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Reguly Antal levele a szüleinek (Szentpétervár, 1841. november 17.)
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Petersburg den 17 Novem. 1841
Gute Ältern!
Mama ihren Brief von 25 Aug. und Papa Ihren von 18 Sept. mit dem wechsel bekam ich den 2 Octob. und 12 Novemb. Die Bücher von Heckenast kann ich dieses Jahr nicht mehr bekommen, in dem die schiffahrt schon aufhört und sie noch nicht hier sind – der Buchhändler Gräfe vergass nach Leipzig zu schreiben als ich ihm zum ersten mahle bat – erst nach dem ich Mama ihren brief bekam und ihn wegen den büchern fragte schrieb er nach Leipzig – Sie werden also jene bücher in Pesth bei Heckenast finden. – Dem wechsel freuete sich meine hausmadame eine gute alte Schwedin vielleicht mehr als ich – durch 3½ Monath hatte ich quartier und kost bei ihr auf credit, und unterstütze mich auch mit Geld wenn ich zuweilen in Noth war. ich bezahle für 2 zimmerchen 45 rubel ass. monatlich – das erste monath bezahlte ich nur 35 rub. ich hatte diese zimmern aber nur pro interim, bis ein anderes zimmer leer wurde wass ich aber dann nicht beziehen wollte, und so nun diese theurern bezahle ich werde nun vielleicht eine Änderung machen.
Seien Sie nicht böse dass ich Ihnen wieder Deutsch schreibe, aber ich bin in Zeit so beschränkt dass es mir fast unmöglich ist – solch eine ungeheure Arbeit auf mir und so kurze Zeit dazu, es kann mein Gemüth nicht mahl zur ruhe kommen darum schreibe ich auch in die zeitungen nichts. Fürchten Sie aber nichts wenn man mich nun auch vergiest – ich arbeite nicht umsonst und würde ich nicht die gewissheit haben dass ich zu einem schönen schluss komme so würde ich ihnen nun wohl genug zeitungsartikeln geben um ein Renomée mir und bischen anerkennung zu verschaffen – so kann ich aber diess als bagatell gut fahren lassen – und meine zeit auf besseres verwenden. Ein Junger mensch soll sich auch nicht zu sehr beeilen um in die männliche bahn des wirkens zu treten, je länger er sich als lernenden betrachtet, mit blicken stets in die Zukunft gerichtet für diese sich bereitet, dessto besser und dessto tüchtigeres kann er sich versprechen. Es ist gewiss eine recommendation für ein jungen menschen wenn er zögert mit dem schreiben – die menge scribler die es in jetziger zeit giebt und überall wie schwämme wachsen und nichts weiter leisten als verkehrt das wiederholen wass andere schon gesagt haben sind bis zum eckel – und übereilt man sich nun, so kommt man halt auch in ihre categorie, wenn auch in menschen etwass besseres keimt auch ist es für mich besonders daraufzusehen – wenn ich für eine Academie arbeiten will, in so streng wissenschaftlichen, mit solchen so wenig als möglich abzugeben – wass ist denn ein junger mensch der etwass geschrieben hat? ich schätze ihn um kein groschen nicht höher – wass die menschen einem ins Ohr plauschen ist leeres Zeug für wass ich nie eine feder rühren will – was ihnen heute weiss ist nennen sie vielleicht morgen schwartz plus minus. – bei fremden durch schritten mich zu empfehlen will ich noch nicht weil ich mich nicht reif dazu halte und bei bekannten mache ich durch zögern, nur auf gründlichkeit und grösseren erwartungen ihrerseits anspruch – eine gute schöne sache soll man auch immer aus guten schönen zweck thun, nicht aus vanitas vanitatum eitelkeit, wenn man der wahrheit einen wirklichen dienst zu thun sich fähig fühlt, da soll man schreiben nicht eher. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_136_2
Ich habe mir nun ein ziemliches Bild von Ganz Asien von ihren Völkerschaften und sprachen etz. gemacht, letztens beschäftigte ich mich mit grossen Fleiss und Liebe mit den verschiedenen religionen und glauben dieser völker der auf ihre geistige bildung den entschiedensten einfluss immer geäussert hat – ein schönes studium, leider wird man so oft davon abgerissen – mit dem russischen bin ich ziemlich vorwärts – das türkische kostete ich auch schon, die grammatik ging ich einmahl schon durch, wenn nur die bücher nicht so ungeheuer theuer wurden sein, – das billigste türkische lexikon, das von Bianchi 2 octavband kostet 70 rubel – das russische lexikon v Reiff kostet auch 30 rubel. Müllers buch über den ugrischen volkstamm, was mir auch unser Academie sehr anempfohlen hat, und dessen ersten band ich schon in Helsingfors besass, kostet 2 bände 8 rubel silfver (28 rubel banco) etz. – Ganze tage stecke ich in meinem Zimmer und athme keine frische luft seit ein monat war ich nicht auf Vassiloe Ostrov (der sitz der wissenschaften und handels, auf anderer seite der Neva – eine Insel) nur Balugyansky besuchte zuweilen auf mittag – die academiker dachten, ich sei krank bis Sjögren nun Sonnabend bei mir war – er sprach von meinen aussischten, eigentlich fragte er – ob unsere Academie mir unterstüzung zur reise nach Siberien geben wird etz. denn die Petersburger Academie denkt auch dahin jemanden in sprachlicher und geschichtlicher hinsicht zu schiecken – vor mehreren monathen sprach mir von diesen schon Baer – ich habe also Hoffnung wenn nicht auf kosten der Ungarn, also der Russen eine reise dahin zu machen doch mittheilen sie es andern nicht in dem es noch nichts bestimmtes ist – und ich es lieber auf kosten Ungarns thun würde, in dem durch diese interessanten forschungen, die wirksamkeit der ungarischen academie auch ein verdienst in wissenschaft für nicht ungarn auch hätte obwohl die Russen wieder die kosten reicher geben würden. – ganz warscheinlich, ich könnte vielleicht sagen, gewiss ist mir eine reise nach siberien Die Academiker hier, die ich kenne sind mir sehr gewogen zu baer bin ich jeden Mittwoch auf mittag und zu Schmitt jeden Sonntag geladen, und gehe auch wenn es meine studien erlauben – zu Balugyansky bin auf alle tage geladent wass könnte ich noch mehr wünchen, die woche durch 3 bis 4 mahl bin ich auch da – er ist seit 21 Oct. alleine, die frau fuhr nach Pskov und kommt ende November zurück – dass sind vortreffliche leute, und ganz ungarisch geblieben magyar kaposztát jot eszünk – sok gyümöltsüket othon nem bánom éppen, míg haza jövök – de pogácsát, ollyant mit convictusba küldött Mama sokszor szivessen ennék – Seit etlichen Tagen hört Balugyánsky sehr schlecht. es soll aber monat November immer so bei ihm seien. – – wie ich sonst zu hause lebe, ist auch nicht schlecht zu frühstück habe ich kartoffeln und brot, mittag 3 speisen für ein rubel und abends thee – ich lege mich sehr spät gewöhnlich 1 oder 2 Uhr nieder und stehe um 8 auf. – Im Theater war ich aber noch nicht und sah die Taglioni auch nicht – übermorgen werd ich sie vielleicht sehen – und darnach auch die andern theaters auch mahl besuchen. MTA_KIK_Kt_Ms_4754_136_3
An die Ungrische Academie schicke ich diese Tage meine Antwort. – Ende august waren hier zwei Professoren aus Pesth, Csausz und Jordan, sie besuchten mich und brachten mir von Schedel einen brief sie fuhren von hier nach Stockholm und ich gab ihnen einen finnischen recommendationsbrief an Arwidson mit. – Es giebt hier auch mehrere Ungarn die ihr glück hier suchen wollten doch scheint es ihnen nicht ganz gut zu sein – sind meistens Gymnasial lehrer Ein gewisser Andrassy aus dem Weissenburger Comitat besuchte mich vor einer woche – sein Bruder besitzt unweit Martonvásár – ein solider mensch. – Ein gewisser Kéri ist auch hier, ein poltron, der in 10 Jahren wenigstens 6 verschiedene dienste hatte. letztens war er in Pskov bei dem Gymnasium französischer Sprachmeister – nach einem Jahr verlies er die stelle und kam hieher – doch hat er noch keine anstellung – Balugyansky sagt er soll eine zeit vielleicht ein Jahr hier zappeln dann will er ihm wieder eine anstellung verschaffen. – Ein andrer Ungar ist in Siberien in Tomsk Gymnasial lehrer, meistens lehren sie lateinische sprache.
Seit 9 Novem. haben wir hier schnee und fahren auf schlitten, doch liess das wetter gestern nach – bis 7 grad hatten wir schon kälte. Sonntag nahm man die Brücke heraus. ich war auf mittag bei Sjögren als ich abends zurück kam, musste ich lange an der Neva warten. es war kaum mehr hoffnung herüber zu kommen wegen den einschreiten der politzei, obwohl eben das eis nicht so sehr viel war. – Das Neva wasser kann ich noch nicht vertragen es verursacht mir durchfall – nun trinke ich es gekochter
Von meiner reise nach Finnland von der ich in meinem letzten brief schrieb, wurde nichts, das wetter veränderte sich plötzlich – es regnete anhaltend und in dem die equipage offen war blieb ich lieber zurück.
Zay sein schreiben habe ich gelesen es ist sehr einseitig geschrieben, es macht ihm keine Ehre – etliche ungarische litteratoren kommen mir wie Weiber vor sie fragen ihr Ohr und herz wie es klingt und glauben die muttersprache schon gebildet zu haben wenn sich diese zwei befriedigt finden, weil sie den Sinn der musik nachsetzen kommen zuweilen solche dummheiten heraus – sie haben das flammändische Fest zu Gent gelesen, könnten wir darin nicht ein beispiel nehmen? – solche besonnenheit macht dem Mann ehre wass würde geschehen wenn wir unsere sache so begonnen hätten – sie ladnen die Wallonen selbst ein und diese schöne rücksichtsnahme um alles anstössige zu vermeiden! – Wie existirte Österreich bis jetzt? machte England versuche die Nationalitäten unter ihrer Crone zu vernichten – richtete es nicht selbst für Wallisische sprache schulen ein – das element der politischen einheit ist etwass anderes, als wir ungarn glauben. Das werden wir nicht erreichen das Slaven ihre muttersprache nicht verstehen sollen, aber dass die, für die es nothwendig, ist Ungarisch können werden, dafür sind genug und die hauptschritte gethan, altes übrige wird die zeit thun wenn ihn die erbitterung nicht hindernisse legen wird. Sie sollen bilden ihre Slavische Sprache es ist nur ein vortheil für uns, denn es ist ein sporn dass wir auch nicht nach bleiben, und herschend ist ja die ungarische MTA_KIK_Kt_Ms_4754_136_4
Das zeigten die Slaven schon genug dass sie ein zähes leben haben wir werden nichts ausrichten. Wenn wir sie in frieden lassen so werden sie slavisch und Ungarisch zusammen cultiviren und mehr können wir gerade von sie nicht fordern, es ist dasselbe mit Sprache wie mit religion – aber Zeit macht in ersterem doch viel mehr wirkung. – Wer seine überlegenheit kennt und nicht würdevoll und mit schonung handeln kann, zeigt sich denen unwerth unreif. An Abten wie auch an Bonifacius schrieb ich noch nicht und werde es vielleicht vor 3 wochen auch nicht thun können – es ist schwer wenn man so lange undankbar scheinen muss. Der Abt hat wohl manchen leichtsinn in meinen briefen bemerkt – ich schrieb aber Ihm wie auch Ihnen zugleich von einer schlechten Gemüthsstimmung oder Gemüthskrankheit – wenn man das gute und schöne schon bischen begreifen lehrtet und doch den niedrigern dunklern pfad sich wandeln sieht diese erkannte schwäche, dieses schwanken zwischen principiengemässen handlungen und den vorurtheilen der welt die man ohne willen, zu folgen fortgerissen wird – ist allerdings genug ursache zu einer unzufriedenheit mit sich selbst zu einer krankheit die man nicht erkennen kann – die Sie aber in jenen briefen zugleich als entschuldigung nehmen können. Man versucht einzeln zu gehen und der schwache Geist tragt einen noch nicht – solche versuche muss aber ein jeder thun der nach selbstständigkeit trachtet.
Meine rückreise werde ich nicht über Warschau machen, schiecken Sie mir aber doch des obristes adresse, ich werde mich nach seiner erkundigen.
Das Ungarische Lexikon (ungrisch-deutsch. Theil) und die grammatik können Sie mir mit der Gesandschaft schiecken – ich bitte thun Sie es, wenn es möglich bald. Udvardi grüssen Sie, lassen Sie aber meine briefe nicht drucken, ich glaube es ist nicht so besonders darin – mann wird meine nachricht an die Academie drucken lassen.
Ich schiecke diesen brief durch die Gesandschaft und werde es in folge immer so thun – ich machte bei Wogna noch nicht meine aufwartung – mache sie aber heute nach dem ich diesen brief abgab.
Zsuli sagt also liebe Ältern ihrem hause lebewohl, Sie werden vielleicht mehrere bei sich versammelt haben, ich möchte ich könnte auch in ihrer Zahl sein – nun denken Sie dass es an der Neva eine Seele giebt, die sich diesem Tage freuet und segen über ihm bittet.
Meine empfehlung an Herrn Abten, Prior, Suprior (alten) Anyos Koller etz. an alle Gäste die da sind – und schreiben Sie mir bald. Ich küsse Ihnen vielmahls die Hand und bleibe ihr liebender Sohn
Toni
Szuli Berta küsse ich. – An Zirzen auch meine besondere Empfehlung.
Magyar ruhát nem csinyáltatok sok pénzbe kerülne – és mi haszna ha három ho mulva Siberiába utazok.