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Reguly Antal levele a szüleinek (Szentpétervár, 1843. június 29.)
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St. Petersburg den 29 Juni. 1843.
Meine liebsten Ältern!
Ich habe Ihnen, seit ihrem letzten Brief, zweimal geschrieben und erwarte täglich eine Antwort von Sie. Dasselbe thue ich hinsicht der Academie habe aber auch noch nichts bekommen. Ich wollte schon lange selbst an Schedel schreiben und das hätte vielleicht auch die ordnung so gefordert doch ich habe ihnen schon öfters das Leben beschrieben welches ich führe; ich sitze den ganzen tag zuhause arbeite mit der grössten anstrengung und höre nur auf, wenn ich erschöpft bin, und dann kann ich freilich nicht schreiben – und sobald ich etwas Ruhe genossen habe, eile ich wieder meine arbeit fortzusetzen – so geht es von einem zum andern Tag und ich werde von meinen studien so absorbirt, dass es mir unmöglich ist irgend einem andern gegenstand mich hinwenden. So ist es wenn ich mir einen Brief zu schreiben vornehme. dass es von einem zum andern Tag geschoben wird und niemals geschickt. doch werde ich Ihm diese tage schreiben, indem ich auch Bücher an die Academie abschiecke. Meine Hoffnung auf die Unterstüzung des Hofes die auch nie stark war ist mir ganz vergangen, doch möchte ich das nicht von der Academie denken, nachdem sie mal diese Bestimmung in ihrer sitzung getroffen hat, mir diese Summe zu geben. Doch wundert es mich dass auch Mednyanski noch nichts an Köppen geschrieben hat. – Schreiben sie mir doch je eher gute Ältern, wass in der Sache liegt.
Vor zwei wochen machte ich eine kleine Reise, von hier nach Pskov, 40 meilen gegen Süden, und fand schon in so kleiner Entfernung einen grossen Unterschied in der wegetation, hier sah man noch kaum Triebe an den Bäumen und da war alles schon im vollen Grün, die Obstbäume in Blüthe und die Tulpen und Syrenen öffneten schon ihre knospen. Dies erwekte gewaltig die Erinnerung an Zirz, wie mag es in ihrem Garten aussehen dachte ich mir MTA_KIK_Kt_Ms_4754_141_2 ich athmete diese schöne freie landlust wie ein Gefangener den war auf etliche stunden ins Freie lasst. Die veranlassung zu dieser Reise war die Hochzeit der letzten Tochter von Balugyansky, es war eine prachtvolle Feier, der Grossfürst Michael der Bruder des Kaisers war Brautvater, und von seite des Bräutigams war der Fürst von Warschau Paskewitsch der Vater; ich war Brautführer – ein glänzendes Amt unter so grossen Herren – und wollte darum so liebenswürdig seyn und das junge Ehepaar, welches noch denselben Abend (um 8 Uhr abends war die Trauung) nach Warschau und von da nach dem Auslande abreiste, bis Pskov zu begleiten. Ich reiste mit dem Gouverneur von Pskov dem General Bartholome, einem schwiegersohn von Balugyansky und diese schnelligkeit mit der wir fuhren können Sie sich nicht vorstellen, in 18 stunden hatten wir diese 40 meilen gemacht – die Brautleute die langsamer fuhren, kamen erst den andern Tag an, und verweilten da zwei tage. Nach ihrer abreise stellte mir der Gouverneur seinen Wagen mit 6 pferde angespannt zur Disposition, wohin es mir zu fahren gefällt und ich besuchte das 6 meilen entfernte alte Izborzk welches in der ältesten geschichte Russlands und auch später von einer Belagerung Bathoris berühmt ist – die Ruinen der festung sind noch sehr gut erhalten und unter ihnen sind die so genannten slawischen Quellen, ebenfalls in der ältesten geschichte Russlands berühmt – von da in der entfernung von einer werst gegen westen ist Trouvors wohnungsplatz auf einem berge mit einem graben umgeben, zu sehen, und daneben wird auch seyn Grab gezeigt, was aber nicht wahr ist. – Von Izborsk fuhr ich nach dem 6 meilen entfernten Höhlen Klosster zu Petschora besah auch da alles und lies auf meiner rückreise durch Izborsk balte grabhügel (Hünengräber, bei uns) eröffnen, fand aber nur gebeine keine schmuck gegenstände MTA_KIK_Kt_Ms_4754_141_3 ein ziemlich gut erhaltener schädel ist meine ganze Beute daraus. Ich konnte dem Gouwerneuren für seine ausgezeichnete gastfreundschaft nicht genug denken – und kam mit der Diligence nach Petersburg zurück. – Der grossfürst war gegen Balugyanski ausserordentlich gnädig, es hatte sich selbst angetragen und wünschte Brautvater zu seyn – die Trauung geschah in seinem Palais in der Kapelle, wo ich nach Russischer sitte die Krone über das Haupt der Braut hielt, und nach der Trauung wurde die ganze gesellschaft zum Grossfürsten gebeten und da Champagner, und Thee gereicht – von da fuhr man zu Balugyansky, und der Grossfürst hielt sich lange da noch auf – unter andern erkundigte er sich da auch nach meiner, und man musste ihm meine ganze geschichte erzählen, auch sagte man ihm dass ich der Grossfürstin seiner Frau vorgestellt sey. –
Nach meiner rückkunft fand ich Liszt und Teleky wieder hier Liszt gab für sich nur ein einziges Concert, welches aber so prachtvoll und grossartig war, dass man es eher eine musikalische solennität als ein Concert hätte nennen können. bei ihrer abfahrt begleitete ich sie bis Cronstadt.
Ich bin noch sehr beschäftigt, doch hoffe ich in 2 bis 3 wochen mit meinen arbeiten ziemlich fertig zu werden, und dann kann ich sagen, ich hab aufgehört student zu seyn – dann kann ein wirkendes, thätiges Leben für mich beginnen – wenn ich geld habe. – Ich weiss nicht was Zirzen und Bonifacius mir schreiben werden – ich sage hier allen leuten dass ich ende Juli (russischem stils) abreise – die zeit naht heran, ich weiss nicht ob es mir möglich seyn wird, wort zu halten. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_141_4
Wir haben hier eine schreckliche Hitze, so schwül so drückend ist die Luft immer – zu arbeiten ist es wirklich sehr schwer.
Liebste Mama, Sie haben mir schon lange nicht geschrieben, ich bin gewohnt, die ersten Nachrichten von dem wass man zu hause für mich thun will, von Ihnen zu erfahren und ich erwartete nun schon immer mit ganzer sicherheit einen Brief von Ihnen – Von nun an können Sie auch schon sicher rechnen, dass Sie häufiger, wenigstens alle Monat wenn nicht alle zwei wochen, einen Brief von mir haben – auch werde ich mit Schedel correspondiren, sobald ich von hier abreise, und so werde ich auch an Bonifacius, an Abten, und and Andere Herren die sich meiner interessiren zuweilen schreiben – bis jetzt war dies nicht möglich, denn mein bisheriges Leben war das eines studenten der über hals und kopf lernen muss um damit er auf sein Examen fertig werde, – von solch einem wird man fordern dass er zu hause sitz und lernt und sich um anderes nicht viel bekümmert, als um seine Studien – so musste man auch mein bisheriges leben würdigen – denn in Ungarn dachte ich weder auf Phylologie, noch auf Asiatische geschichte noch Ethnographie und völkerverhältnisse und Gott weiss was noch – alles dies musste ich erst hier lernen um meiner aufgabe gewachsen zu seyn. – Wie befindet sich Zsuli und Korizsmitsch, an sie werde ich auch nur nach meiner abreise von hier schreiben ich küsse sie vielmahls. Werde ich meine ungarischen bücher bald bekommen? von seyn – es wird vielleicht auch ein exemplar genügen.
Ich küsse Ihnen die Hände, liebste Ältern und bleibe
ihr liebender Toni
Berta küsse ich vielmahls und ich erwarte ihre Cigarentasche mein portrait werde ich machen lassen sobald ich geld habe. – ich grüsse alle bekannte – Szabadhegyi – etz. den Prior besonders