-
LapozóNézetMetaadatok
-
Reguly Antal levele a szüleinek (Szentpétervár, 1842. október 19.)
-
-
MTA_KIK_Kt_Ms_4754_138_1
9.)
Petersburg den 19 October 1842.
Gute Ältern!
Ich bin erst seit etlichen wochen wieder in der stadt die pflege meiner Gesundheit und meine pecuniären verhältnisse zwangen mich diese theure stadt für den sommer zuverlassen, und gesundere und billigere Gegenden zu suchen. Ihr Brief von 22 Juni mit dem gutdünken der Academischen Commission wurde mir durch Andrássy nach geschieckt, die Briefe aber der Academie die an Balugyansky adressirt waren und darum da abgegeben wurden, bekam ich erst nun nach meiner zurückkunft. – Wass sagen Sie zu diesem Ausgang meiner Studien und Bestrebungen. Ungarn ist eine schlechte mutter, die stiefmütterlich ihre Söhne behandelt. Wenn sie auf solche weise fortfährt ihren Söhnen (die alles zu opfern bereit sind, um sich ihr nur einst nützlich zu werden) unter die arme zu greifen und sie so in ihren Bestrebungen zu unterstüzen, da ist Ungarn zu bedauern, entweder ist es noch ein zu ungebildetes Kind, welches seine höhern geistigen Interessen noch nicht zu würdigen gelernt hat, oder ist dieser Patriotismus, der alle köpfe in brand gesteckt zu haben scheint doch nichts weiter, als eine von der Mode des Tages abhängige Denkungsart, die das herz leer lasst und nur den Mund zuweilen in Bewegung setzt um von Vaterlandsliebe zu schwätzen, während man doch nichts liebt, als sich selbst. – Sie haben Hügels nachricht über Csoma wohl gelesen. – Er ist Engländer geworden: – wass soll ich nun werden? Russe oder soll ich auch zu den Englandern gehen? – Ich bin wohl auf mein vaterland nicht böse, ich nehme ihr es nicht mahl übel, wass sie an mir sündigt – denn ich beschuldige bloss Teleky, und es müssen noch etliche andere Fehler obwalten – aber dass werden sie wohl begreifen, dass es mir unangenehm wäre nun nach meinem Vaterlande zurück zu kehren. Auch könnte ich Peterburg nicht sobald verlassen, in dem ich voll mit Schulden bin. – Wass zu machen? Sie sehen mein vaterland belohnt mich damit – dass es mich zwingt, es zu verlassen. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_138_2
Diese Zeit, die ich nach meiner Zurückkunft hier zubrachte wendete ich darauf um mich hier einigermassen zu orientiren, wass für mich am passendsten wäre hier an zufangen. Die reise nach dem Ural doch zu machen, wäre wohl das vortheilhafteste, wenn aber dass nicht, also in Russische Dienste zu treten – ich that für beides schritte und habe für beides einige Hoffnung – Die Grossfürstin Helene der ich in kurzer zeit vorgestellt werden soll hat dem academ. Baer versprochen, sich meiner anzunehmen, und so wird vielleicht eine Reise noch möglich sein, wenn nicht, also Staatsdienste, in die hier für ein fremden einzutreten wohl nicht das leichteste ist. – – Das schwierigste ist mit meinen geldumständen – Die Academie war so generos und schieckte mir 200 fl. m. zu, ich weiss gar nicht sub quo titulo – aber wass ist dass in einer stadt wie Petersburg nach einem Aufenthalt von 19 Monaten – – und doch ist es mir höchst nothwendig, dass ich nun, wo ich ein suchender und bittender überall bin, doch einigermassen ordentlich erschiene, und dass man mir wenn ich in eine gesellschaft komme, doch an meinen kothigen beinkleidern oder angegriffen Lungen, nicht ansieht, dass ich die ganze strecke zu sie von drei, vier werst zu fuss kam. Die armuth in einer grossen Stadt ist eine sehr gemeine sache – ich kann mir nicht mahl ein quartier nun halten, und wohne bei einem jungen menschen, bei einem Petersburger Wüstling, der hint und vorn in schulden steckt gleich meiner (obwohl er jährlich seine 12,000 rubel zu verzehren hat) und wo eine unordnung herscht, dass nur ein Gott seinen kopf nicht verlieren sollte – – bei dem künftigen Schwieger Sohn von Balugyánsky. Ich will ihnen gar nicht sagen mit welchen menschen ich am meisten umzugehen gezwungen bin, wie ich um ein mittag wegen oder einen quartier zu liebe in diese allerlästig|ste dependenc zu sie kam. – Ich weiss nicht wass ich von Balugyansky so erhebendes schrieb, dass man so viel lärm von ihm in Ungarn machte – war es vielleicht zer zauber der Ungarischen Sprache MTA_KIK_Kt_Ms_4754_138_3 der mich hingerissen hatte, und mich mit solcher Begeisterung von Ihm sprechen machte – ich will sie nicht enttäuschen, aber es ist eine pein unter solchen ungebildeten gemeinen, materiellen menschen so lange zu leben – auch sieht man das ganze Jahr durch, kein ordentlichen menschen bei sie im hause, auch besuchen sie gar keine gesellschaften. – Welche beschränkheit! – Wenn ich nur jemanden hätte mit dem ich darüber lachen könnte, so wäre die sache viel leichter, vielleicht eine reiche quelle des spasses. – Ich musste ihnen auch einbilden dass ich kein unbedeutendes vermögen zu hause habe – dass aber mein vater sehr böse wäre, dass ich solch eine reise mache die mir kein groschen nicht einbringen könnte, und dass ich diese gemeinen rohen finnischen sprachen studiere – und dass er mir darum sehr wenig zuschieckt – diess musste ich thun, um ihnen ein hochmüthiges Erbarmen über meine Dummheit, die mir meine kräfte auf eine so niedrige sache verschwenden macht zu ersparen. Alle höhern und feinern empfindungen scheinen demjenigen verkehrt und ungereimt: der eine gemeine Seele und kein darauf gestimmtes gefühl hat. – Ich überrasche Sie wohl durch solche eine wendung über Balugyansky – auch finde ich mich auch ganz ohne willen in diese entdeckung hinein gezogen denn ich könnte sehr gut schweigen davon, wie ich bis jetz that, – sagen Se es wenigstens nicht weiter – denn es ist mir ja viel vortheilhafter und nur ich gewinne dadurch, wenn man sie nicht so kennt, wie sie sind. Er ist auch kein Magyar sondern ein Slovak und hat nicht weniger als dreimahl – eine Religion geändert, wie mir seine Frau gemahlin sagte – was aber ein geheimniss soll bleiben, wie sie sich äusserte. So stehn meine sachen, und es ist nichts höchlich erfreundes darinn zu sehen; ich habe aber glauben an mein glück und zuversicht in meine kräfte – es wird mahl anders werden – und leiden und schlechte erfahrungen haben auch ihre guten seiten sie können ja mit einer wendung der sache zu verdienste werden. das einzige beklagenswerthe ist dass ich meine zeit so unnütz dahin bringe – denn bei solchen druck des Gemüthes bin ich zur arbeit ganz untauglich und mein geist mahl in trägheit verfallen hat nur kraft zu leiden. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_138_4
Nun will ich ihnen sagen wie ich mich aus meiner geld verlegenheit ziehen will. – Ich habe dem Abten sehr lange nicht geschrieben – ich habe nicht vergessen, ich bin ihm sehr viel schuldig, er leitete grösstentheils meine erziehung. Wass sollte ich aber thun – nachdem meine reise nach Finnland seine weitern pläne vereitelte den Landtag von Pressburg verscherzte, und er mir in gerechter entrüstung seine weitere unterstüzung versagte. Er konnte meine Pläne und Aussichten aus der Ferne und auf einem so wenig bekannten Felde nicht genug würdigen auch war in mir vieles noch trübe und undeutlich, was ich nur mit der zeit in seiner klarheit auffassen konnte – es war am bessten zu schweigen – nicht durch worte sondern durch Handlung ihm die richtigkeit meines schrittes zu beweisen. Ja werden Sie einst diese Frage in ihrem ganzen Umfange vor sich entwickelt sehen, so werden Sie gestehen dass dieses der schönste, ja ausschliesslich der schönste weg war, den irgend ein Jüngling in mein Vaterlande betreten konnte. Und ich der diess begreifen konnte, der darauf geführt war, ich hätte sollen davon abtreten? Sie hätten mich meiner kleinen Seele geschimpft. – Geld hatte ich nicht das ist wahr – aber solch ein ziel schien der mühe und entbehrungen werth – und dadurch sah ich es auch meinen augen erreichbar wie weit ich darin kam, wissen Sie – und es war kein Fehler dass ich finnisch lernte – Ungarns fehler ist es bloss dass es sich so vergessen kann, mich nicht zu unterstützen. Zum Glück und Ruhme eines Landes sind in jetzigen zeiten nicht so sehr Helden die für ihr vaterland sterben als die für ihr leben wissen, nothwendig und mich verschmäht es. Unwürdige That!!
Die anerkennung die ich zu Hause gefunden, haben den Herrn Abten wieder umgestimmt wie Sie mir schreiben – darüber zweifelte ich auch niemals, und darum konnte ich so gut schweigen. – Nun ist die zeit wo ich ihn wieder um unterstüzung bitten will, und wo er mir helfen kann, dass es mir vielleicht auf mein ganzes Leben einfliessen kann, denn bin ich nicht gezwungen, die erste stelle den ersten dienst den man mir antragt anzunehmen – kann ich eine zeit ausdauern, und etwass bessere abwarten – so habe ich unendlich gewonnen denn ich werde die untersten stellen ausschlagen können, und in einen höhern rang gleich eintreten. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_138_5
Das ist der erste Plan. – Der zweite ist dieser Sie erinnern sich vielleicht noch, ich habe in Ungarn einen mir untreu gewordenen Reise compagnon der nur darum mich alleine von Hause scheiden liess, weil er dachte es würde weicher im Schosse der Mutter zu ruhen sein, als sich in gebrächlichen Diligencen herumbeuteln zu lassen. Er möge jene Wonne nun genossen haben, ich habe meinen theil auf den finnischen Karren ausgebüsst – Leute die gerne gut und gemächlich leben haben gewöhnlich ein gutes Herz, so ist es auch glaube ich mit ihm. Ich werde ihm nun schreiben und bei ihm geld lohnen – wann ich ihm bezahlen werde, dass möge Gott wissen; aber bezahlen werde ich ihn einst gewiss. Er wird mir diess schwerlich abschlagen, denn er ist reich, und wird es thun können, ohne es sehr zu fühlen auch hat das Geld in seinen augen nicht den werth dass es ihm zu schwer fiele die summe die ich verlangen werde, herauf dem kalten norden zu zu schicken. – – So hoffe ich denn ziemlich in Ordnung zu kommen, und kann wieder meine Nase gerade tragen.
Liebster Papa Sie haben mir nur ein Philosophisches Testimonium geschieckt – Sie haben die andern zwei vielleicht vergessen, ich sollte sie schon bei der hand haben, ich weiss nicht welchen tag ich sie haben
mussbrauchen kann. – Balugyansky benachrichtigte ich, dass Sie ihm ein Corpus Juris schiecken werden, er scheint sich sehr zu freuen darauf. Von dem Ungarischen wein sagte ich ihm aber nichts – Ich habe hier mir werthere Leute denen ich ihn schenken wollte würden die transportkosten nicht so sehr hoch kommen auch würde ich für meine eigene person gerne eine portion flaschen hier haben, denn seit meiner krankheit trinke ich alle tage wein, wenn ich ihn haben kann. – Sie wissen gar nichts noch von meiner krankheit – ich war auf dem sterbebette und niemand hätte je geglaubt, mich wieder so kräftig und gesund zu sehen als ich nun wieder bin – ganz monat April und Maj lag ich zu bette und nur ende Juli empfand ich einige gesundheit wieder in meinen gliedern – ich hatte Rheumatisches fieber und darauf nerven fieber alle innere kraft alle energie des Lebens schien nach meinen vielen studien aus mir gewichen zu sein. Es war eine furchtbare zeit nach dem mir die krankheiten mein leben gelassen hatte mich können die lange weile todten, in dieser langsamen reconvalescens MTA_KIK_Kt_Ms_4754_138_6 und diese ensetzlichen irdischen menschen wieder, die mich da umgaben wo der niedergeschlagenen Seele nicht ein lichtfunken aus ihrem gespräch zustrahlen konnte. Und dabei immer ohne geld – – –Die Bücher die mit ihrem brief waren, bekam ich – Wenn ich ein ruhiges gemüth habe, so bin ich mit meinem gedächtniss sehr zufrieden – und ich gebrauche darum kein anderes Gedächtniss-stärkungs mittel. Jene Bücher die Sie mir durch Heckenast abgeschieckt haben, habe ich noch nicht bekommen und der Buchhändler Gräfe sagt, dass an seinen Commissionären in Leipzig auch nichts abgegeben wurde. Verlangen Sie die bücher von Heckenast ganz gerade, ohne ausrede zurück und schiecken Sie sie mir durch die Gesandschaft. – Durch Pöschl habe ich nur Fehér sein buch bekommen, kein anderes.–
Warum schreibt mir Udvardy nicht monat Februar schieckte ich ihm einen brief. Für das Petschaft danke ich ihm. Er soll mir etwass von der Benitzki schreiben.
Liebster Papa schiecken Sie mir 2 schöne feine Ungarische kostök – ich bin schon seit geraumer zeit ein raucher – den einen will ich für mich, den andern für mein jetzigen hausherrn, dass ihm doch ein Andenken von seinem ungarischen gaste bleibt – dieser kann gestickt sein, meiner soll aber ganz einfach sein, und ziemlich | gross – auch feuerstein und stahl und pfeifenstocher dazu.
Auch bitte ich Sie um etliche ungarische verbungos und andere national lieder – aber nur Classisch-Ungarisch, nichts von den neuern schmarn – die worte und die Noten – ich möchte etliche auch an den berühmten Clavierspieler Henselt schenken – erkundigen Sie sich über diese sache in Pest – man wird ihnen da die besste Auswahl machen.
Was machen denn die Ányos, was die Eszterházy? was Török was machen die Weszprimer Mädchen – hatten sie öfters Gäste den Sommer durch. – Sie erinnern sich auf Lüdicke auf den Abbe der in Zirz Cistercit wollte werden, der gross sprecher – ich habe ihn neulich in Hotel de Paris, wo ich mit einen bekannten mittag speiste, gesehen und gesprochen, er ist nun in Warschau Dommherr und Professor an der Universität, er ist derselbe Taugenichts der er eher war, wie ich höre.
Mit ihrem briefe liebster Papa habe ich auch diese Summe geld bekommen die Sie abgeschieckt haben. – Ich küsse vielmahls der Mama die hände – küsse Berta Zsuli und Korizsmits und bleibe ihr
gehorsames liebender Toni
Sie finden dass meine orthographie infame ist ich kann aber besser schreiben – doch fehlt es mir gewöhnlich an geduld