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Reguly Antal levele a szüleinek (Szentpétervár, 1843. július 23.)
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Petersburg den 23 Juli 1843.
Liebste Ältern!
Ich habe mich in meiner Erwartung liebste Mama nicht getäuscht, ich habe ihren Brief bekommen und danke Ihnen für die Freude die sie mir damit machten. Wenn nur auch Papa bald schreiben möchte, ist auch in meiner Sache noch nichts beschlossen, so ist doch ein Brief allein auch ein Trost. – Ich befinde mich die letzte zeit, nicht ganz gut, und bin sehr abgemagert, ich glaube es ist die Unruhe in der ich seit einer zeit lebe, die in meiner gesundheit greift. Wann wird wohl aus meiner abreise etwas werden, es scheint sich alles sehr in die länge zu ziehn. Zirzen hat mir unlängst geschrieben und ich habe ihm auch schon geantwortet, er will eine Collekte für mich machen. Hörrten Sie nichts von Bonifacius, wie er meinen Brief aufgenommen hat – meine Adresse schrieb ich ihm nicht, ich dachte er wird sie schon von ihnen erfahren – doch war es nicht gut es zu vernachlässigen. – Von Csausz habe ich kein schreiben bekommen, aber Madame Balugyanszky hat die gebetbücher mit einem Brief erhalten auf den sie diese Tage ihm antworten wird – sie war sehr erfreut über diese erinnerung.
Ich werde heute an Schedel schreiben – ich weiss nicht, was das ist, dass ich nicht im stande war bis jetz es zu thun – Gott weiss ich dachte die ganze Wissenschaft verschlingen zu können und so mich vor ihm zu stellen, dass es ihm Freude mache dass er sich meiner annahm – aber jeder excess ist schädlich und nebstbey dass es beleidigend war ihm so lange nicht geschreiben zu haben, habe ich auch durch dies unmaas von studien meiner gesundheit geschadet. Was soll man aber thun, wenn man mit so wenig mitteln ein so grosses weites ziel vor sich hat. ich war gezwungen tag und nacht zu arbeiten, um je eher zu endigen. Ich wollte schon heute vor diesem Brief an Schedel schreiben, und ich war es nicht im stande so viele ideen steigen in mir mit einem auf, dass ich unvermögend bin sie zu ordnen und nur eine aufs Papier zu bringen – Sie werden das wohl wunderlich finden, aber sehen Sie, ich ruhe von der Arbeit nur dann, wenn mein kopf so geschwäht ist, dass ich nichtmahl ein Brief zu concipiren im stande bin. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_142_2 und in solchen zustande hat man denn nicht mal die möglichkeit sich zu zerstreuen – denn wenn es eine stadt giebt wo dies unmöglich ist, und wo man keinen begriff hat, was unterhaltung ist, so ist das gewiss Petersburg. – wären meine geldverhältnisse besser, so würde ich eine excursion irgend wohin in die umgegend machen, aber das kostet hier immer sehr viel, und dann findet man auch keinen Cameraden, denn oder haben sie keinen Sinn dafür, oder verhindern sie ihre geschäfte. – Die vorige woche war bei Cronstadt ein See Maneouvre angekündigt, es waren da zwei divisionen, und ein dampfschiff für Passegeure bekam die Erlaubniss in der Suite des Kaisers dies Maneouvre mit zu machen – Ich mit den Alten Balugyanszky war auch unter den Passageuren, und als wir nach Peterhof kamen von wo wir den Kaiser folgen sollten, wurde das Maneovre wegen der schlechten witterung abgesagt, Sie können sich denken dass das niemanden angenehm war. – das dampfboot kehrte mit seinen passagieren nach Petersburg zurück, nur ich stieg ans Land und besuchte einen bekannten officieren und brachte den Tag bei ihm zu, indem des Maneovre dauf den folgenden tag angesagt war – es regnete den ganzen tag, und den andern tag war solch ein sturm, dass aus dem Maneovre wieder nicht wurde – worauf ich dann auch nach der stadt zurück kam. von dem Sommer, den wir hier haben, können Sie sich wohl schwer eine Idee machen – wir haben so kalt dass der Thermometer zuweilen bis auf 10 grad sinkt und jeden zweiten tag Regen – es giebt auch viele kranke wegen dieser ungesunden, veränderlichen witterung.
Schreiben Sie mir bald liebste Ältern! Ah wie ich mich langweile das ist nicht zu sagen – ich kann keine zerstreuung finden und arbeiten kann ich auch nicht seit etlichen tagen. Was das heisst ein vaterland verloren zu haben, das könnte ich ihnen auf meiner jetzigen stimmung (die ich leider nicht zum erstenmal habe) sehr gut sagen, wenn ich so aus meinem Studien-traum erwache, und dieser nimbus der mich sonst umgibt, verschwindet dann fühle ich eine leere und einsamkeit in mir, die unaussprechlich ist. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_142_3
was macht Juli und Korizsmits, und küsse sie tausendmal – ich hoffe nun bald ein Herr Onkel zu seyn, und somit in der menschlichen gesellschaft zu avanciren. – Und Bertuschka? wann bekomme ich ihre geschenke? ich erwartete sie schon mit unsern neuen Gesandten Coloredo Valsee. – Ich bin auf meinen diener so böse er hat mir 3 paar Socken von denen die Sie mir geschickt haben, verloren. – Madame Balugyanszky lasst mir nun wäsche machen, und ich werde nun ganz auf’s neue damit versorgt seyn. Wie hier alles theuer, das können Sie in den hiesigen kleider preisen sehen – ein rock 160 rubel, ein Frack 150, ein beinkleid 60, ein paar stiefel 25-30 rubel etz. ein rubel ist mehr als ein gulden W.W. – ein seidenhut 21, ein filzhut 30 rubel – und im gleichen verhältniss ist das vergnügen hier theuer, die theater und bälle etz.
Schreiben Sie mir recht bald liebste Ältern – ich küsse Ihnen vielmass die hände und bleibe ihr liebender gehorsamster Sohn Toni
Werden Sie bald von Zirz wegziehen – wie gerne möchte ich Sie da noch sehen – Ah warum kann ich nicht nach hause reisen. – Ich erweckte diese Tage in Balugyansky die Erinnerung auf das Vaterland auf eine sehr angenehme weise – ich machte ihm ein gulyásfleisch, welches sehr gelungen war. – Mit Heckenast ist wegen den Büchern nun nichts mehr zu machen – diese bücher sollte ich aber doch haben. – Was Sie mir gute Mama von General Theslef schreiben das verstehe ich nicht gut, gewiss wird mir Papa davon noch ausführlicher schreiben. – Wie sich hier in Norden die Dampfschiffahrt verbreitet ist wirklich merkwürdig – dieses jahr wurde auf den Peipus und auf den Ladoga dampfschiffahrt eingerichtet. wenn es mir möglich wird seyn mache ich vielleicht auf dem Ladoga eine lustfahrt um mich etwass zu erholen. – Madame Balugyanszky fahrt diese Tage nach Wilna, um ein gelübde zu erfüllen, sie ist eine sehr eifrige Katholiken, sehr andachtsvoll.
Wenn Sie mir auf der Post schreiben, schiecken Sie ihre Briefe an Balugyanszky – á la seconde division de la Chancellerie de l’Empereur-chesson Excellence Mr la Secretaire d’Etat de Balugyanszky.