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Reguly Antal levele a szüleinek (Szentpétervár, 1843. május 12.)
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Petersburg den 12 Mai. 1843.
Meine liebsten Ältern!
Ich überdenke oft meine Lage seitdem ich Ihren letzten Brief erhalten habe, finde aber je mehr ich sie betrachte nur immer weniger erfreuliches darin. Jene Hoffnungen zu einer baldigen Reise, die sie in mir geweckt haben, verdunkeln sich zu leicht, als um auf sie bauen zu können. – Man wendete sich um unterstüzung zum Kaiserlichen Hause: wenn man keine anderen ressourcen hat, so ist es freilich nicht schlecht und gewiss verzeilich; und warum sollte man dann nicht hoffen? Wer wird aber den Hof tadeln können wenn er sagt: sorgt selbst für das, was tiefes in Eure nationalen Interessen eingreift; wenn wir aus unsern privatmitteln die nächsten Interessen eines volkes unterstüzen sollen, wer wird sich denn der entfernteren, die nicht mit solchem Rechte auf Eure Hülfe ansprechen können, annehmen? – Und was mache ich dann mit diesen Academischen 2500 gulden (ungefähr 2200 rubel ass.)? Ich werde sie müssen der Academie wieder zurückschiecken, indem sie sie mir gewiss nur in der Absicht gab, um damit eine Reise zu unternehmen. – Und so kann die ganze allarmirende Geschichte beendigt seyn. – Ich will nicht sagen, ich hätte keine Hoffnungen; denn ich kann kein Urtheil in dieser Sache haben indem Sie mir keine nähere details über die zwei Beschlüsse der Academie schreiben; ich will Ihnen nur sagen, dass es zu früh war mich darauf zu freuen. – Auch bin ich wegen meinen schulden, wenn mir diese Hülfe vom Hofe wirklich zukommt, nicht ausser embarras; ich werde eine summe die mir aus besonderer Gnade zur Reise gegeben wurde nicht sogleich zum theil zu meiner schuldentilgung verwenden können, besonders – da die summe kaum so bedeutend seyn wird, dass ich das, ohne der Reise einen Abzug zu machen, thun könnte. – Für diesem Fall habe ich darum Schritte gethan und vielleicht gelingt es mir, mich zu arrangieren; obgleich es zu warscheinlich nicht ist. Ich schrieb an Bonifacius und an Zirzen, und sie werden thun was möglich ist. von abten wollte ich auch verlangen, ich war es aber nicht im Stande zu thun. Ich ging mehrere Tage – als ich Ihm schreiben wollte – mit dem Gedanken herum, wie es anzufangen, um Geld von Ihm zu verlangen und doch den Schein des Eigennutzes nicht auf mich zu ziehen, – als hätte mich nämlich nur die Noth gezwungen mich Ihm zu nähern und an Ihm zu Schreiben; und ich endigte zuletzt damit, dass ich Ihm sage: Geldunterstüzung von Ihnen guter Herr Abt ist mehr kein Gegenstand meiner wünsche – und entsagte auf immer aller seiner materiellen Hülfe.
Alles hängt also nun vom guten willen des Hofes ab; habe ich da gute Fürsprecher, so habe ich mein Ziel erreicht, wenn nicht, so wird nichts geschehen; MTA_KIK_Kt_Ms_4754_140_2 denn was wäre mit diesen 2500 gu. zu machen? – Ungarn wird selbst nicht wollen dass sich ein mit Ihren Namen und Aufträgen Reisender so unsicher und elend auf dem weg mache – wenn man gleich auch damit den Ural erreichen und da weitere Hülfe abwarten könnte. Und ich selbst wäre es auch nicht mehr geneigt zu thun, denn ich glaube ich habe genug geopfert und zu viel soll man nicht opfern; das zuviel lieben die Menschen nicht, und sie missschätzen es, eben weil es zuviel ist; sie glauben zuletz es muss so seyn und man verliert nur anstatt zu gewinnen.
So sehe ich dass meine Lage in Ungarn noch ganz die alte ist und dass der verlauf eines Jahres für meine Sache nichts wirken konnte – denn die warme Theilnahme der Academie war auch voriges Jahr dieselbe. Diese Erfahrung – statt dass sie mich kräftiger dem Auslande zuwenden sollte und mich antriebe nur dessto thätiger um deren Unterstüzung zu werben – scheint eben das entgegengesetzte in mir hervor zu bringen. Wie ich bis jetz in dieser hinsicht, so unentschlossen war und mehr die Freundschaft anderer für mich hier gesorgt hat und meine sache betrieb, als ich selbst, so möchte sich nun ein Entschluss in mir bilden. – Man nannte mich zu lau und sagte, gleich wie bei unserer hiesigen Bottschaft: warum haben sie nicht mehr Energie? wenn sie ihr Vaterland nicht unterstüzt, warum suchen sie diese Theilnahme die man ihnen hier bezeigt nicht besser zu nutzen? mit mehr Betriebsamkeit, hätten Sie ihre Reise nach Siberien schon längst antreten können. – Das ist vielleicht nicht unwahr; diese Herren verstehen mich aber nicht. – Wer nur Brot sucht dem ist es allerdings dasselbe von wo es herkommt. Wenn ich aber eine Reise nach Siberien für Ungarn gerne unternehme, ist es auch Folge, dass ich ja auch für ein fremdes land gerne thun werde? wenn ich hier nur Brot suche, kann ich es nicht vielleicht auch auf angenehmeren wegen als in Siberien verdienen? – oder sagen sie mir vielleicht: wenn ich mit fremder Hülfe im stande bin mein werk durchzuführen so ist ja nur dessto verdienstlicher und die Anerkennung nur dessto grösser. – Ich will mit solchen Oeconomien kein verdienst für Ungarn mir erwerben; und jene Anerkennung – was ist sie mir werth wenn ich mir sagen muss: dieses Land ist so schwach! es bezeigt mir Ihre zufriedenheit, ja vielleicht Ihre Freude dass ich mein Werk mit fremder Hülfe vollbracht habe, und sie war zu klein zu schwah mich dazu zu verhelfen. – Ja wäre Ungarn ein armes kleines Ländchen, das bei einem andern mächtigern das Gnadenbrot isst, MTA_KIK_Kt_Ms_4754_140_3 und das niedergebeugt unter des Lebens Last und Plagen keines höhern Geistesschwunges sich bewusst ist – wer würde da ein Wort Klage über unbilligkeit wagen? – Dass es aber bei der Lage die es in der Wirklichkeit hat, in den strahlenden Zeiten ihrer nationalen wiedergeburt, diese unternehmung so ohne Hülfe lässt und mich so gemeine Bettelopfer bringen lässt – wahrlich! Thut sie nicht selbst etwas, so verdient sie keine fremde Hülfe.
Wollte Ungarn über diese Sache nun nachdenken und sollte irgend jemand auf dem Landtage darüber sprechen. – So würde man sagen: Es ist zeit, dass wir einen Entschluss fassen, wir können Ihn mit Billigkeit nicht länger in Ungewissheit und seine Jahre hinopfern lassen. – Und irgend etwas sollte geschehen. – Sollte man mir auf zwei drei Jahre in voraus einen Gehalt bestimmen und auf solche weise mich sicher stellen, dass ich ungehindert handeln und arbeiten könnte wie ich es für gut finde, so sollte man sehen ob ich Sie mit meinen Leistungen nicht zufrieden stellen könnte. – Und will man nichts thun, so thut man mir auch eine wohlthat, wenn man mir es sagt.
Ein anderes Volk liesse mich schon, aus dem innigeren nationalgefühl, welches für die Ihrigen sorgt, nicht fallen, und wünschte wenigstens die wissenschaften durch sich zu fördern wenn es auch kein nationalen Gegenstand beträfe, – und dies volk ist zu spröde auch für sich selbst etwas zu thun.
Von Schedel habe ich noch keine Briefe. Es ist merkwürdig dass ich diesem Mann wie auch an Bonifacius, denen ich alles zu verdanken habe und gegen die meine Seele mit dankbarster Ergebung sich hinneigt, noch kein einzigesmal geschrieben habe: es scheint aus einem ängstlichen Gefühl der Achtung herrühren – man scheint sich nie genug gediegen, ruhig, und mit genug vollkommenerer innerer Harmonie um solchen Leuten, deren zufriedenheit man sich verdienen will sich zu nähern. – eine verbindung mit sie scheint immer noch zu früh zu seyn, und ein Tag wird nach dem andern so zum schreiben verschoben.
Der Artikel Csoma de Körös und Reguly Antal ist von B. Mednyanszky an die zeitung geschieckt worden. Köppen spricht nur mit der grössten verehrung von diesem mann. Er hat gewiss auch zu diesen schnellen Entschlüssen mir zu helfen, beigetragen. Sagen sie mir davon etwas, was macht Uzowits? Ich möchte Papa, sie besuchten diese zwei Herre, und berichteten mir dann wass sie über meine möglichen Hoffnungen sagen – denn ich muss nun irgend einen Entschluss fassen und MTA_KIK_Kt_Ms_4754_140_4 möchte gerne Ihren Rath hören. Sagen sie mir auch, warum will man denn eigentlich nichts für mich machen? wie denkt man denn von meinen unternehmen ausser der academie? Ich hörte diese Tage sogar Horvát István interessiere sich für mich! ist es wahr? Hat nicht irgend jemand die wichtigkeit und die folgen meines Unternehmens noch in den zeitungen entwickelt? damit man mich verstehen und begreifen könnte und mein unternehmen würdigen sollte. Das kann ich selbst nicht thun mint a czigány magam lovát dicsérni – und das müsste doch geschehen. Dafür wäre Schedel der Mann. Bitten sie Ihn dafür. Die sache empfiehlt sich ja selbst, nur muss sie entwickelt werden damit sie jeder verstehen könne. Denn nur Mangel an Einsicht kann der Grund dieser Theilnahmlosigkeit seyn.
Liszt war hier. Indem ich voriges Jahr während seines hiesigen Aufenthalts krank war, so machte ich nun erst seine Bekanntschaft. Mit Ihm reist ein Graf Teleky, ein junger Mann der mich aufgesucht hat. Er diente nur um durch seyn ungarisches wesen mich noch mehr zu erwärmen nachdem ihr Brief die alte Flamme schon angefacht hatte. Sie reisten nach Moskau und kommen bald wieder zurück, und werden über Schweden nach Frankreich zurückkehren.
Die Grossfürstin Helene reiste gestern nach dem Auslande. Vor einer woche speisste ich mit Ihrem Reise Marschall einem Esthländischen Gutsbesitzer bei Baer und wir tranken mit Tokaier den er so gut war vor kurzer zeit von mir anzunehmen auf Ihre glückliche Reise. Auch brachte Baer einen wunsch zur glücklichen sibirischen Reise auf und ich wünschte man möchte auch zu hause so daran theilnehmen, wie es hier geschah. Der alte Balugyanszky wird sich vermuthlich auf die Világ zeitung prenumeriren.
Monat März reiste der Senateur Tolstoi mit einer langen suite von jungen Leuten, von hier nach Siberien zur Revision der Administration ostsiberiens. Eine Arbeit die zwei bis drei Jahre dauern wird. Seine Frau eine geborne Fürstin Scerbakov folgte Ihm auch. Sie bedauern wohl die arme Frau! die es aber mit ganzer Lust that. Ich war zuweilen in Ihrem Hause, und versprach Ihr für das Jahr 45 Monat Februar ihr Ciceroni auf der Reise von Irkutzk nach Kiachta zum Chinesischen Jahrmarkt zu seyn. Das war mehr Spass als Ernst und es bleibt auch dabei.
Rubini hat seine gastrollen im grossen Theater wo er auf 15 vorstellungen engagirt ist begonnen. Sein Gesang ergreift wunderbar. doch ist er übrigens kein Mensch von höherer Bildung.
Udwardy ist wohl auf dem Landtage, grüssen sie Ihn vielmals.
Schiecken Sie mir eine Copie von meinem Memoire an die Academie. ich habe nur den ersten Entwurf davon und es ist so confus und undeutlich dass ich darauf nicht klug werden konnte als ich ihm diese Tage hervornahm.
Schiecken sie mir eine quantitat guten Bajuszkenyö.
Ihr liebender Toni
Ich küsse Ihnen die Hand gute Ältern. was macht Juli, Berta, Korizmits? ich küsse sie vielmals. – Schreiben Sie mir je eher – warten sie nicht bis etwas entschieden ist – es ist auch | angenehm zu wissen was man zu thun gedenkt. Ich habe Ihnen vor kurzer Zeit geschrieben haben Sie meinen brief bekommen. – wir haben wieder ganzen winter.