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Reguly Antal levele a szüleinek (Szentpétervár, 1841. június 25.)
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1)
St. Petersburg den 25 Jun. 1841
Liebste Ältern!
Ich hatte heute einen schönen freudevollen Tag; ich kann ihn nicht würdiger endigen, als weihe ich seine letzen Stunden einem Briefe an Sie.
Herrliche Laute hörrte ich heute! Sie könnten sie kaum errathen, obwohl ich sie aus Ihrem Munde zuerscht hörrte und lernte. – Ich sprach heute Ungarisch – einen ganzen halben Tag Ungarisch! Zwei Jahre musste ich entbehren, um heute in vollen Maas zu fühlen und kennen zu lehrnen was eine Muttersprache einem sei – In Herz und Seele tönet sie mir noch. Zehnfach hat manches vort ihre Bedeutung wie gefangen die vergangenheit – führte sie mir hundert und hundert Erinnerungen vor; bald vater bald mutter bald schwester bald freunde erkannte ich in den bekannten Lauten – wie in ein Zauberspiegel gab sie mir lebhaft zu sehen und hören, was längst vorüber und dessen Erinnerung ich kaum mehr in verblichenen schatten Gemählde besitze.
Möge die neue, die entflammte Begeisterung für sie nicht schwinden! mögen wir sie bewahren und uns zur Lehre nehmen das Loos uns verwandten völkerschaften, denen wir nun umsonst den Bruder Namen zu rufen die verschwunden ohne spuren – die weil sie die Zunge ihrer Väter vergessen, zu ihrem Untergang und Tod gegangen sind. – Ein schönes befriedigendes Gefühl ist in mir, hinsicht der wahl meines studiums – ich nahm was die Gegenwart schönstes mir zu reichen hatte; möge mein streben unterstüzung finden um es in solchen umfang zu betreiben, wie es die wichtigkeit der Sache erfordern kann! – – Gerne würde ich auf kurze weile unter Sie sein, und geniesen in sehen des edlen und zweckmässigen strebend das uns einzig Ehre machen und unsern Vätern aus würdig zeigen kann. – Das herrliche fruchtbare Land! das männlich schöne, kräftige volk – die Ungarn! höre ich überall auf meinen Reisen, die Fremden sagen. Ein schöner Nahme, den uns unsere väter erworben und als vermächtniss gelassen – sie hatten Europäische wichtigkeit in Ihrer stellung gegen Türkei Ihre Thaten bewahrt die geschichte – sie waren einem Ungarn würdig zu jeden Zeiten. Doch dies ist vorüber – die veränderten zeiten fordern anderne Thaten und in dem wir den Geist der zeit verkannten, in den einzigen und selben fussschtapfen der vorfahren blindlings traten, liefen wir gefahr als eine balsamirte Mumie der vergangenen Mittelalterlichen Zeit der neuen welt zur schau übrig zu bleiben. Das verlohrne zu erringen wieder, ist uns eine schuldige Aufgabe, durch wissenschaften, nur in diesem Kreise, wirken wirMTA_KIK_Kt_Ms_4754_132_2 positio für unsern Nahmen – mit andern aufgeklärten forschenden völkern Hand in Hand werden wir bald gemeinschaftlich zum höhern Mahl unser bestimmung vorschreiten.
Bei Madame Fessler gestern abend, erfuhr ich dass hier ein geborner Ungar mit Nahmen Balugyánsky wohne – von Ihm komme ich nun, von Ihm bringe ich diese Begeisterung. 38 Jahre ist er hier in Petersburg, ist noch durch Leib und Seele Ungar und spricht seine Muttersprache ganz zum verwundern gut – seine Frau ebenfals aus Ungarn thut es gleich – er ist Staats-Secretair – Excellenz – und Chef der Gesetz Commission – also Jurist – und wie mir Graf Armfelt sagt einer der ersten in Russland, wie auch schon seine Stelle zeigt. Mit wirklicher Landsmännischer wärme nahm er mich auf, und nihmt den freudigsten Antheil an meinen studien lange (sagt er) erwartete er schon einen jungen mann, der in solchen zwecken Russland besuchen würde.
Durch den General Super Intendenten Flittner erfuhr ich wo Madame Fessler wohne – auf einer der Inseln der stadt, abgelegen von hier fand ich sie gestern. – Der alte starb monat December 1839, ohne Kinder, liess nur diese wittwe zurück nachdem 1837 ein 30 jahriger sohn, der militair war zur seiner grossen Trauer starb. Nachgelassene schriften und Papiere sind keine da, ausgenommen einer umgearbeiteten beschreibung seines Lebens, die aber geordnet und zum druck fertig ist, obwohl nicht zum Druck zugelassen wird. Seine Bibliotheck geht auf 3000 Bände noch meistens alles zu haben – ich werde mir etliches aussuchen, ich habe den Cathalogue hier. – Wass den Historischen Theil zur Geschichte Ungarns anbelangt will die Akademie der Wissenschaft kaufen. Seine letzten Jahre war er viel verfolgt hier – Eines gewissen Aug. Limmer sein Buch,
1823kennen sie vielleicht: Meine Verfolgungen in Russland: eine aktenmässigen Darstellung der Jesuitisch-Herrnhutischen umtriebe des Dr. Ign. Fessler und seiner Verbündeten. Leipzig. 1823. Dieser Limmer war Prediger unter Fessler und verlor wegen häufiger betrunkenheit durch Fessler, sein Amt – darum schrieb er diess Buch, wass durch einen gewissen Pesarovius viederlegt wurde, aber was ihm doch sehr viel schadete und ihm mit einem verdacht belastete dessen er nicht mehr los werden konnte – wegen neigung zum Catholicismus wurde er 1834 seines Amtes in Saratov als Generalsuperintendent entledigt und in Consiliarium Ecclesia Evang.-Lutherana Dirigentis Senatus nach Petersburg versetz, wo er wegen seinem heimlichen verborgenen wesen nicht viel zutrauen genossen habe – in seiner Lebensbeschreibung erwähnt er dessen auf manchen stellen und sie ist desswegen hier verboten, und darum auch zur zweiten auflage nicht erlaubt. – MTA_KIK_Kt_Ms_4754_132_3Doch ich will bischen Systematisch gehen. –
Den 11en dieses Monaths – also eben heute 2 wochen kam ich zur diesen Riesen stadt – Nachdem ich anderthalb Jahre mehr oder minder in Ihrer nähe herumschweifte, gelang es mir endlich sie zu erreichen. Ich wohnte auf Vassilievskoi Ostrov in einem Deutschen Hotel. Mein ersten Besuch den andern Tag machte ich bei den Gesandten – den andren bei einem Akademiker Sjögren, der besonders mit Finnischen studien sich abgiebt (er ist auch geborner finne) – Seine schriften kenne ich noch aus Helsingfors, sie sind sehr gründlich, schade dass seine schwachen Augen mehr weniger den Wissenschaften zu leben Ihm erlauben – auf einem Auge ist er ganz blind – Er ist mir ein wichtiger Mann, nur zu bedauern, dass ich ihm nun 2 Monathe entbehren muss in dem er den Sommer zu geniessen, diesen Montag auf dass Land fuhr und da weilen wird.
Den Bekannten aus Kopenhagen und Stockholm den Guten Prof. Koravitzky fand ich den dritten Tag – hier – durch seine vermittelung habe ich mein jetztiges Quartier mit dem ich zufrieden sein kann, in dem es so billig ist wie es hier nur sein kann. Schade er fuhr auch auf 2 Monathe nach Warschau. Seit 16en wohne ich in mein gemietheten Quartier, es ist der Michailovskischen Manege gegenüber, in dem Sutugina Hause – bei Madame Wickman (einer Schwedin) fast in der Mitte der Stadt, neben der Nevskischen Perspective. Ich habe 2 Zimmern dass eine auf die Strasse, dass ander auf die Treppe zu und wegen der ewigen finsterniss darin, zum schlafen gebrauchbar – Mittag täglich 3 speisen, einen Russischen Burschen zur bedienung – und The Maschine zum gebrauch täglich 2 mahl (n.b. wenn ich will) und bezahle 45 rubel monatlich – 35 rubel dass Quartier und mittag täglich ein rubel – doch ist es kein abonnement, speise ich nicht zu hause, so bezahle ich auch nicht. – Diese Madame hat 9 andere bei ihr wohnende noch, wegen reinlichkeit thut sie mir alles –, die andern sind in diesem punkt ziemlich verwahrlost – ich will sehen wie es mir weiter wird gehen. – – Wass sagen Sie Liebe Ältern? wenn ich nach etlichen Monathen einen Wogulen aus Siberien zum bedienten habe? Sonntag besuchte ich Admiral Wrangel aus seinen Siberischen Reisen, und als Gouverneur der Russisch Nord Amerikanischen Besitzungen bekannt – ich hatte ein Empfehlungsschreiben zu Ihm. Auf meine Frage ob es nicht möglich würde sein, in dem er viele Bekanntschaften in den Uralischen Gegenden habe einen Vogulen davon zum Bedienten bekommen, damit ich seine sprache auf solche art lehrnen könnte – versprach er mir wenn es möglich würde sein, dafür zu sorgen mit ihn zu verschaffen – wenn nicht – so will ich Anatol Demidoff ansprechen, er soll den wissenschaften den Dienst thun – von vogulischer Sprache weiss man bis jetzt noch gar nichts, nach historischen Beweisen soll sie doch dem Ungarischen am nächsten kommen – er hat vogulische unterthanen, sie sind sklaven, er kann mir einen mit leib und seele schenken und ich will ihn auf kosten der verwandschaft unserer Vorväter MTA_KIK_Kt_Ms_4754_132_4 recht gute Tage in Ungarn leben lassen. Admiral Wrangell reiste auch auf das Land. Balugyansky reist auch Montag hinaus – doch seine Frau bleibt hier. – Der Sommer ist keine günstige zeit für ein Reisenden in Städten – in höchsten Grad ist es hier in Petersburg der Fall – nur dass nicht alles was füsse hat lauft.
Einer der interessantesten Menschen den man kennen kann, ist der Staatsrath und Akademiker Baer – Eine seiner schriften (Blicke auf die Entwikelung der Wissenschaften) die ich in Helsingfors zur hand bekam, gab gelegenheit dass ich ein Empfehlungs schreiben aus Reval an diesen Genialen Menschen bekam – ich bin in seinem Hause sehr gut aufgenommen und seine bereitwillige Gefälligkeit und lehrreiche Unterhaltung verspricht mir manche unterstüzung in studien und manche angenehme Stunden bei ihm zu zubringen. – Morgen bin ich auf Mittag bei Ihm, wohin er mehrere Gelehrte ladnen will, um mich mit sie bekannt zu machen, und übermorgen denken wir eine Fahrt nach Pavlovsk (ein Lustschloss) zu machen, um Adelung zu besuchen – in hinsicht der finnischen sprachen besitz dieser sehr interessante handschriften aus Pallas und Bacmeisters Nachlass, wie er in seinem Buch über die verdienste Catharinus der Grossen, sagt und sie selbst specifiziert – ich hoffe sie zur benutzung zu bekommen, sie können mir vieles dienliches zur vergleichenden sprachforschung liefern. Sein Schwiegersohn ist Koeppen ein bekannter Akademiker auch den Ungarn, er wohnt auch da.
Wenn ich noch den Grafen Armfelt Minister Staats Secretairen für finnische Angelegenheiten nenne, so sagte ich Ihnen Gute Ältern alle meine bisherigen bekannten. – Etliche Empfehlungs Briefe habe ich noch, unter andern an Fürscht Odojevsky und Grafen Sologub, beide Schriftsteller – ihre Häuser sind Sammlungsplätze der hiesigen Litteratören – doch sind sie nun beide abwesend.
Von der schönheit der stadt Petersburgs spricht man
einbischen zu exaltiert, wie es bei dergleichen gewöhnlich der fall ist – dass schönste wass sie besitzt ist die Neva – ein herrlicher majestätischer strom. – Manchen abend steh ich an seinen mit finnischen Granit ausgelegten Ufern – ruhig und leise führt er seine Fluthen den armen des offenen Meeres zu – erhaben, Kaiserlich ist diese Ruhe. – Die Statue-equestre Peter des Grossen, und die Alexanders Colonn sind vollendete Kunstwerke, man kann nicht vorüber gehen ohne stehen zu bleiben und sie zu bewundern, und hat man sie vorher auch zehnmal gesehen. Alles ist hier grandiös das kann man sagen – doch ist in den Gebäuden (ausser den winter Palais) mehr die immanis moles, die riesenhafte grosse, als Architectonischer Geschmack zu bewundern – Dieses Kind der Kunst (besser dieser Zweig) scheint dem Norden so viel ich auch Schweden und Finnland kenne, nur den Namen nach bekannt zu sein. – Dem innern Nah besah ich ausser etlichen Kirchen, nur die Bibliothek der Akademie – von wo mir Baer als Bibliothekar, alles nöthige zur Hand geben wird. – die Distanzen sind hier ungeheuer – der Zeit – verlust macht eine Visite ganz abscheulich gros hin und zurück macht der weg zuweilen eine deutsche Meile und mehr – aus und dies ist doch alles in der Stadt.