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Reguly Antal levele a szüleinek (Szentpétervár, 1842. március 20.)
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Petersburg den 20 März 1842.
Gute Ältern!
Den ganzen Winter hörrten Sie nichts von mir. Der winter in Norden scheint mir nicht gut anzuschlagen nicht wohl wegen der kälte sondern wegen den lange dauernden eingeschlossenen Leben. Ich bin das reisen aussenordentlich satt schon. Auf reisen soll man etwass lernen dachte ich, und studierte also eilend, anstrengend, ohne rast in einem, vernachlässigend alles, wass zu meinen studien nicht gehörrte – soll man aber solch ein gelehrtes leben so lange und ohne unterbrechung fortsetzen, wie ich es schon weil ich kein geld hatte um mir ein guten tag anzu thun, thun musste. so muss es den menschen ganzlich erschöpfen. Ich verachtete das gewöhnliche leben, dass alltägliche treiben der menschen, und fühle mich nun unglücklich dass ich in ihr, keine erholung, keinen genuss mehr finde – ich habe zuweilen ganz furchtbare stunden – dass leben ist mir zum überdruss und last – – ich verzweifle wohl wegen meiner zukunft nicht, ich will ihnen nur sagen, wie mir mein gegenwärtiger stand schon missbehagt – dass ich muss anders beginnen zu leben – und in leben eine befriedigung suchen – ich muss von leben verlangen (wass ich bis jetz nicht that) um von ihr etwass zu haben und es vielleicht dann lieben zu können. – Ich habe hier sehr viele gute menschen, die mich wirklich lieben, ich bin noch bei Balugyansky alle tage und bringe zuweilen ganze tage da zu – nichts ist mir aber eine befriedigung es ist eine ungeduld, es ist in meiner brust etwass wass ich nicht aussprechen kann, es ist ein sehnen ohne zweck, ich wäre nur glücklich bei solchen augenblick in ein nichts, wenn ich mir gar nicht wäre.
komme ich auf ein gelehrtes Soiree oder finde ich einen Menschen mit dem ich mich in wissenschaftlichen gut aussprechen kann, dann habe ich wohl ruhe auf den andern tag, aber bald hebt es sich wieder. – Über die anstrengung, über den rastlosen bemühen mein wissenschaftlichen zweck zu erreichen vergass ich alles was leben bedeutet, was ruhe ist, was gegenwart ist, zu wass mich eben auch meine armuth und mein stolz zwang – hätten Sie mein leben gesehen, Sie hätten zuweilen gestaunt und ich war dabei doch glücklich so lange ich die volle kraft besass zu arbeiten – komt aber die zeit der entspannung oder besser, wo der körper dass seinige fordert – da bin ich der aus einen himmel gefallene, auf seinem paradies gejagte – öde ist mir die welt, mit aller ihrer güte können die menschen mich nicht erfreuen – es ist ein furchtbarer zustand zuweilen – ich habe congestionen in kopf – dass ich zuweilen ohne besinnung da liege – und bin nicht im stande wochen lange zu denken – die zeitungen die sind mir die einzige rettung – und ist da keine zeitung die ich nicht lesen sollte in der ganzen stadt – denn die lange weile ist unaussprechlich MTA_KIK_Kt_Ms_4754_137_2
Ich werde nun in anderes leben betreten – diese zeiten der abnegation und opfern werde ich bei seite legen – und werde leben wie ein anderer ordentlicher und vernünftiger Mensch lebt. – In etlichen Tagen fahrt der General Consul von Serbien und Valachei Herr Tsefkin nach Wien und nimt endlich meine Antwort an die Academie mit – es wird sich bald entscheiden ob sie mir ein Stipendium geben wollen, oder nicht – und zur gänzlichen entscheidung meiner frage schreiten kann oder nicht – ohne geld wie bis jetz werde ich nicht mehr handeln, – sondern sehe mich lieber nach einer beschäftigung um wo ich mir geld verdiene – eigentlich kann ich auch nicht anders, denn nach Siberien zu fuss zu gehen wäre es doch zu weit – Siberien müssen Sie sich nicht so übel vorstellen, wie ich es aus dem brief der Mama sehe – es wird wohl nicht am behaglichsten unter meinem Jäger und fischer nomaden sein, aber man ist ja nicht immer unter sie, und ist wenigstens sicher da, viel sicherer wie auf manchen stellen Ungarns, und viele gelehrte reissten schon da und kamen mit heiler haut zurück. Ich meiner seit reise mit freuden dahin, denn es liegt mir daran meine sache zu endigen, obwohl es da gramatiken und lexika der vogulen und ostjaken zu schreiben, nicht am leichtesten wird sein – dazu kommt auch noch mein eigener hang, der mir diese initia der Cultur interessanter macht als ein hochgebildetes frankreich. Um die gegenwart zu begreifen muss man die vergangenheit studieren, da lehrnt man sie aber kennen wenn man sich in ihr selbst bewegt und in ihr lebt – ich habe hier kein speciellen zweck um einst vielleicht fachgelehrter zu werden, es ist nur um den guten klaren ansichten willen, die einen guten grund für meine künftigen beschäftugungen werfen sollen. Ich scheue darum Siberien so wenig, wie Lapland geld muss man mir aber geben, und viel geld; ich will sehen ob jene Herren zu hause sich auf Vaterlandsliebe verstehen und geneigt zu opfern sind, wenn nicht, so bedauere ich das bisher gethane nicht, aber weiter fort zu fahren in meinen thun, wäre, wie einen Narren für sie zu machen. Wass ich thun werde, wenn ich das stipendium nicht bekomme, weiss ich noch nicht, aber die höchste zeit ist es auf jeden fall, mich oder von diesen arbeiten los zu reissen, oder die sache nun so zu fassen dass ich auf die kürzeste weise zu ende komme. Ich hatte mir in beginn ein zu grossen plan gemacht und wollte alles umfassen, wass bei jungen leuten gewöhnlich ist – es war gut und in einen theil reussirte ich, man mache aber eins nach dem andern, und darum werde ich mich auch mehr einschränken. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_137_3
Ich weiss nicht wie ihnen mein brief vorkommen mag – wie ein altes weib, oder wie ein Französisches Journal – unnütze planschereien, die man, ist man bei klaren kopf, alle verwirft, und sehen Sie diess ist die ursache, dass ich ihnen lieber nicht schreibe, als solche briefe wo man nicht würdevoller sprechen kann und sich beherschend schreiben kann, gewinnt man mehr durch schwiegen – armuth durch eine solche lange zeit durch, ist ein grosser druck warum soll ich aber klagen über einen zustand, den ich mir selbst gewählt habe, ich bin ja doch alt genug um nicht kindisch zu denken – aber so ist der mensch schwach. wenn ich in solch ein betäubten zustand komme, da verliere ich den kopf, obwohl ich nebstbei arbeiten wohl im stande bin, so hüte ich mich doch etwass zu schreiben und von mir zu geben in dem ich es nicht mit meiner gewöhnlichen klarheit beurtheilen kann. – Von nun an soll es besser sein – in reise nach Siberien wenn man mir geld giebt, dass ich ordentlich reise dass mir nichts fehlt, – wenn nicht so werde ich mir mein brot suchen und in ein amt zu treten, dass wird mein glück sein, und ich werde eine sichere existenz haben – wie ich doch in der welt nun stehe, Sie gute Ältern können mir meine reisen nicht – unterhalten, der Abt gab mir auch nichts, also aus was zu leben und reisen. ich begreife es selbst nicht wie lange ich so hin reiste, wohl sollte ich meine Augen auf die Academie wenden, aber ich hatte so viele einzeln zu machende studien, dass ich mich auf gewisse untersuchungen nicht verbinden konnte es wäre mir nicht möglich gewesen diesem nachzugehen, während mich unwissenheit in andern verwandten gegenständen noch plagte.
Der gute Udvardy schrieb mir letzthin, er nimmt theil an mir wie es nur ein Freund thun kann, es empfhielt mir standhaftigkeit, die habe ich aber sie hängt nun nicht bloss von mir ab, der Secretair Schedel hat bei meinem stipendium wohl ein ausserordentlichen einfluss, und es ist wohl möglich zu denken dass ich ein stipendium bekäme – aber es kann auch für Ungarn noch zu früh sein, dass man sich auf solche expeditionen aus ihren beutel verstehen sollte – es durchzuführen wird wohl manche aufopferung von seite meiner Freunde erfordern. Ich könnte es wohl kürzer machen, und mich an die Petersburger Academie schliessen und 1843 die reise nach Siberien mit Sjögren machen – dass wäre aber von meinen zweck etwass weiter entfernt, sein zweck ist eine neue untersuchung und Classificirung der Völker siberiens, in dem in neuern zeiten etliche völker namen wie z. b. die Doltschanen, in berichten aus siberien vorkamen, die man gar nicht kannte bis jetz, mehrere völker auch im aussterben sind andere auch schon ausgestorben sind seit vielleicht Pallas oder Jacobis reise – und also den status quo wie er nun ist wissen will, und die MTA_KIK_Kt_Ms_4754_137_4 Völker durch eine neue prüfung ihrer sprachen Classificiren vill. So würde also meine untersuchung der finnischen Völker und ihre verwandschaft mit den Ungrischen etwass neben gesetzt werden, und etliche Jahre würden wieder dabei bald vergehen, wass in dem mein lebenszweck nicht Professor oder Academiker ist, mir nicht zuträglich wäre. Ich reise nur wenn ich directe auf die frage der verwandschaft losgehen kann wohl könnte ich mich dann später, in verbindung mit Sjögren setzen, wo ich unabhängig von ihm würde sein – nämlich wenn ich den Sommer oder herbst von hier abreise so reise ich gerade zu den vogulen, bis Sjögren künftiges Frühjahr nachkommen sollte, wäre ich mit der Sprache der vogulen ziemlich fertig, so könnte ich dann bevor ich zu der ostjacken gehe die reise durch südsiberien machen, wass mir wie sie sehen werden aus meinem Schreiben an die Academie nothwendig ist, so könnten wir uns dann eintheilen, ich ginge südlich, Sjögren ginge in der mitte, und ein finnischer gelehrter, gewisser Castren gingen nordlich bei den Samojeden, so würden wir eine front bilden, die langsam vorwärts gegen Osten schreiten würden, und deren arbeiten über Siberien wohl vollständig werden könnten – Meine arbeiten würde ich unserer Academie dann freilich überlassen, obwohl sie einen theil dieser expedition ausmachen wurden –
Die Ungrischen bücher habe ich noch nicht bekommen, Lieber Papa sollten an Pöschl schreiben, dass er bei der gesandschaft nachfragen sollte, man hat sie gewiss da vergessen. Ich werde nun mit Dr. Schedel in correspondence treten, so werde ich nun häufiger schreiben, und in einen nähern verband mit Ungarn stehen – Sie konnten sich wohl oft fragen warum ich dass bis jetz schon nicht that, und warum ich so wenig nach hause schrieb – aber ich taugte nicht dazu, und es wäre mir vielleicht nicht vortheilhaft gewesen – denn hätte ich ihnen geschrieben dass ich mich nund mit den Syrjänen beschäftige, dann wieder mit den mysterien der Griechen, ein andermahl, eine physiologie oder anthropologie lese, dann wieder mit den amerikanischen Indianern mich beschäftige hätten Sie mich wohl nicht begriffen, dass ich der bin, der sich mit den origines hungarorum beschäftigt – und doch lass ich dieses bloss für diese origines – ich kam bischen zu jung in diese origines und in dem ich es doch so gut machen will, wie ein alter, so hatte ich viel nebenbei auch zu thun – und war nicht im stande an das eine mich fest zu binden und ohne aufenthalt nur in einem zu arbeiten – darum zögerte ich auch nun, um die origines als mein amt zu betrieben, denn ich konnte mich nicht unbereitet und zu früh mich dazu binden MTA_KIK_Kt_Ms_4754_137_5 darum habe ich ihnen auch keine zeitungsartikeln nicht geschickt, denn ich war in zu vielen und zu ernsthaften sachen beschäftigt, in denen sich ein junger mensch nicht so leicht
beschäftigenbewegen kann, um gleich davon zu schreiben – und von so leichtes zeug zu schreiben wie die stadt aussieht, wie man hier ist und trinkt von dem wollte ich ihnen eben nichts auch sagen – dessto mehr, in dem man selbst nicht gut isst, und nicht ins theater oder bal selbst geht, so kann man auch davon nichts schreiben. – Aber ich bin heute doch ein altes weib, wenn der kopf schlecht ist, ist doch der ganze mensch nichts zu wass von vergangenen sachen zu sprechen.8)
Mit wass Sie an Balugyansky eine grosse freude thun könnten lieber Papa das wäre ein Corpus iuris er hat schon an viele commissionen gegeben und konnte es nicht bekommen – ich habe ihm es neulich sogar schon versprochen, thun Sie es Lieber Papa es wird ja wohl eins zu bekommen sein, hieher zu transportiren wird es leicht sein
Ich weiss nicht ob ich ihnen Papa schon schrieb, dass Madame Montague in ihren reise Memoiren erzählt – dass der Festungs Commandant in Ofen, Reguli hiess und ein sehr charmanter Mann war. sie war bald nach der eroberung Ofens und verjagung der Türken da – ich las dies noch in Helsingfors.
Ich weiss nicht ob mein Juridisches und Phylosophisches Testimonium bei Sie gute Altern ist, oder nicht, als ich von Pest reisste beauftragte ich, wenn ich mich gut erinnere, Pomutz es sie herauszunehmen – würden Sie nicht bei ihrer hand sein, schreiben Sie an Udvardi, er möchte Pomutz grüssen und fragen – wenn sie nicht bei ihm sind, möge er sie auss neue herausnehmen, ich kann sie hier vielleicht brauchen schiecken Sie sie mir mit erster gelegenheit, durch die Gesandschaft.
Ich habe diese tage, eine Hoffräulein der Catharina der 2en kennen gelernt, die noch freilein ist, ist ihnen dass nicht bischen merkwürdig.
es würde mir ein glück und mancher trost sein, ihnen gute ältern alle zwei wochen mahl zu schreiben, aber es ist mir nicht möglich bis ich mir nicht eine bessere existenz schaffe – ich missbillige die gedanken, die ich ihnen wiederschreibe, während ich sie schreibe, ich bin aus meinem geiste böse, und ich soll ihnen diese gedanken zu hände schiecken MTA_KIK_Kt_Ms_4754_137_6 die eigentlich nicht wahr sind, weil ich sie missbillige, aber für die ich etwass besseres zu schreiben, doch nicht im stande bin – so alt geworden, so viel studiert und bin doch nicht im stande mir noch etwass verdienen – es war nicht unbesonnenheit, nicht leichtsinn es war mein hochsinn, es war meine begeisterung für etwass schönes und ich habe nichts, weil ich noch nichts von der welt verlangte – ich bin aber nun auf den punkt, wo ich vernünftig, wie es die welt nennt, handeln beginne. – Ich könnte nach meinem gefühl im augenblicke sagen, die welt ist gemein und verdorben mein vertsand erlaubt es aber nicht, denn ich weiss, wenn ich anders aufgelegt bin die welt recht gut ist, und sich behandeln lasst von dem der sie zu behandeln versteht und und gescheut ist – und warum sollte ich ihnen nun mit so unnützen zeug meine briefe füllen, mit ein zeug wass ich selbst verachte –
Aber lassen Sie nun sehen, wass die vaterländische begeisterung nun thun wird können. die hauptsache ist, dass die zwecke und die wichtigkeit dieser verwandschafts frage, gut ihnen vorgelegt wird, und Dr. Schedel wird sie vermuthlich commentiren, denn ich berührte sie kurz in dem ich an die Academie schrieb. Es ist doch schon lange dass ich auf reisen bin, hätte ich geld gehabt, so hätte ich wenigstens den grammaticalischen theil der frage schon zu ende. – Ich werde auf diese reisen das Jahr durch wenigstens 2000 fl. C. M. brauchen, eine grosse Summe für ungarn ich schrieb aber nichts an Schedel davon, ich will abwarten wie sie selbst geneigt – dazu werde ich auch noch etwass brauchen um mich auf die reise vorzubereiten, ein pelz zu kaufen, karten bücher mir zu verschaffen, wovon besonders die karten theuer sind – ich habe ja nicht einmahl eine Uhr und reise schon 2½ Jahre, brauche compass und thermometer etz. – – dass ist gewiss, ist man in oekonomischer hinsicht beengt und gedrückt, so ist es auch der Geist ein wissenschaftlicher reisender muss frei von allen kummer sein, je freier er ist desto mehr wirkt er.
Herr Popov Professor der Chemie, der wie ich glaube mit Woiticz in Zirz bei den Abten mahl speisste ist nun hier in Petersburg und macht sehr viel furore – er ist seit drei wochen bereits, alle tage bei hofe, und unterrichtet da alle in einer chemischen malerei und andern Chemischen künsten, der Herzog von Leuchtenberg ist ihm besonders geneigt. man wird ihn vermuthlich hier halten. er reiset bald nach Simbirsk und von da nach Archangelsk in Auftragen des finanzministers – ich bin viel bekannt mit ihm er besuchte mich gleich nach seiner ankunft. er hat ein echt ungrisches herz.
Ihr Sohn Toni