung der geographischen verhältnisse dieser gegenden – auch bei Ihnen einige theilnahme finden. – Die erste umfasst die wohnsitze der sämmtlichen südlichen wogulen (doch nur derjenigen die sich nach ihrer nationalsprache bedienen.) die zweite zeigt Ihnen besonders die wohnsitze der Tscherdiner wogulen. u. die dritte ist eine Orientirungskarte über das gebiet der nördlichen Sosva zu meiner vorzunehmenden sommerreise.
Als nähere erklärungen will ich diesen karten folgende beifügen: was die verbreitung der wogulen anbetrifft: so ist ihre begräntzungslinie nach meinen eigenen beobachtungen gezogen und ich war überall selbst an ort u. stelle. die nördliche linie die längs den quellen der gewässer der Konda geht ist eigentlich keine Volks- oder Sprachengräntze, sondern nur eine dialekts scheiden, die erst auf einer zweiten, alle wogulen zusammenfassen den Karte – wo auch die übrigen dialektsscheiden angebracht werden seyn – ihre bedeutung gewinnen wird.
Hinsicht der verzeichneten Ortsnahmen habe ich hier überall die an ort u. stelle gebräuchliche redeweise gefolgt, daher wird Ihnen derselbe nahme nach den verschiedenen dialekten, in sehr verschiedener u. häufig veränderter gestalt erscheinen. Die verzeichnung der Ortsnahmen ist vollständig; und es giebt kein wogulisches dorf oder einzelne wohnung die hier nicht zu finden wäre. Die geographische zeichnung u. zusammenstellung ist theils nach meinen eigenen beobachtungen theils nach eingezogenen sichern nachrichten geschehen: die dimensionen sind überall nach den winterwegen, die gewöhnlich eine sehr gerade richtung haben genommen MTA_KIK_Kt_Ms_4754_72_2 und in ihrer zusammenstellung nach dem unten gezeichnetem Maasstabe ging ich mit der grössten gewissenhaftigkeit zu werke, worüber um damit Sie sich überzeugen können – so habe ich den woloken überall ihre wersten zahl zugeschrieben. – was ich an karten über diese gegenden vorläufig mit mir hatte – so waren dies, über den sibirischen theil, karten die ich in Tobolsk bekam und die dieselben sind (nur in einem etwas grösserem Maasstabe) aus denen Vonlerlerski seine karte Westsiberiens zusammenstellte; und über den Uralischen theil karten die ich vom Gouverneuren in Perm u. von Herrn Protassov in Bogoslovsk (die karte der Bogoslovsker Severni expeditio) bekommen habe. Doch ist es besser schlechte arbeiten nicht zu besitzen; sie verwirren durch die gute meinung die man von ihnen sie hat er rauben manche stunde indem sie die eigene orientirung stören. Ich will damit nicht feindlich der karte der severni expeditio begegnen – wahr ist es aber, dass es den verfassern an einer allgemeinen sammtlichen auffassung der gantzen gegend fehlte, und daher war eine nach verhältnissen richtige zusammenstellung einzelnen theile unmöglich.
Hinsicht der wohnsitze der Tscherdiner wogulen muss ich folgendes bemerken: Nach den nachrichten des Archimandriten Platon Ljubarski, in dem Rossiskoi Magazin Feodora Tumanskova 1792. pervaja tschast – gab es im jahre 1788 auf der wischeraseite des Ural nur 8 wogulische jurten, während zur selben zeit auf dessen Lozwaer seite, wie mir die greise hier vorgezählt haben 30 jurten sich befanden. Von jenen 8 jurten sind nun nur drei (die drei brüder Salawarov) die in dem dorfe Ust Ulsuiski wohnen und schon gantz russificirt seyn sollen, übrig. Die andern zogen vor 20-30 jahren nach der Lozvaer seite. Eine familie lebt noch an der Petschora (wie man sagt an der Unja mündung) zwischen den Syrjänen und soll mehr syrjänisch als wogulisch seyn, eine andere in dem osinskischen kreise des Permischen Gouvernements, wo sie sich vor etlichen jahren mit mehreren überziehenden Russischen familien angesiedelt hat. – erstere stammt von der Lozvaer seite, die zweite von der wischera. Das sind die wogulischen debris aus der Wischera seite des Ural, die, indem sie alle in eine andere nationalität übergingen, füglich für keine wogulen mehr angenommen werden können. – Wann diese wogulen nach der Lozva gezogen seyen, darüber habe ich noch keine meinung; Jurkina ein 80 jähriger greis versicherte mich sein Grossvater sey auf derselben stelle geboren, auf welcher er selbst, und wollte mir daraus beweisen dass sie von jeher hier wohnten. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_72_3
Den Ural zwischen den quellen der südlichen u. der nördlichen Sosva, nennen die Tscherdiner Wogulen ihr eigenthum, welches sie rechtlich, seit zeiten Catharina der 2en, Die es ihnen verliehen hat, besitzen. Seit zeiten aber deren Sie sich nicht mehr sicher erinnern wohnten hier nur Beresower Wogulen die von den gewässern der nördlichen Sosva abstammend hier mit ihren grossen rennthierheerden winter u. sommer herumziehen. Es sind ihrer 5 familien, die ihren jassak nach Beresov bezahlen und wegen des vorerwähnten rechtlichen eigenthums der Tscherdiner Wogulen sich auch wirklich nur als gäste hier betrachten und für die benutzung dieser räume den Herrn Land gutsbesitzern auch in ihrer Noth helfen, bei schlechter jagd ihnen rennthiere zur nahrung borgen oder auch den jassak u. podjat für sie bezahlen, – doch bleibt es eine frage ob sie – wegen dem religiösen cultus dem die Sosvaer wogulen für dem Jelping nyărr (heilige berg – er ist angezeichnet auf der karte) dem sitze des Numi Tărom (der obere, der in der höhe wohnende Gott) haben, zu dem jährlich zahlreich anfahren und ihre opfer darbringen – und wobei ihre opferstelle (jurping känn) sogar höher auf dem berge u. dem gotte näher steht als die der Tscherdiner – nicht vielleicht früher schon hier in diesen räumen lebten als die Tscherdiner wogulen. – Seit nicht langer zeit bewohnen die Beresower Wogulen auch die quellen des Pelim, sie liessen sich da – nieder weil diese gegenden nicht arm an wild sind u. öde u. unbewohnt da lagen.
Wegen dem wiederspruch in der benennung der bewohner der obern Sosva, bitte ich Sie Herr Staatsrath um entschuldigung, in dem die verfertigung dieser karten nicht einer zeit zugehört. In Wsewolodskoi wo ich die zweite u. dritte gemacht habe, habe ich Sie meinem engern gesichtskreise gemäss – gleich dem gewöhnlichen sprachgebrauche u. dem der politischen administration – Ostjaken genannt, nun aber nach dem ich gelegenheit hatte die wirklichen Ostjaken – das Volk der Hăndă – kennen zu lernen – kann ich nicht anders als den vorigen fehler verbessern und sie Wogulen zu nennen, wie Sie das auf der ersten karte sehen.
Um so viel es möglich ist auch die oberflächenformen u. besonders die ursachen der brechungen der südlichen Sosva u. der Konda Ihnen anschaulich zu machen – habe ich auf der ersten karte zwei hügelzüge angezeigt – den Kondinischer MTA_KIK_Kt_Ms_4754_72_4 der sich auf einer seite gegen dem Puzäim tumen (tumen bedeutet einen grossen See) und auf der andern gegen dem Irtisch, dem er sich von Urmanski zuwendet, verliert – und den Sosvaer; von dem ich aber nur so viel anzeigen kann als ich selbst gesehen habe, – von wo er herkommt und wo er hingeht konnte ich nicht sicher erfragen. Der erstere führt den allgemeinen namen ѣch – was einen hügel oder auch ein hohes ufer bedeutet – und hat nur auf einer stelle, da wo ihn die Kama aus süden kommend durchschneidet – den speciellen namen Quäter wor (wor schwartzwald – quäter blieb mir unerklärt.) Der zweite wird im allgemeinen Käschmäk ûr: der Kaschmaker hügelzug – genannt. Beide sind nicht hoch, haben aber zuweilen eine breite von 10–12 werst und sind von vielen schluchten u. thälern zerrissen. – Auf der zweiten karte habe ich zwei gebirgsketten die zwischen der Lozwa u. dem Ural, diesem parallel zur seite laufen, angezeigt. Die eine – die nähere – deren hohe, häufig kuppelförmigen spitzen nur moos u. niedriges gesträuch tragen überbietet an höhe oft den Ural. der Djenischkin u. Schisep sind in ihrer reihe die höchsten. – Die zweite ist eine mit schönem wald (wo aber windstürme zuweilen grausame verwüstungen machen) bewachsene hügelreihe die sich unter der Wizsai mündung verliert. – Aus dem zwecke: der Sammlung von Ortsnamen – werden sie auf der zweiten karte, auch die zerstreueten höhen der wischerischen seite, mit ihren namen angezeigt finden. – Als im allgemeinen bemerkt möchte ich hier noch beifügen: dass das rechte Ufer aller dieser flüsse wie der südliche Sosva, der Lozva, Pelim, Tavda, Konda – und sogar bei dem Irtisch – freilich in entgegengesetzter richtung – immer von einem höhenzug begleitet wird, der bald sich dem flusse nähernd ein hohes steiles ufer bildet, und bald sich auf 10–20 werst entfernend, in dessen richtung fortläuft.
Auch um den gegenden ihr gehöriges leben nicht zu rauben, habe ich einen theil der communicationswege – die woloke – angezeichnet. Ich hoffe Ihnen aber später, nach vollendung meiner reise – eine – das gantze gebiet dieser zwei geschwister Völker Mansi u. Hăndă – vom jugrischen gebirge bis zu den scheidehöhen der Ob u. Jenisei gewässer – zusammenfassende karte vorzulegen, die Ihnen die richtungen des verkehrs in einer vollen übersicht, nach den sitzen der hauptgottheiten und nach den MTA_KIK_Kt_Ms_4754_72_5 produktionscentra – nachdem er ein religiöser oder handelsverkehr ist anschaulich machen wird. – Ich habe daher vorläufig auch die Sitze der Gottheiten, die heiligen stätten oder länder (jelping mä) deren gräntzen kein sterblicher zu übertreten wagt – wie auch die opferstellen auf diesen karten angezeigt. – Hinsicht des Wischera weges (Päzser lyăng) der auf der Lozvaer seite in zwei richtungen westlicher u. nördlicher der Lozva zu lauft, wie sie ihn auf der zweiten karte gezeichnet finden, will ich nur das bemerken, dass dies derselbe weg ist, auf welchem Russland nach eroberung Siberiens zu erscht mit diesem Lande verkehrte. Die ruinen der Stadt Lozva, die zur leichtern beförderung der reisenden angelegt wurde, sind noch an dem südlichen ufer der Ivdel mündung ober dem dorfe Perschini zu sehen, und das gelichtete, vom walde befreite land aus welchem sie stand ist nun eine schöne wiese die bei den dasiegen bewohnern den namen der stadtwiese führt. – Auch später nach der entdeckung des weges von Solikamsk nach der Tura, hatte dieser weg noch seine wichtigkeit, indem auf ihm die Tscherdiner wogulen alle ihre zufuhr an brod, kleidung, pulver etz. besorgten; nur seit dem durch das aufblühen der hiesigen Zawoden der verkehr eine andere richtung nahm, hat er seine bedeutungverloren, und seine einzigen befahrer sind nun die Wischerischen bauern die gegen beginn februar schaaren weise – bis auf 100–150 mann – herüber das gebirg ziehen und hier jagd treiben. – Nach der nördlichen fortsetzung dieses weges nach der Sosva hin, werden Sie sehen – dass man von der Wischera einen ziemlich geraden weg nach Beresov fahren kann.
In dem ich mich erinnere Herr Staatsrath dass Sie sich einst um die ackerbau gräntzen auf dem Ural interessirt haben, so erlaube ich mir als sibirische fortsetzung dieser linie folgende punkte zu bezeichnen: an der südlichen Sosva das dorf Petrovi, an der Lozva Perschini, an dem Pelim Massau, an der Konda Puzäim. – In Perschini an der Lozva besteht wohl gegenwärtig kein ackerbau indem dessen bewohner verarmt sind, er wurde aber hier vor ungefähr 20 jahren blühend getrieben als der reiche wogule Kwasov (woher auch dazumal der ort Kwasovi jurt genannt) hier lebte. An dem Pelim wurde auch höher Massau, in Ätimjäpaul wo den winter durch eine art mehl markt besteht in dem das von den Pelimer bauern zugeführte mehl von den bewohnern der Tapsia gekauft u. auf rennthieren abgeführt wird MTA_KIK_Kt_Ms_4754_72_6 versuche gemacht, das feld zu bauen doch erfror hier die saat. – An der Konda wird ausser Puzäim nur an zwei stellen ackerbau getrieben in Satiga wo ich unter andern in den Töchtern des unlängst verstorbenen letzten Kondinischen Wogulen Fürsten Satigin sehr tüchtige u. wohlhabende ackerbauerinen fand, und in Lewusch nebst dessen nächster umgebung. Als ursache dieser so beschränkten betriebsamkeit wird gewöhnlich die sandige beschaffenheit des bodens, die den ackerbau sehr unlohnend macht, angegeben, – dies darf aber nur stellen weise gelten. – so z. b. in Schaim (neben Puzäim) wo ein reicher wogule wirklich mehrere versuche gemacht hat, doch wegen des flugsandes zu keinem resultate gelangte. – Als im allgemeinen bemerkt will ich noch zufügen dass der ackerbau so wie auch der wohlstand unter den wogulen die letzten jahre abgenommen hat, auf meiner reise auf dem Pelim wie auch an der Tavda u. Sosva sah ich viele felder brach liegen denen es an bearbeitern fehlt, und noch mehrere mit jungen zuweilen schon starkem wald bewachsen.
Zur dritten – zur Sosvaer karte kann ich folgendes sagen: Auf meiner reise nach dem Ivdel, begegneten mir in dem Plăton păill zwei leute die auf dem wege nach Wsewolodo Blagodatzki waren, um wie sie sagten den reisenden der zu ihrem Volke geschickt ist, kennen zu lernen u. zu hören – ob er nicht auch die nördliche Sosva besuche und vielleicht nach Beresov zu reisen denkt – und in diesem falle wie u. wann damit wegen den zugrennthieren gehörige anordnungen getroffen werden können (möchten Sie nicht in diesem zug auf mehr als auf wilde deuten!) Dies waren Beresover wogulen deren einer an den Tapsia quellen in Sui nyăll paul, der andere an den Pelimquellen in Panka paul wohnt. – Sie folgten mir nun zurück den Ivdel aufwärts nach der Ivdeljurt und ich weihte diesen entfernten kostbaren leuten hier zwei tage, während welcher ich die erste skitze dieser karte entwarf. Weiter den Ivdel aufwärts zu seinem quelle, traf mich eine zweite angenehme begegnung! Alexei Kasimov gewöhnlich von den Russen der bogati genannt von meiner reise unterrichtet kam mir hier entgegen. An den quellen der Sigva mit den dortigen Samojeden erwacksen, lebte dieser Mann später an den Wuolja quellen, kam dann südlicher u. südlicher, und zieht nun mit einer seiner heerden – seit 13 jahren – zwischen den quellen der wischera u. südlichen Sosva herum, während der besuch zu seiner übrigen heerden (die eine an den quellen der Lozva, die andere an deren der Petschora und die dritte an der Luopsia auf dem Kvettnyărr) seiner heimath an der Sigva in Khorumpaul, und die zahlung seines jassaks – ihn bedeutende reisen jährlich MTA_KIK_Kt_Ms_4754_72_7 zu machen zwingt. – Dies schien mir ein Mann von dem Nachrichten über den nördlichen Ural u. über die gewässer die auf ihm entspringen zu sammeln seien! ich lud ihn daher zu mir indem ich die reise zu ihm wegen der plötzlich strengen Kälte die bis auf 30 grad stieg in meinen leichten kleidern nicht wagen konnte – und er kam nach verlauf einer woche mit seinem sohn u. einem tolmetsch, und gastierte bei mir 5 tage. – Da entstand diese karte die ich Ihnen hier übersende, die ich aber hoffe aus Beresov Ihnen in einer noch richtigeren u. vollkommeneren gestalt, besonders was die Uralkette u. die haupthöhen züge dieses gantzen wassersystems anbetrifft, zu zuschiecken zu können. – Der reichthum des Alexei bogati wird von den Russen auf 19 tausend rennthiere geschätzt – er selbst verheimlicht ihn und in dem seine heerden zerstreut u. entfernt von einander weiden, so ist es schwer ihn richtig zu schätzen – wogulen sagten mir: er möge sicher 9 bis 10 tausend besitzen. Er ist der grosse Wogulische Volksbankier in dem es vielleicht keine familie an der nördlichen Sosva, wie an der obern Lozva giebt, die ihm nicht schuldig wäre – er hat in betreff der Tscherdiner wogulen das besondere verdienst, dass seitdem er auf ihrem gebiete wohnt, und ihnen dadurch die möglichkeit enstand rennthiere billiger zu kaufen, auch bei ihnen diese zucht etwas in aufschwung gekommen ist, wodurch sie nun ihre reisen auf rennthieren u. nicht zu fuss, machen können, und auch ihr daseyn eine sicherere basis gewinnt, indem im fall einer schlechten unfruchtbaren jagd, sie immer ihre nahrung in ihnen finden.
Wegen meiner gemischten ortographie bitte ich Sie um nachsicht das y gleicht dem russ. jer – ă ist ein zwischenlaut zwischen a und o und e’ ein zwischenlaut zwischen e und i.
Das sind Hochverehrter Herr Staatsrath die kurtzen nachrichten die ich diesen karten beifügen wollte. Was nun die letzte geschichte meiner reise anbetrifft – so ist sie kurtz folgende: Den 21 Febr. verliess ich die Wsewolodschen güter; kam den 24en auf dem Jahrmarkt nach Irbit, den 1en Märtz nach Turinsk; von hier nach der Tavda bei Tabarinski, und längs dieser abwärts zu ihrer mündung (die hier wohnenden russen sind ein mischlingsvolk aus wogulen u. Russen u. sind sehr emsige wohlhabende ackerbauer) und weiter längs dem Tobol den 5en nachts nach Tobolsk. Hieher führte mich die ersehnte bekanntschaft zweier Männer: des Herrn Wologodtzki verfassers eines ostjakischen lexikons, und des Herrn Satigin sohnes des Monat Januar MTA_KIK_Kt_Ms_4754_72_8 verstorbenen letzten Kondinischen fürsten – der in folge seines Kaiserlichen dienstes – als lehrer – seit mehreren jahren in Tobolsk wohnt und mehrere übersetzungen in seiner muttersprache verfertigte. Wologodotzki traf ich nicht an, er ist vor 2 monaten nach Petropavlovsk übersetzt werden; die verschaffung seines lexikons bat mir aber der Tobolsker Bischof Wladimir auf solche weise an, dass er ihn durch einen brief auffordern wolle, mir eine abschrift seiner arbeit zu zuschiecken; leider ist aber diese arbeit mitsammt der ostjakischen wissenschaft ihres verfassers in so einem schlechten ruf, dass ich von dieser Gnade lieber keinen gebrauch machen wollte, in dem mir hier ein schlechtes buch mehr schaden als nutzen kann. Herr Satigin ist ein sehr ordentlicher lieber Mann – er beschenkte mich mit seinen übersetzungen, indem er aber seine muttersprache bereits zu vergessen beginnt, so konnte er mir in anderer hinsicht nicht viel aufschlüsse geben. – In Tobolsk unterdess war ich nahe, fast gefangengesetzt oder wenigstens festgehalten zu werden. Ich kam ohne passport. Das offene schreiben des Ministers des innern welches mir nach dem Ural gegeben wurde, befugte mich nicht hieher zu reisen, und der stellvertretende Gouverneur sagte mir, er habe nicht die Macht, mit das schreiben mich nach Pelim reisen zu lassen. Ich schrieb also an den Fürsten nach Omsk mit der bitte, mir unterdess – bis ein schreiben des Ministers Perovski Ihn näher über meine schieckung benachrichtigen wird – zu erlauben, nach Pelim zu ziehen, und da mich mit den wogulen beschäftigen zu können. und den sechsten tag nach abgang meines briefes war sein schreiben an dem Gouverneuren da, wo er mir dies gnädig gewehrte. – So fuhr ich den 15 mit meinem treuen Baktjiar dessen tapferes hertz mir auf allen diesen angestrengten fahrten mit ausdauer folgte, aus Tobolsk den Irtisch abwärts. Die Volksverbreitungs gräntzen hier, finden Sie auf der ersten karte angezeigt, find sie noch dieselben, wie sie einst Bogdan der erste Russische erobener dieser gegenden vorfand, der Turtass ist noch die gräntze zwischen den Ostjaken u. Tataren. – Aus Demiansk fuhr ich über wolok nach dem Kirchdorfe Boltscharova an der Konda. Hier wartete meiner ein freudiger eindruck! es war eben feiertag, das Volk fass versammelt vor seinen wohnungen und wies mir zum erstenmal eine wogulische oder eigentlich ostjakische Nationaltracht. Die männer in weissen langen aus schafwolle gewebten röcken wie sie bei mehreren finnischen völkern gebräuchlich sind, und die weiber u. mädchen im vollen glantz Tschudischer pracht. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_72_9 Die reich ausgenähten hemde, die mit perlen verzierten brustgehänge u. haarflechten zierten geschmackvoll den körper und zeigten nicht das plumpe bild welches wir bei den Esthinen oder Tscheremissinen gewahren. – Zu solchen verschiedenen überraschungen der ordnung, des geschmacks, einer bessern gesittung etz. reihte sich noch eine andere, die der physischen ausprägung dieses volkes – die durch ihre eigenthümlichkeit u. allgemeinheit (auf der gantzen untern u. mittlern Konda) als ein reiner unvermischter nationaltypus angesehen werden muss, und die, wenn sie einerseits leise verwandschaftszüge mit den andern typen dieses Volkes auf der Lozva, Pelim, u. nördlichen Sosva, unverkennbar durchschimmern lässt, andererseits ausser zweifel setzt, dass diese letztern wegen der mannigfaltigkeit ihrer physiognomischen ausprägungen, eine nicht seit langem herzu rechnende vermischung erlitten haben. Diese physiognomie der Kondiner ist – als eine der Ostasiatischen sehr nahe stehende zu bezeichnen, nur mit gelindern verhältnissen, ohne dem schroffen mongolischen ausdruck. Dies tritt besonders bei den Kindern hervor, wo das Auge, welches gewöhnlich von auffallender schönheit ist, durch seine schmale länglichte figur u. den schiefen winkel, den Ostasiaten in seiner gantzen eigenthümlichkeit zeigt. Das gesicht welches seine potenzen in den, in die breite stehenden backenknochen hat, zeigt eine abgerundete form, und geht nur durch die verlängerung des spitzen kins zuweilen in eine länglichte oder gar ovale form über, wobei dann die backenknochen etwas gemildert erschienen. Die farbe des gesichts ist braunblass oder schwartzblass, das haar, durch dessen länge u. schönheit sich die weiber häufig auszeichnen, immer schwartz – bei den vorigen in zwei, bei den männern in eine flechte gewunden. Der körper ist im allgemeinen von etwas kleinerer u. ich möchte sagen zarterer construction; das verhältniss der glieder wohl u. regelmässig. – Ich konnte diesmal keine gyps abgüsse hier machen; denn ich führte hier keinen gyps mit mir in dem ich wegen der thauenden witterung eilte und mich hier nicht aufzuhalten gedachte, ich hoffe aber noch diese gegend mal zu bestreifen. – in hinsicht des Gypses spielte mir der Ispravnik von Turinsk nun einen unangenehmen Streich, auf meiner durchreise wollte ich da gyps kaufen u. ihn direckt nach der Tavda u. von da nach Pelim schiecken – doch war in Turinsk kein gyps und ich wollte mich daher zu einem kaufman wenden damit es mir etliche pud aus Irbit verschreibe, was sehr leicht war, in dem es der hin u. herfahrenden MTA_KIK_Kt_Ms_4754_72_10 zu dieser zeit eine menge gab – unglücklicher weise trug mir der Ispravnik seine dienste an, ich nahm sie an, dachte meine sache sicherer arrangirt gab ihm geld und nun vor etlichen tagen schickt er mir dies geld zurück mit der nachricht dass es nicht möglich war aus Irbit gyps zu bekommen enerhört! hätte ich noch so viel zeit, und würde ich nun an irgend einen kaufman nach Turinsk schreiben, so würde er ihn mir auch des sommers aus Irbit schaffen nicht dass man es zur zeit des Jahrmarktes nicht im stande wäre gewesen. – So ist in dieser richtung meine thätigkeit nun gehemmt, was ich wirklich bedauere indem hier an der untern Lozva u. Wagla ein herschender nationaltyp zu unterscheiden ist, während bei den Tscherdiner wogulen wegen der menge der physiognomischen verschiedenheiten solch ein typ nicht existirt.
Von Boltscharova fuhr ich die Konda aufwärts bis nach Schaim, kam von hier nach dem Pelim fluss u. erreichte den 23en, den einst für die hiesigen gegenden bedeutsamen ort – Pelim. In dem aber die fortwährend thauende warme witterung mit der gäntzlichen zerstörung der winterwege drohete, so machte ich mich noch den selben abend auf um die wogulischen bewohner der Wagla u. Pelim kennen zu lernen, und war den andern morgen vor dem ersten hof an der Wagla namens Ossje puäl. Ein furchtbares gerücht lief mir unterdess bei den bewohner der genannten zweiflüsse, voraus. Ein Mann – so sagte dies – sey die Lozva aufwärts nach der nördlichen Sosva gefahren, der eine unumschränkte macht über alle menschen übe, er schneide den leuten nach belieben die köpfe ab, mache sie in alabaster (gyps) ein u. führe sie in jaschtschik mit sich. er sey begleitet von 8 männer, die kaltschugu tragen und daher unverwundlich sind und dergleichen etz. – um Ihnen alle diese allbernheiten nicht zu wiederholen. – Dies machte dass wegen dem misstrauen u. der schüchternheit der bewohner diese reise nicht sehr angenehm war. In Pojjä puäl wo die vorbereitungen zur Osterfeier (das brantweinbrennen) dem dorfe die sinnen schon etwas verwirrt hatten, empfingen mich die weiber, sogar mit blanken gezogenen messern u. entwaffneten sich nicht früher, bis gegen abend etliche nüchterne männer von ihren fahrten heimkehrten, und meine geschenke zuletzt – diese allmächtigen perlen u. ringe – ihnen dies feindliche gefühl benahmen. – um damit Sie dies Volk nicht unvortheilhaft beurtheileng, so muss ich bemerken – dass das eigentlich der Priester war, der den richtigen vernunftsinn des volkes, welches diesen albernheiten MTA_KIK_Kt_Ms_4754_72_11 keinen glauben schenken wollte, verwirrte; er erlies zu Sie den aufruf: beregites ludjei, woina podnimatsa protiv wass – und befahl die waffen zu bereiten und sich vorsichtig zu verhalten. – Er erzählte mir dann selbst in seiner trunknen einfalt, wie er sieben dieser schrecklichen männer mit ihrem natschalnik erschlagen, und nur einem – zum verhör – das leben schenken wollte. – mit dem grauen des ostermorgens kam ich nach Werch Pelim. Den andern tag versuchte ich eine reise nördlich von hier den fluss aufwärts; das starke schneegewitter aber, welches mir schon auf dem wolok von der wagla nach Pelim ungeheure schwierigkeiten der durchkommens machte, zwang mich nach einer fahrt von 42 werst zurückzukehren.
Zurückgekommen nach Werch Pelim bereiteten wir uns nun Herr Staatsrath! zu einer wogulisch religiösen feier. Des Numi Tărom mächtiger sohn Pălm Tărom (Pelimer gott) ist ein gütiger erhörer der leidenden u. bittenden. zu ihm betet man und zu ihm steigen gelübde nicht nur am Pelim sondern auch an der Lozva u. Konda, und sogar an der nördlichen Sosva. So war ihm auch mein Baktjiar verbunden für die wohltat dass er ihn vor 2 jahren von einer schweren krankheit befreiete, das gelübde war ein pferde opfer, doch gestattete bis jetzt dessen vollbringung die armuth des mannes nicht. – Ich kaufte also nun ein Füllen (ein füllen ist ja auch ein pferd) von einem Wogulen u. wir fuhren den 29 Märt nach Pegun paul zu dem alten Nyăit (zauberer, priester – das finnische noita). Der wahre sitz der Pălm tărom ist eigentlich bei dem Tărlă dorfe an der Pelim mündung in dem tumen – in einem birkenhaine, wo er während des opfers auf einem ungewöhnlich starken birkenast – der an dicke fast seinen stamm überbietet – sitzt, und hier wurden früher ihm die opfer gebracht. Seit mehreren jahren aber ist dieser dienst nach dem Pegun dorfe, 2 werst von hier vorsetzt, indem die strasse nach Pelim dem haine vorbeiführt und der dienst daher ohne störungen nicht leicht verrichtet werden kann. Nachdem wir nun auf dem Schangur (wogulisches instrument) dem Gotte seine anrufungshymne vorgespielt haben, wurde nach allen ceremonien das thier geschlachtet, gekocht, u. gespeist und so das opfer vollgebracht. Den andern morgen traf ich mit meinem geweihten glücklichen Baktjiar in Pelim ein. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_72_12
So lebe ich nun nach dieser schweren reise (die nacht gefahren, bei tag gearbeitet) nachdem ich noch einen kleinen ausflug nach der Sosva (bis Machtel) nach der Lozva (bis Tachtan) u. nach dem Troitzki kirche (früher eine wogulische reich bevölkerte gegend) gemacht habe an dem freundlichen ufer des flüsschens Pelim oder Pelimka, wie sie von den russen genannt wird, ein ziemlich ruhig süsses leben. Meine chazaika plagt mich recht emsig mit ihrem stschi u. blini und ist böser laune wenn ich wenig esse, und jeden zweiten oder dritten abend erscheint ein jemstschik und spielt mir u. donnert auf seiner balalaika, so wie es ihm seine kunst am bessten gestattet. Meine beschäftigung ist, meine ethnographischen bemerkungen zu papier zu bringen, und werde mich, nach beendigter dieser arbeit über die grammatische analyse meiner wogulischen lieder machen. ihr wolum gedieh in Zaozerski (d. i. Wsewolodskoi) bis auf 30 bogen – weiter fand ich kein lied, auf meiner gantzen reise, werth der aufzeichnung.
Die hauptfrage ist aber nun Herr Staatsrath! wie meine geschäfte so einzurichten, dass man sagen könne: so ist es am zweckmässigsten. – Meine lage ist nicht die besste, sie fordert mich zur besonnenheit auf; wenn ich zuweilen von Ihrer Person, in der gegenwärtig meine gantze vorsehung liegt, absehe, so ergreift mich ein schaudern. – Wie also zu thun? – was fordert mein zweck? was sagen meine mitteln dazu? – Der zweck den ich verfolge, das was man von mir erwartet, ist die, nach wissenschaftlicher begründung gemachte verknüpfung der Magyaren mit den völkern des finnischen stammes. Diese arbeit besteht nicht in einem oberflächlichen hin u. hergreifen – Sie muss durch eigene kraft aus dem eindringen in die geistigen eigenthümlichkeiten dieser völker, sich entwickeln u. empor wachsen – Eile ist ihr ärgster feind, denn sie unterdrückt wissenschaftliche entwickelungen. – Sie rufen mich nach hause Herr Staatsrath und weisen auf eine zweite reise nach Siberien hin! Soll ich aber die vollführung meiner aufgabe hinter jahre schieben wenn meine landsleute nicht aufhören ein so unbilliges spiel mit mir zu treiben! – Ich muss meinen Gegenstand nun gründlich fassen, ihn durchdringen so lange bis mir das gefühl meiner reife nicht sagt: es ist genug. – und dann bin ich fertig. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_72_13 Und sie werden sehen! ich hoffe es sicher – dass ich das schwere wort welches ich Ihnen mahl in einem brief gesagt habe: die begründung einer ungarischen wissenschaftlichen sprachforschung erfüllt, und vielleicht zugleich auch – durch meine ethnographischen arbeiten – die bahn zu einer wissenschaftlichen national auffassung dieser völker gebrochen werde haben.
Wenn ich Ihnen also, Hochverehrter Herr Staatsrath, hier Kurtz meinen reiseplan vorsage – seyen Sie nicht böse! denn ich zittere vor dem gedanken Ihnen miszufallen. – Von Pelim fahre ich gegen den 10e Juni den fluss aufwärts, gehe von diesem in die Tapsia, weiter in die Sosva, Sigva und von hier nach der Sinja. gegen norden weiter habe ich keine bestimmungen. Auf dem Ob wende ich mich zurück, und fahre über Beresov, Samarov nach Surgut, Narim u. Tomsk. – Hier von Tomsk aufwärts, – tritt uns Herr Staatsrath folgende erscheinung entgegen! die vielen kleinen Völkerschaften die zwischen den Ob u. Jenisei quellen bis in dem Altai hin wohnen, sprechen eine tatarische sprache, die durch ihre verdorbenheit u. mischung unzweifelhaft auf eine völkermischung hindeutet; das land unterdessen auf welchem sie wohnen führt in ihren flüssen reine jugrische (Mansi u. Hănda) nahmen. – Sollten wir nun auch aus diesem nicht gantz berechtigt seyn diese Völkerschaften für tatarisirte jugrier (Hăndă oder Mansi) ansehen; so muss uns doch der angeregte zweifel zur untersuchung der sache – die vielleicht ein wichtiges historisches problem uns lösen wird – hinführen. – Ich werde daher meine reise auch in diese gegenden, so viel es möglich ist ausdehnen. – Hier tritt uns sogar ein schein der möglichkeit entgegen die geschichtliche verbindung der Volksnahmen jugrier. jugor und uigur, jugur, ogor vielleicht zu finden – indem es doch immer schwer bleibt zu denken, dass ihre ähnlichkeit nur eine zufällige wäre. Einzelnen Leuten jetzt nachzusagen turk ist turchan
Meine mitteln zu dieser reise bestehen in 1000 rubel; das weitere besonders zu meiner rückreise. hoffe ich von Ihrer Grossmuth Herr Staatsrath, sie werden mir vielleicht auf irgend eine weise 1000 rubel assign. zu borg verschaffen können. zur zurückzahlung dieser summe hoffe ich mir mitteln MTA_KIK_Kt_Ms_4754_72_14 durch meine arbeiten zu verdienen; auch habe ich die rechtliche forderung an die ungarische Academie, die mir Monat Märtz 1843 eine summe von 2500 gulden öffentlich bestimmt hat.
Die ursache dass ich Sie aus Wsewolodski von meiner abreise nicht unterrichtete, ist, dass es in meinem plane lag mich in Turinsk eine woche aufzuhalten, da meine papiere zu ordnen, mich zur neuen arbeit vorzubereiten, und ihnen daher von hier ausführlichere nachrichten zu geben. Unterdess hielt ich mich in Turinsk nur einen halben Tag auf, denn das thauende wetter trieb mich in der furcht meinen weg über Tobolsk und der Konda nach Pelim nicht vollenden zu können.
Das paket welches Sie mir versprachen mit einem beamten nach Wsewolodskoi zu senden, habe ich noch nicht bekommen, indem dieser Herr sehr langsam reiste und ich ihn nicht abwarten konnte – Ich bat aber den Herrn verwalter wie auch die Bogoslovsker postexpedition alle an mit adressirte briefe u. pakete nach Turinsk, wo ich in dem post Comptoir auch meine adresse hinter lies – zu schicken – der Kosak der hier alle 2 bis 3 wochen mit der post dahin abgeht, und vor etlichen tagen zurückkam, brachte mir noch nichts. – Die 500 rubel die Sie mir mit einem brief nach Nishni Tagilsk schickten, habe ich in Bogoslovsk empfangen auch fand ich da auf der Post Ihren brief vom 29 Januar, und ich danke Ihnen sehr für die Ehre, die Sie mir anthaten, als sie aus meinen briefen mittheilungen an Ihre Academie machten und auch Zugleich für diese aufmerksamkeit gegen meine Ältern denen Sie diese mittheilungen auch überschickten.
Die Briefe an mich bitte ich Sie nun schon durch die Regierung an die Gouvernementsverwaltung zu Tobolsk zu adressiren, so auch – jesli milost budjit – das geld mit der weisung dass sie sie mir nach Beresov oder Surgut oder Tomsk überschiecken.
Ich sehe mit sehnsucht Ihren briefen entgegen – auch ist gewiss schon das empfehlungsschreiben an dem Fürsten Gortschakov auf dem wege. In dem ich Sie in meinem letzten brief für mehrere empfehlungsschreiben noch bat, und diese unentschlossen – Ihnen wies – nach Ekaterinburg zu schiecken – so werde ich diese tage dahin MTA_KIK_Kt_Ms_4754_72_15 schreiben und um deren übersendung im falle sie da sind, bitten.
Und somit verehrtester Herr Staatsrath empfehle ich mich in Ihre hohen Gnaden. An die Herrn Frähn u. Schmidt bitte ich meine ergebenste empfehlung, dessgleichen auch an die übrigen Herrn Academiker. An Ihre Frau Gemahlin wie an Madam Schmidt meinen handkuss. und an das Balugyanskische haus meinen Fussfall.
Ihr ergebenster dankbarster Diener
Reguly
In Irbit begegnete ich vielen Mestscheräken – unter andern auch in dem dort dienstthuenden Baschkiren Commando aus dem Canton Abit Agzsigitov welches mir der Commandant vorzustellen die güte gehabt hat – es regt sich in mir mehr kein zweifel dass sie tatarisirte Magyaren sind. Sie nennen sich Mischer u. werden auch so von den Baschkiren genannt.
Eine angenehme Überraschung in Tobolsk was mir die begegnung mit Herrn Castren den ich auf seiner durchreise da fand; sein gesundheitszustand war nicht der besste, doch glaube ich dass er sich bald erholen wird; solche launenhafte empörungen einer zu lange geplagten u. unterdrückten Natur, habe ich bei Ihm schon gesehen.
Der grössern sicherheit wegen erlaube ich mir diesem briefe eine officielle form zugeben – indem auf so einem langen wege ein tschastni bumaga leicht verloren könnte gehen.
Im fall von der Ungarischen Academie gelder für mich, bei Ihnen liegen, so bitte ich Sie wenn es leicht thunlich ist u. sie es der mühe werth finden, eine abschrift dieses briefes Ihr zu überschiecken, in dem ich in meinem brief zu ihr sehr kurtz bin. Nur bitte ich Sie da, den punkt wo ich über meine reisemitteln spreche gantz auszulassen. – die karten können die Ungar. Academie wenig interessieren. –
Das datum auf diesem briefe ist nach dem russ. stil.