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Reguly Antal levele Karl Baernek (Kazany, 1843. október 27.)
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Kasan den 27 Oct. 1843.
Mein hochverehrter Wohlthäter!
Von dem fortgang meiner reise kann ich Ihnen nur glückliches und erfreuliches sagen. Ich habe in Kasan für meine Interessen sehr viel gefunden und reise mit der grössten befriedigung aus dieser interessanten Stadt. – Zwar habe ich doppelt gegen Sie gesündigt, theils durch meinen langen (10 tägigen) aufenthalt hier, theils durch mein interesse, welches ich hier sprachen die eben nicht das rein wogulische sind, geschenkt habe – das werden Sie mir aber des guten Erfolges wegen verzeihen. – In linguistischer hinsicht habe ich hier 4 lexikalische Arbeiten (3 für das Tscheremissische, 1 für das Tschuwassische und sehr vollkommen) gefunden, aus denen sich bei meiner zurückkunft sehr leicht sehr befriedigende lexika für das Tscheremissische und Tschuwassische ausarbeiten liessen. – In ethnographischer hinsicht habe ich ebenfalls viel interessantes gefunden und was meinen plan wegen eines Lexikons von finnischen Orts und Personen Namen MTA_KIK_Kt_Ms_4754_67_2 betrifft, so werde ich hier den Tscheremissischen und Tschuwassischen theil wohl glücklich zu wege bringen können, der Gouverneur hat mir alle hülfe dazu versprochen und ich habe mich auch überzeugt dass es eben keine so horrende arbeit ist.
Herr von Baer! unter der Geistlichkeit liegen hier viele kräfte unthätig – und es fehlt eben nicht an guten willen, diese leute wären bereit zu arbeiten es fehlt hier nur an einem leitenden geist, wäre hier jemand der den einzelnen Thätigkeiten die gehörige nützliche richtung geben könnte, die vereinzelten krafte zu einem Zwecke concentrieren würde – hier könnte in kurzer zeit vieles geliefert werden. Würden es meine mitteln erlauben, nach meiner zurückkunft vom Ural, hier einige Monate zu verweilen, so könnte ich für das Tscheremissische und Tschuwassische gewiss sehr viel thun. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_67_3 Und wenn wir ab analogia, bei den übrigen Seminarien wo finnische sprachen vorgetragen werden wie z. b. in Perm das Permäkische, in Wiatka das wotjakische etz. ähnliche vorarbeiten für diese sprachen erwarten könnten! welche überraschende entwicklung könnte der Finnicismus in kurzer zeit nehmen! Wie schnell könnten die materialien zu einer vollkommenen vergleichung der finnischen sprachen gesammelt werden! – Wenn Sie nur Herr Staatsrath genug Capitalien für mich, bei unserer Gesandschaft heben können, so kann ich wohl recht leicht, reich an materialen zurückkommen.
Von den plagen meiner Reise könnte ich Ihnen wohl so lange ich auf diesen Folterbänken, – denn so will ich diese Telegen nennen – sitze, genug erzählen, wenn ich aber mal von sie befreit bin, so ist auch alles vergessen. Von Nishni Novgorod aus wollten MTA_KIK_Kt_Ms_4754_67_4 wir uns eine gemächlichere reise bereiten und auf der Wolga nach Kasan kommen der dortige Post Inspektor empfehlte uns aber einen Schiffer der noch selbst nie diesen weg auf der Wolga fuhr, und so kamen wir in 3 Tagen nur bis Makárjev (75 werst) in dem wir dreimal auf Sand stiessen (obgleich das wasser 1½ klafter über seinem gewöhnlichen stand ist.) dabei hatten wir anderthalb Tage, ausser brot, nichts zu essen, und nicht mal kohlen oder holtz um Thee zu machen.
Ich habe die schlechte gewohnheit, das briefschreiben immer auf dem letzten augenblick kurz vor meiner abreise, zu lassen, dies muss ich ändern, um sie künftig besser und genauer über meine reise zu benachrichtigen.
Unter den hiesigen gelehrten ist mir besonders Kovalevski seine bekanntschaft von hohem werth. – Einzelne Herren haben mir sogar ihre begleitung angetra|gen, wenn ich nach meiner rückkehr hier ausflüge zu den Tscheremissen und Tschuwasschen unternehmen sollte.
Die Witterung war mir während meines ganzen aufenthaltes sehr günstig, trockne MTA_KIK_Kt_Ms_4754_67_5 helle, windstille Tage; schnee haben wir noch nicht, doch etliche grad Kälte. Der weg soll sehr schlecht seyn, gefroren holperig. – Ich hatte hier die hoffnung wieder einen Reisegefährten einen Officieren, bis Perm zu bekommen, doch haben sich seiner reise nun hindernisse gesetzt, statt ihm bekam ich einen andern Officieren der bis Malmisch mit mir reist. – So gehe ich denn nun meinem Zwecke schon näher! und wenn ich mich vielleicht irgendwo auf dem wege kurze zeit aufhalte – im falle, ich könnte einen unterrichteten wotjakischen Priester finden – und in Perm auch vielleicht eine woche verweile, so habe ich doch bis zum 20ten künftigen Monats irgendwo an der Sosva meinen wogulischen herd gefunden.
Um den wogulischen Herrn und Damen mich zu empfehlen, habe ich mich heute reich an verschiedenen schmuck in glasperlen und blei MTA_KIK_Kt_Ms_4754_67_6 wie auch an pfeifen messern scheeren etz. versehen. Glück zu!
Diesen brief an Unsere Academie bitte ich an unsere Gesandschaft abzugeben, es wäre mir gelegen dass er je eher abginge – ich habe mich darin, etwas bemäht, den ersten eindruck gut zu machen und genug interessant zu seyn
Ich bitte um Ihre Gewogenheit und Güte Herr Staatsrath! Zürnen Sie nicht wenn sie vielleicht Unahnnehmlichkeiten wegen meiner haben. Fleiss soll mir zu meinen Arbeiten nicht fehlen. – Ich bitte um meinen Handkuss an die Gnädige Frau und meine Empfehlung an alle Bekannte.
Ihr ergebenster dankbarster
Diener Reguly
Es ist nun zehn Uhr abends und wir reisen den augenblick – diese briefe lasse ich meinem vermeintlichen reisegefährten zurück, der sie der Post übergeben wird.