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  • Reguly Antal levele a szüleinek (Szentpétervár, 1843. április 22.)

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    St. Petersburg den 22 April 1843.

    Liebste Ältern!

    Ihr brief von 1en März den ich vorgestern bekam hat ein neues leben in mir gegossen – und es ist alles noch so in bewegung und so getrübt in mir, dass ich kaum meine gedanken fasse, um sie ihnen in ordnung und verständlich vorzulegen. – Es schiene also, ich bin mit einem plötzlichen zauberschlag der Academie, aus einem russischen reisecandidaten in einem ungarischen verwandelt. Ich gehe den tausch sehr gerne ein, doch soll es mit diesen subsidien nur nicht zu lange dauern. Dass mir die Academie diese 1000 gul. M. nicht auf einmal zur hand geben will weiss ich nicht, was es bedeuten soll: so tropfenweise würde sich die gabe verschleudern und ich würde nicht im stande seyn etwass ordentliches zu leisten. Auch bis wann hofft man wohl die unterstüzung von dem Kaiserl. Haus zu bekommen? ende Juli wäre es gut von hier abzurücken, bis dahin sollte man also diese unterstüzung mir zur hand stellen. – Ich weiss eigentlich noch gar nichts was geschehen wird und was man für absichten hat, mich zu unterstüzen; doch regt, die eröffnete aussicht bald zu reisen, gewaltig meinen geist, ich brauche es Ihnen nicht zu sagen, dass ohne dieser aussicht meine studien ihres schönsten reitzes entbehren mussten. – Doch will ich noch nicht geradezu von einer abreise von hier sprechen, Sie wissen vor dieser halten mich so manche bande zurück – Meine schulden zu tilgen muss eher meine ernstlichste sorge seyn! Leider kamen meine briefe die ich ende October an Abten, an Ritter und an Zirzen geschrieben habe, wie Sie mir sagen, nicht zu deren hand, das ist ein starker streich in meine rechnung, und es muss mir nun doppelt weh thun, da sie mir dieses reiseperspektiv vor die augen setzten. Ich bat die beiden erstern um eine anleihe von 400 gul. M. jeden, und nachdem ich erst nun nach so langer zeit meine bitte wiederholen soll, wer weist wie lange es dauern wird, bis sie mir diese hülfe zuschiecken, wenn sie noch überhaupt auch geneigt sind mir solch eine summe zu geben – Sie wünschten schon öftens über meine schulden eine genauere kenntniss zu haben; ich fürchtete, Sie würden darüber ungehalten werden und überging darum diese frage. Nun mag es aber besser seyn, wenn Sie sie wissen: In Helsingfors nachdem ich an General Thesleff die hälfte meiner Schuld aus den mir letztens zugeschickten, 50 Dukat bezahlt habe – sind noch 265 rubel silber zu zahlen und hier in Petersburg gehen sie über 440 rubel silber; in unserem gelde also (100 gul. m. = 62 rubel silber) uber 1000 guld. M. – und in dem ich mir nun nothwendig wäsche machen lassen muss (10 hämde bekommen sie hier nicht unter 100 gld Mün.) und zu meiner reise mehreres wie z. b. eine Uhr etz anschaffen muss, so ist es das wenigste, was ich zu einer möglichen abreise brauche – 3000 guld m. – Sie werden diese schulden vielleicht für schreiend viel finden – wer aber das theure Petersburger Leben kennt, und zugleich weiss, wie viel die mitteln waren die ich aus meinem vaterlande bezog, der wird mich gewiss nicht tadelswerth finden; ich habe auf nichts was gemächlichkeit des lebens ist, geld verwendet, wollte aber in dem, was der anstand der gesellschaft in der ich mich bewegte, erforderte, nicht bettelhaft erscheinen MTA_KIK_Kt_Ms_4754_139_2

    Ich werde nun an Abten und Ritter meine bitten erneuen und ausserdem noch an Bonifacius schreiben, er wird mir gewiss nach kräften helfen und beim Raaber bischof und Capitel wie auch bei seinem Abten vielleicht etwas sammeln können. Und gäbe es nicht irgend jemand noch, der mich gekannt hätte und nun zu meinem zwecke mir beistehen wollte? unangenehm wäre es müsste ich diese summe die man mir auf die reise giebt, hier zum theil verwenden um meine freiheit mir zu erkaufen.

    Meine reise aussichten hier in Petersburg, waren zwei: die eine bei der Academie die andere bei Demidof. Ich schrieb Ihnen in meinem letzten brief dass ich der grossfürstin Helene (eine prinzessin von Würtemberg) vorgestellt werden sollte. Das geschah beginn December, und ich hatte das glück den günstigsten eindruck auf sie zu machen. Sie hatte den artikel: Csoma de Körös und Reguly Antal gelesen gehabt und war sehr gnädig. Sie fand mein unternehmen sehr edel und aller unterstüzung würdig, die sie mir auch versprach. – An minister Bludov hatte sie sich etliche tage darauf folgender weise über mich geäussert: Ich erwartete einen abgezehrten armen gelehrten, und fand einen blühenden jungen mann, von den feinsten und edelsten Conversationsformen und einer Sprachgewandtheit, dass ich ganz überrascht war. – gewiss ein höchst beehrendes testimonium von einer so hoch gebildeten Frau. Mir erzählte dies der Adjoint des Ministers Herr Hube, der gleich den augenblick mit dieser nachricht zu mir kam. ich wünschte als er mir es erzählte, Sie möchten gute Ältern! hören! Durch die Grossfürstin wurde ich an Demidof empfohlen. Dieser hatte Ihr, nichts lange vorher, gelegentlich eröffnet, er möchte gerne für Russland in wissenschaftlicher hinsicht etwass thun, wenn er irgend einen ordentlichen plan dazu hätte (er sucht durch solche verdienste sich die gunst des Hofes zu erwerben, der er aber leider noch nicht theilhaftig werden konnte wegen seinem windbeutelischen charakter, nur die grossfürstin unterstütz ihn in letzter zeit, seiner gemahlin der prinzessin Monfort zu lieb) In dem nun Wogulen auch auf seinen Gütern wohnen sollen, so schien das sehr gut zu fassen, und ich wurde bald mit  Herrn Baer zu ihm geladent. es wurde öfters darüber gesprochen, doch ohne irgend einer folge in dem ihm mein plan zu beschränkt und für seine interessen zu wenig brillant und lohnend schien. er erklärte sich nicht geradezu, doch bat er Baer um irgend einen grössern plan worauf ihm dieser einen ausarbeitete über die ethnographische untersuchung aller nicht-slavischen völker Russland. Doch ist das wieder ein zu grosses unternehmen für einen privat mann und es handelt sich nun um eine Patriotische gesellschaft, die sich dazu bilden soll. wer weiss wann sich dies noch entscheiden wird – mir wären aus diesem wust von untersuchungen die jugrischen Finnen zugekommen. – Die andere aussicht bei der Academie war viel sicherer und näher. Sie wissen, Sjögren sollte eine reise nach Siberien zur ethnographischen untersuchung der dortigen völker unternehmen, er wird aber diese reise nicht machen, weil er sie theils wegen seiner gesundheit nicht wagen will, theils weil er schon mit zu viel andern arbeiten überhäuft ist, er wollte darum mich zu dieser reise, statt seiner, der Academie vorschlagen und forderte zu diesem zwecke irgend eine abhandlung von mir um auf diese seine proposition zu gründen – ich wollte diese arbeit ende sommer oder im Herbst machen und so mich den künftigen winter auf die reise machen. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_139_3

    So sehen Sie dass ich Ihnen doch ehre mache im Auslande und wenn man mich zu hause nicht würdigen will mich anderswo nicht verschmäht. – Mich freut es übrigens, dass ich nun als Ungar reisen werde, und an meinem Vaterlande wieder näher geschlossen bin: denn das herz hebt sich höher, die begeisterung ist tiefer und mächtiger wenn man für ein vaterland arbeitet als wenn man verschmäht von diesem, nur um seinen geistesdrang zu befriedigen als fremder söldling mit halben feuer seinem wege nachgeht. – Ich weiss nicht wie man über diese sache zu hause denken mag, aber mir schien es im beginn abscheulich, empörend, dass ich um eine so wichtige national frage zu entscheiden, hülfe bei fremden betteln sollte (zur zeit der unterhandlungen mit Demidov – denn die proposition bei der Academie ist gewiss sehr beehrend) und dass man der Grossfürstin sagen musste: verhelfen Sie doch den Ungarn zu ihren Ahnen – unterstüzen Sie diesen jungen Mann!

    Sie geben mir in ihren briefen liebster Papa immer nur politische nachrichten die gewöhnlich nur eine sehnsucht nach hause in mir erwecken, und sagen mir nichts von andern vorschritten Ungarns: von den wissenschaftlichen leistungen neuerer zeit, von den bestrebungen meiner Jugendfreunde die mich in der fortsetzung meiner arbeit stärken und zu grösserem eifer anspornen könnten; mit was beschäftigt sich die Academie? wird Jerney bald reisen? was machen die Poeten? was Wörösmarty’s Muse? nichts, nichts sagen Sie mir von allem diesen. Ich bin so ohne kunde und so ausser aller verbindung mit Ungarn gerathen, dass ich mir zuweilen ganz fremd vorkomme; Dank der dienstwilligkeit Heckenast’s besitze ich nicht ein einziges ungarisches buch, nicht ein blatt ungarischer dichtung an der ich mich in frostiger stunde erwärmen könnte. ist es wohl wunder, wenn ich vor öde und bangigkeit zuweilen verzweifeln machte? so abgerissen! so einsam! Aller theilnahme die manche vielleicht an mir nehmen unkundig. – ist sie wohl edel zu nennen die sorglosigkeit, mit welcher ein land den opferschweren bestrebungen eines jungen mannes für ihre interessen, so ungerührt, so klein und unentschlossen zu sehen kann? sollte zulezt nicht ein wiederwille in mir geheimt haben oder wenigstens ein gerechter stolz – der mich auf andere wege, wo man mit theilnehmendern augen auf mich sehen sollte, hinwies – sich in mir geregt haben? wenn ich nach so langer ausdauer, noch die herzen so klein fand, dass sie jede aufforderung zu einigen beiträgen zurückscheuen könnte! – auch nun – muss die Academie dies, ihr gewiss nicht leichte opfer bringen! und um das übrige wendet man sich an das kaiserliche Haus – man hielt eine unbedeutende summe geldes für theurer werther, oder wenigstens für schwerer zu haben, als begeisterung, entschluss, studium eines mannes! – Es scheint, in dieser milden witterung die mit ihrem brief mir aus Ungarn herüberweht will mein herz auftheuen – ich fühle mich bis zu thränen gerührt in diesen klagen. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_139_4

    Sie fragen mich wohl was ich den ganzen winter gemacht habe? – studiert, keine gesellschaft besucht, wie ein bär auf den bauch gelegen und von den tatzen voll bücher gelebt – das hab’ ich gethan. Sie wissen dass ich mich gerne in meinen studien ausbreite, dass ich nichts gerade anpacken kann, sondern erst durch hundert umwege mich meinem gegenstande nähere und dass ich daran gewöhnlich zehnmal mehr studieren muss als ein anderer – Diesen winter beschäftigte ich mich fast auschliesslich mit geschichtlichen studien und das zwar recht ausgebreitet. Da die geschichte der völker Nord- und Mittel Asiens ohne der geschichte China’s und deren näherer kenntniss, nicht zu verstehen ist, und allen geistes ermangelt, – in dem diese völker mehr oder minder immer unter China’s einfluss standen und daher ihre ganze Cultur bekamen – so musste ich mich auch zuerscht dieser Sonne, die über jene dunkeln Völker leuchtet zuwenden mich mit dessen geschichte und innern zuständen näher bekannt machen, und dann erst in die detaillirtere geschichte der einzelnen völker eingehen. – Wenn man aber in das asiatische Alterthum einigermaasen eingedrungen ist, so muss sich natürlicher weise ein noch heisserer wunsch nach dem Europäischen Alterthum in uns regen, um diesen verschiedenen geist Asiens und Europens für dem mir Heeren zuerscht das auge öffnete, durch ein genaueres studium auch tiefer auffassen zu können. So wendete ich mich auch denn letztens dem Judenthume zu und von diesem dem Griechischen wesen: leider aber überrascht mich schon im ersten bande von Plass geschichte ihr brief – und nun ist wohl dieser faden gerissen und ich werde ihn nicht so bald wieder anknüpften können. – Sie sehen, keine kleine arbeit habe ich zu machen, bevor ich meine Aufgabe löse. aber auch nur so ist es ein höheres vergnügen zu arbeiten, wenn man nie verwirrt wird, wenn man seyn feld in seiner grossten ausdehnung übersieht wenn man sich immer orientirt und immer weiss wo man ist. Übersichten und richtige ansichten ist das erste was man bei einem gegenstand dem man sich zuwendet, haben muss wenn man ihn überschwert und das ganze mit einem blick um fasst dann kann man mit sicherheit in die einzelnheiten eindringen und man entwindet sich leicht dem wirwarr und unsinn.

    Der alte Balugyanszky delectirt sich mit den etlichen Wilág nummern die Sie mir geschickt haben, nur schimpft er über die unmässige abkürzung der einfachen wörter, und über die beschwerliche länge der zusammengesetzten wörter, – diese letztern machten ihm besonders als er begann zu lesen viel schwierigkeit, bei worten wie legkedvesb alispán etz blieb er stecken – doch geht es heute viel besser. Über das wort pipereárusnö lachte er so herzlich, wie er es über die besste Anekdote nicht gethan hätte.

    Mit den ungarischen liedern bin ich nicht zufrieden, ich wollte auch worte, text haben und Sie schickten mir nur die melodie – trachten Sie mir in dieser hinsicht, nächstens etwas recht kerniges, kräftiges zu schiecken. – Die Kostök wurden mit freude aufgenommen, den gezierten gab ich meinem hausherrn, und die andern zwei an Baer und an jungen Balugyansky – und ich